Maurice

Maurice

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Illegale Intimitäten

Im England des frühen 20. Jahrhunderts spitzt sich in gehobenen gesellschaftlichen Kreisen ein Drama um den homosexuellen Maurice zu, der wie die meisten schwulen Männer damals gezwungen war, diese Orientierung zu verbergen, stellte sie doch neben der sozialen Stigmatisierung auch eine Straftat dar. Maurice von James Ivory nach dem gleichnamigen Roman von E. M. Forster ergeht sich dabei in der artigen Ästhetik der Edwardianischen Zeit, die allerdings unterschwellig von versteckten Leidenschaften durchsetzt ist.
In der sittenstrengen Umgebung der Eliteuniversität Cambridge treffen die Studenten Maurice Hall (James Wilby) und Clive Durham (Hugh Grant) aufeinander, zwischen denen sich eine zärtlich-zarte Liebesgeschichte anbahnt. Blicke, verstohlene Gesten und Berührungen hier und da sowie intensive Gespräche und abgeschirmte ausführliche Schmusereien prägen ihre Verbindung, die sie sorgfältig zu verheimlichen bemüht sind. Dann muss Maurice auf Grund einer Disziplinlosigkeit die Universität verlassen und kehrt zu seiner Familie zurück, um ins Geschäftsleben einzusteigen. Doch während der häufigen Besuche bei seinem Freund gelingt es den beiden immer wieder, innige Zeiten miteinander zu verbringen.

Es ist Clive, der als Friedensrichter in seiner Region eine politische Karriere anstrebt und schließlich die intime Beziehung zu Maurice beendet, der unter dieser Trennung ganz fürchterlich leidet, sich aber bemüht, die freundschaftlichen Bande auch zwischen den beiden Familien aufrechtzuerhalten. Er beginnt, seine Homosexualität ärztlich untersuchen zu lassen und lässt sich sogar hypnotisieren, um seine Empfindungen in den Griff zu bekommen. Während eines Besuchs bei dem mittlerweile verheirateten Clive verbringt Maurice überraschend eine Liebesnacht mit dem Wildhüter Alec Scudder (Rupert Graves). Damit setzt ein verwirrender Taumel der Gefühle bei beiden Männern gleichermaßen ein: Maurice muss befürchten, dass der pfiffige Alec ihn erpressen will, und Alec hat Angst davor, dass Maurice wegen seiner gesellschaftlich geringen Stellung auf ihn herabsieht. Und beide liefern sich bei ihrem konfliktreichen Umgang miteinander ausreichend Gründe, dass ihre Befürchtungen nur allzu wahrscheinlich sind. Doch dann kommt der Tag, an dem das Schiff nach Argentinien ablegt, mit dem Alec in ein neues Leben fernab der Heimat reisen soll, und Maurice fährt zum Hafen, um ihn zu verabschieden, wo bereits die Familie Scudder versammelt ist, die ihn argwöhnisch beäugt ...

Nominiert für einen Oscar für die Besten Kostüme wurde Maurice bei den Filmfestspielen von Venedig, wo er seine Premiere feierte, gleich dreifach für die Besten Schauspieler (Hugh Grant, James Wilby), die Beste Musik (Richard Robbins) und mit dem Silbernen Löwen für James Ivory ausgezeichnet. Es ist zweifellos die elegante visuelle Ästhetik, die hier im Vordergrund steht, während die emotionalen Zerrissenheiten und Konflikte mitunter allzu holprig und unausgereift erscheinen. Das mag daran liegen, dass Regisseur James Ivory die Konzentration auf die Darstellung der finalen Liebesgeschichte gelegt hat, wie er im Interview unter den umfangreichen Extras der DVD bemerkt. Und es ist in der Tat die zweite Hälfte des Films, wenn Rupert Graves als Alec Scudder in den Fokus rückt, die sich ungleich lebendiger und spannender gestaltet als das Spiel zwischen James Wilby und Hugh Grant, dessen überwiegend leidvolle Miene nicht wahrhaft überzeugen kann. Für seine Länge von gut zwei Stunden bietet Maurice insgesamt jedoch zu wenig intensive und anregende Sequenzen, die innerhalb dieser durchaus hoch interessanten, allerdings verplätschernden Geschichte zu berühren vermögen, deren überraschendes Ende sich wiederum ebenso ansprechend wie kämpferisch gestaltet.

Maurice

Im England des frühen 20. Jahrhunderts spitzt sich in gehobenen gesellschaftlichen Kreisen ein Drama um den homosexuellen Maurice zu, der wie die meisten schwulen Männer damals gezwungen war, diese Orientierung zu verbergen, stellte sie doch neben der sozialen Stigmatisierung auch eine Straftat dar.
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