John Dies at the End

John Dies at the End

Eine Filmkritik von Martin Beck

Crystal Meth? Ist Wick Blau gegen "SoySauce"

Gleich die erste Szene von John Dies at the End sagt an wo die Reise hingeht: nämlich in eine halluzinierende Geisterbahn aus allem – inklusive einer Axt, deren Griff ersetzt wurde. Und die nun vielleicht nicht mehr dieselbe ist, aber auf jeden Fall immer noch einem schäumenden Zombie verpasst werden kann, der gerade zum Angriff übergeht. Zack, cut und zurück auf Anfang. In ein chinesisches Restaurant. In dem David (Chase Williamson), der Zombie-Töter, einem entgeisterten Reporter (Paul Giamatti) von einer Droge namens „SoySauce“ erzählt.
John Dies at the End markiert die Rückkehr von Don Coscarelli auf den Regiesessel. Satte 10 Jahre nach Bubba Ho-tep ist der kreative Rückstau anscheinend so groß, dass nun alles auf einmal dran glauben muss. Horror, Science Fiction, Fantasy und Komödie – Grenzen sind hier Schall und Rauch, und der extrem lockernde Drogeneinfluss macht natürlich nochmal mehr möglich. Kaum zu glauben, dass der Film lediglich die Hälfte der gleichnamigen Literaturvorlage von David Wong abdeckt.

Denn schon diese Hälfte hat es mächtig in sich und haut einem ein fragmentiertes Panoptikum aus verschiedenen Zeitzonen, Zeitreisen, bizarren Monstern, gespaltenen Persönlichkeiten, Untoten, Anrufen aus der Vergangenheit, Anrufen aus der Zukunft und einem Dämon namens Korrok, der gleich alle Dimensionen überhaupt in seine Gewalt bringen möchte, um die Ohren. Ach ja, und einen fliegenden Schnurrbart gibt es auch noch. Und ein Hot Dog-Telefon. Und ausgekotzte Kakerlaken. Und ein tiefgekühltes Fleischmonster.

Und…noch sehr viel mehr. Was hier so viel ist, dass man getrost von einer filmischen Wundertüte sprechen kann, die über die Drogen-Rechtfertigung ihrer Fantasie freien Lauf lässt. Und dabei wilde Haken a-go-go schlägt, die immer wieder überraschen und irritieren, und niemals, wirklich niemals eine klare Ahnung der weiteren Ereignisse geben. John dies at the end ist der bald platzende Gegenentwurf zur allseits konstatierten Einfallslosigkeit Hollywoods. Eigentlich unvorstellbar, dass es Produzenten gibt, die ohne die vorherige Einnahme von SoySauce diesem Chaos grünes Licht erteilt haben.

Was wohlgemerkt absolut positiv gemeint ist — zumal der Film eine erstaunliche Coolness bewahrt und fast nie die Grenze zu nerdiger „wäre es nicht toll, wenn…“-Hysterie überschreitet. So ein bisschen wie Southland Tales auf gut. Was wohl auch daran liegt, dass Don Coscarelli einfach schon zu lange dabei ist und nicht den Anschein macht, als müsse er sich oder seinen facebook-Freunden noch irgendetwas beweisen. Ein satter „mind fuck“ also, weitab von verschwurbeltem Nerd-Geklimper. Alleine schon dieses Fleischmonster, das sich aus dem Inhalt einer forsch rumpelnden Tiefkühltruhe zusammensetzt, haut jedem Horrorfreund die Mettwurst aus den Rippen.

John Dies at the End ist ein echter Trip, und so ungehemmt fantasievoll, dass man das angerichtete Durcheinander überhaupt nicht aufräumen möchte. Und selbst am Ende, als Clancy Brown, umringt von mäßigen Effekten und einem nicht mehr ganz so cleveren Showdown, etwas zu viel comichaften Spaß verbreitet, keinerlei Veranlassung sieht, hier irgendetwas anderes als begeisterten Jubel loszulassen. Junge Junge, was für ein schräger Film!

John Dies at the End

Gleich die erste Szene von „John Dies at the End“ sagt an wo die Reise hingeht: nämlich in eine halluzinierende Geisterbahn aus allem – inklusive einer Axt, deren Griff ersetzt wurde. Und die nun vielleicht nicht mehr dieselbe ist, aber auf jeden Fall immer noch einem schäumenden Zombie verpasst werden kann, der gerade zum Angriff übergeht.
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