God Loves the Fighter

God Loves the Fighter

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine Inselfiktion mit harten Realitäten

King Curtis (Lou Lyons) nennt sich der ältere, verwahrlost erscheinende, hagere Typ mit den langen Dreadlocks, der laut lamentierend durch die belebten Straßen von Port of Spain läuft. Seine Schimpftiraden zielen im Rundumschlag auf die desolaten sozialen Zustände seiner Heimat und seines Lebensraumes, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago, in deren kriminellem Ballungsraum der Ghettos er überlebt, jenseits der wohlhabenden Quartiere mit luxuriösen Hotels wie dem Hyatt. Es ist diese sich freimütig als solche bekennende Figur einer der zahlreichen unterprivilegierten Gesellschaftsgruppen im karibischen Raum, die als derb-poetischer Geschichtenerzähler und Kommentator durch den Film God Loves the Fighter führt, dessen Regisseur Damian Marcano selbst aus Trinidad stammt. Es ist sein erster Spielfilm, in dem offensichtlich reichlich ambivalentes Herzblut steckt.
Der junge Chicken (Zion Henry) gehört zweifellos regelmäßig in die Schule, von altersgemäßer Spielzeit und vom Schutz durch Kinderrechte ganz zu schweigen, doch für sein täglich Brot und sogar das seiner Mutter (Penelope Spencer) muss er schon selbst sorgen, am Rande der Kleinkriminalität. Der eigentlich recht friedfertige Charlie (Muhammad Muwakil), bemüht, seine karge Existenz legal zu halten, sieht schließlich keinen anderen Ausweg aus seiner Misere, als sich an seinen alten Kumpel Stone (Abdi Waithe) zu wenden, der allerdings als Gangleader längst jenseits der Gesetze agiert. Die traumatisiert wirkende Prostituierte Dinah (Jamie Lee Phillips) findet nicht einmal bei der Beichte Trost und hält nur mit Mühe ihr elendiges Dasein aufrecht, während der ausgebuffte, exzentrische Zuhälter Putao (Darren Cheewah) wahrlich kein Laster auslässt.

Diese Protagonisten begleitet der Film durch ihren argen Alltag, hier Port of Spain auf Trinidad, der sich aber durchaus vergleichbar in Tanger, Marokko oder Mumbai, Indien ereignen könnte, folgt man ähnlichen literarischen – etwa Mohamed Choukris Autobiographie Das nackte Brot / Al-Hubz al-Hafi – und filmischen – wie Danny Boyles deftigem Märchen Slumdog Millionär – Erzählungen unterschiedlichster Ausprägung. So befindet sich God Loves the Fighter in einer stark divergierenden Tradition von Elendsschilderungen in einem spezifischen Milieu, wobei diese Trinidad-Version ihren King Curtis bewusst als moralisierenden Monologisten einsetzt. Stark puristisch und markant karibisch muten hier zuvorderst die groben, gnadenlosen und fordernden Frauencharaktere an, die ihre ungleich unentschlosseneren männlichen „Helden“ offen als Versager deklarieren.

Er schlafe zwar auf der Straße, sei jedoch immer noch ein König, behauptet der Erzähler King Curtis trotzig, sich darauf berufend, dass ein schlagendes Herz noch immer wertvoller als ein Sack voll Diamanten sei – eine seiner flapsigen Bemerkungen, die einen gewissen Stolz ausweisen, der an den – vermeintlich – unantastbaren Wert eines jeden Menschen gemahnt, den dieser Film inhärent in den Fokus rückt. God Loves the Fighter stellt über das Bemühen hinaus, das durch Armut, Gewalt und Drogen geprägte Leben in den düsteren Bezirken der Karibikmetropole Port of Spain realitätsnah abzubilden, ein schonungsloses, provokatives und mitunter zynisches Pamphlet für eine öffentliche Beleuchtung des düsteren Elends dar, dessen mächtige bis ohnmächtige Duldung in der Regel für nicht mehr als ein paar kurzzeitig skandalöse Schlagzeilen sorgt.

Dass ein Ausweg nur in einer Flucht aus dem gefährlichen Milieu bestehen kann, deutet Damian Marcano als Drehbuchautor und Regisseur seines drastischen Debüts am Ende an, ohne dazu einen realistischen Hoffnungsweg aufzuzeigen. Damit stellt sich God Loves the Fighter der herrschenden Ratlosigkeit seiner Thematik und lässt den kritischen Kommentator King Curtis den hehren Begriff der Lüge schmettern, jenes Trinidad betreffend, das als attraktives Urlaubsziel gilt. Auch der christliche Glaube und die Religiosität werden letztlich als unwirksam abgestraft, trotz des diesbezüglich signifikanten Titels. Von den porträtierten Überlebenskämpfern gelingt final nur einer Figur der Abflug, wenn auch ins Ungewisse, und es bleibt der intensive, bittere Eindruck einer Inselfiktion, deren Skizze wahrscheinlich eine kenntnisreiche Brücke zur brutalen Realität bildet.

God Loves the Fighter

King Curtis (Lou Lyons) nennt sich der ältere, verwahrlost erscheinende, hagere Typ mit den langen Dreadlocks, der laut lamentierend durch die belebten Straßen von Port of Spain läuft. Seine Schimpftiraden zielen im Rundumschlag auf die desolaten sozialen Zustände seiner Heimat und seines Lebensraumes, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago, in deren kriminellem Ballungsraum der Ghettos er überlebt, jenseits der wohlhabenden Quartiere mit luxuriösen Hotels wie dem Hyatt.
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