Die Sehnsucht der Falter

Die Sehnsucht der Falter

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Die Zerrissenheiten eines talentierten Teenagers

In einem exklusiven Internat lebt die 16jährige Rebecca (Sarah Bolger), seit ihr Vater – ein angesehener Schriftsteller – den Freitod gewählt hat. Der gleichermaßen hübsche wie sensible Teenager vertraut sein bewegtes Innenleben einem Tagebuch an, dessen ausführliche Aufzeichnungen durchaus literarische Qualitäten aufweisen. Auch im Unterricht von Mr. Davies (Scott Speedman), der ein Verehrer der Werke von Rebeccas Vater ist, fällt ihr Talent für Literatur auf, zumal gerade Carmilla von Sheridan Le Fanu gelesen wird, und der spannende Stoff über eine geheimnisvolle Vampirin beschäftigt zunehmend ihre Gedankenwelten. Dies nimmt beängstigende Auswüchse an, als die mondäne Ernessa (Lily Cole) ins Internat einzieht, Rebeccas engste Freundin Lucie (Sarah Gadon) komplett für sich beansprucht und nicht nur eine Ahnung aufkommen lässt, dass es sich bei ihr um ein blutsaugendes Nachtwesen mit magischen Kräften handeln könnte ...
Die Sehnsucht der Falter von American Psycho-Regisseurin Mary Harron basiert auf dem Roman The Moth Diaries von Rachel Klein, dessen schwelende, von morbid-erotischen Imaginationen geprägte Atmosphäre sich so treffend wie verwirrend im Film widerspiegelt, auch wenn die zahlreichen Andeutungen und Verbindungen zur literarischen Vorlage und zum Themenkomplex des weiblichen Vampirismus wahrscheinlich überwiegend den einschlägigen Experten vorbehalten bleiben. Doch auch ohne Kenntnisse des Romans und der näheren Hintergründe stellt dieses mysteriöse Drama mit Horrorsequenzen einen durchaus sehenswerten Film über die brodelnden Befindlichkeiten einer heranwachsenden jungen Frauen dar, deren Empfindungen, Sehnsüchte, Ängste und Träume hier in ästhetisch vielerlei provokanter Weise auf die Spitze getrieben werden. Mary Harron, die bereits mit ihrem Spielfilmdebüt I Shot Andy Warhol ihren Hang für ungewöhnliche Inszenierungen zum Ausdruck brachte, fokussiert hier in extremer Form die einsame Zerrissenheit eines talentierten Teenagers mit eher vagen Verbindungen zur umgebenden Realität, die am Rande von Wahnsinn und Verzweiflung als kleine Horror-Show erscheint.

Die Sehnsucht der Falter

In einem exklusiven Internat lebt die 16jährige Rebecca (Sarah Bolger), seit ihr Vater – ein angesehener Schriftsteller – den Freitod gewählt hat. Der gleichermaßen hübsche wie sensible Teenager vertraut sein bewegtes Innenleben einem Tagebuch an, dessen ausführliche Aufzeichnungen durchaus literarische Qualitäten aufweisen.
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