The Bay - Nach Angst kommt Panik

The Bay - Nach Angst kommt Panik

Eine Filmkritik von Björn Helbig

Die Pest von Chesapeake Bay

Paranormal Activity und kein Ende, oder: Nicht viel los im Found-Footage-Horror. Zumindest nicht viel Neues. Doch wenn ein Oscar-prämierter Regisseur wie Barry Levinson (Good Morning, Vietnam, Rain Man, Wag the Dog) einen Ausflug in dieses Genre unternimmt, steigen die Erwartungen natürlich doch immens an. Wenn jemand wie Levinson sich für das Format interessiert, dann wird er doch bestimmt eine verdammt gute Idee haben. Oder nicht?
Die Hafenstadt Chesapeake Bay im Bundesstaat Maine lebt überwiegend vom Tourismus. Als im Wasser giftige Substanzen nachgewiesen werden, wiegelt Bürgermeister John Stockman (Frank Deal) ab. Doch bald kann niemand mehr die Augen davor verschließen, dass im Ozean tatsächlich etwas Schreckliches vor sich geht. Menschen verschwinden. Immer mehr Bewohner von Chesapeake Bay klagen über seltsame Pusteln auf der Haut. Als Wissenschaftler dahinter kommen, dass der Grund ein durch Wachstumshormone mutierter Parasit ist, der die Organe von Menschen und Tieren befällt, ist es schon zu spät.

Die verdammt gute Idee hatte Barry Levinson leider nicht. Etwas wirklich Neues bekommt der Zuschauer nicht geboten. Doch hebt sich The Bay immerhin in Details von thematisch oder stilistisch ähnlichen Horrorfilmen ab. Was seinen Found-Footage-Ansatz betrifft, fällt auf, dass sich Levinson den Bildern mehrerer Quellen wie Camcordern, Handys, Überwachungskameras u.Ä. bedient. Die Bildqualität wird dadurch uneinheitlich und verworren, findet aber – und dies ist ein weiterer Unterschied zu vergleichbaren Filmen – in der fragmentarischen Struktur der Handlungsebene seine Entsprechung.

Levinson, das wird schnell klar, ist nicht daran gelegen, die „Geschichte“ nach einer Idee von Michael Wallach besonders spannend zu erzählen, sondern ein möglichst umfassendes Bild des Katastrophen-Szenarios zu zeichnen. Für Figuren, die dem Zuschauer ans Herz wachsen, ist da kein Platz. Man wird Zeuge des Schicksals der Wissenschaftler, die den Parasiten zuerst entdeckt haben, bekommt Einblick in die immer chaotischer werdende Situation im Krankenhaus, erlebt mit einer Polizeistreife den in Chesapeake Bay aufkeimenden Wahnsinn, wohnt dem Tod vieler Einheimischer sowie einiger Touristen bei usw. Zusammengehalten werden die Ereignisse von dem Videopodcast einer Journalistin (Kristen Connolly), die Zeugin der sich ausbreitenden Seuche wird. Sie ist das, was einer Identifikationsfigur noch am nächsten kommt. Um den Zuschauer an sich zu binden und ihn die Geschichte auch emotional miterleben zu lassen, reicht das allerdings nicht aus.

Insgesamt ist The Bay kein schlechter Film, aber eben auch keiner, der an irgendeiner Stelle richtig punkten kann. Er ist ein ordentlicher Genre-Film mit einer Handvoll spannenden und einigen ekligen Szenen. Nicht weniger – aber leider auch nicht mehr. Dabei hätte die Prämisse zweifelsohne großes Potenzial geboten. Sowohl im Bereich des realitätsnahen, ökologisch orientierten Tierhorrors als auch in einer selbstreflexiven Medienkritik und –analyse: Wenn irgendwann einmal die Welt untergeht, dann haben wir zumindest alles auf Video!

The Bay - Nach Angst kommt Panik

„Paranormal Activity“ und kein Ende, oder: Nicht viel los im Found-Footage-Horror. Zumindest nicht viel Neues. Doch wenn ein Oscar-prämierter Regisseur wie Barry Levinson ( „Good Morning, Vietnam“, „Rain Man“, „Wag the Dog“) einen Ausflug in dieses Genre unternimmt, steigen die Erwartungen natürlich doch immens an. Wenn jemand wie Levinson sich für das Format interessiert, dann wird er doch bestimmt eine verdammt gute Idee haben. Oder nicht?
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