Kurz davor ist es passiert

Kurz davor ist es passiert

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Berlinale Forum

„Besessen von der Wirklichkeit“, das ist sie, die Anja Salomonowitz. Sie wird allzu gerne als „eines der größten Talente Österreichs“ betitelt und sprengt mit ihrem zweiten längeren Film spielerisch die Grenzen zwischen Dokumentation, Realität und einer fingierten Wahrheit.
Kurz davor ist es passiert ist „eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem globalen Phänomen des Frauenhandels“, wie das Presseheft zu berichten weiß. „Ich will das Mitleid und die Empathie beim Zuschauer wegnehmen, denn beides nützt den Betroffenen, die ihre Geschichten erzählen, gar nichts“, bekräftigt Anja Salomonowitz im Gespräch nach der Berlinale-Premiere ihres Films über Frauenhandel und Zwangsprostitution. Dazu bedient sie sich eines klassischen Verfremdungseffekts, denn sie lässt nicht die Opfer selbst ihre Geschichten sprechen, sondern jene, die auf der Seite der Repression stehen oder stehen könnten: Den Grenzbeamten, der illegale Migrantinnen bei Entdeckung der Abschiebung zuführt, die Nachbarin, die von den Diensten der zur Haussklavin Geehelichten gleich nebenan mit profitiert, den Kellner an der Puff-Bar, die gutbürgerliche Diplomatin, die eine Illegale unter dem Deckmantel der Humanität zur Hausarbeit ausbeutet, oder den Taxifahrer, der eine Zwangsprostituierte von Freier zu Freier kutschiert.

Für Kurz davor ist es passiert wurde Salomonowitz mit dem Caligari Preis des Internationalen Forums des jungen Films der Berlinale 2007 ausgezeichnet: „Intelligent strukturiert verbindet Anja Salomonowitz Dokumentarfilm über Frauenhandel und illegale Migrantinnen doppelbödig inszenierte Realität zu einer spannend und erhellenden Analyse gesellschaftlicher Missstände“, begründete die Jury die Entscheidung. Anja Salomonowitz, die in Wien und Berlin Film studierte, dreht politische Dokumentarfilme an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation. Ihre Arbeiten erhalten international Anerkennung: Ihr letzter Film Das wirst du nie verstehen erhielt den Prix Regards Neufs beim renommierten Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon und lief auf zahlreichen weiteren Filmfestivals.

Kurz davor ist es passiert

„Besessen von der Wirklichkeit“, das ist sie, die Anja Salomonowitz. Sie wird allzu gerne als „eines der größten Talente Österreichs“ betitelt.
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