Die Nibelungen (1924) (Blu-ray)

Die Nibelungen (1924) (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der große deutsche Klassiker

Fritz Lang war einer der großen Visionäre des Kinos. Er wirkte stilprägend und inszenierte seine Filme in einer äußerst modernen Ästhetik, die dazu beiträgt, dass Werke wie Die Nibelungen auch fast 90 Jahre nach ihrem Debüt noch immer glänzend anzuschauen sind. Tatsächlich ist die Kraft der Bilder derart stark, dass das Fehlen von Ton nicht im Mindesten als Manko gelten darf. Das gilt umso mehr, da Langs Bildgewalt mit der nicht minder grandiosen Musik von Gottfried Huppertz perfekt harmoniert.
Langs Frau Thea von Harbou schrieb das Drehbuch sowohl auf Grundlage des Gedichts aus dem 13. Jahrhundert und dem Stück von Friedrich Hebbel, weniger jedoch auf Richard Wagners Oper Der Ring der Nibelungen, von der man sich abgrenzen wollte. Der Film, in dem auch Dr. Mabuse-Star Rudolf Klein-Rogge wieder mit dabei war, wurde als Zweiteiler realisiert und zu einem riesigen Erfolg. Der Monumentalfilm feierte nicht nur in seiner Heimat, sondern weltweit Erfolge, allerdings war der erste Teil Siegfried teils deutlich beliebter als der zweite, Kriemhilds Rache.

Die Geschichte der Nibelungen ist von zeitloser Schönheit. Recke Siegfried erschlägt einen Drachen und badet in dessen Blut, woraufhin er unverwundbar wird. Nur eine Stelle an seinem Rücken bleibt ungeschützt, da es von einem Lindenblatt bedeckt ist. Siegfried wirbt schließlich um Kriemhild, die Schwester des Burgunderkönigs Gunther. Beide werden vermählt, doch Verrat bahnt sich an. Hagen von Tronje ist es schließlich, der mit Wissen seines Königs Siegfried erschlägt. Kriemhild schwört bitterliche Rache, doch erst nach Jahren des Wartens – und als Ehefrau von Hunnenkönig Etzel – ist es ihr möglich, die Missetäter zur Rechenschaft zu ziehen.

Der erste Teil ist märchenhafter, der zweite deutlich dramatischer, in seiner Gesamtheit ist Die Nibelungen jedoch ein immenses Epos, das nicht nur filmhistorisch interessant ist, sondern auch deswegen, weil er zu Zeiten des Dritten Reichs von den Nationalsozialisten vereinnahmt worden ist. Aber auch das hat Langs Monumentalfilm überlebt, er konnte die Assoziation mit jener dunklen Phase deutscher Geschichte hinter sich lassen. Was geblieben ist, ist einer der großen deutschen Filme, der nur wenige Jahre vor seinem 100. Geburtstag so gut wie niemals zuvor aussah.

Präsentiert wird auf dieser Blu-ray die von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Version des Films. Hier wurden Kameranegative und verschiedene internationale Verleihkopien miteinander verglichen und die Originalfassung soweit als möglich wiederhergestellt. Die Grundlage bildete ein Kameranegativ, das jeder Verleihkopie überlegen ist. Denn jede Kopie verliert etwas an Schärfe und Kontrast, das Negativ wiederum beinhaltet den Film, so wie er intendiert war. So gut wie niemals zuvor zeigt sich nun auch das gelungene Spiel von Licht und Schatten, für das Kameramann Carl Hoffmann verantwortlich zeichnete. Über vier Jahre hinweg wurde an der Restaurierung von Die Nibelungen gearbeitet. Wiederhergestellt wurde auch die Virage, die Einfärbung, die man in dieser Form lange nicht mehr sehen konnte.

Neben einem zwölfseitigen, informativen Booklet gibt es eine knapp 70-minütige Dokumentation. Das Erbe der Nibelungen zeichnet nicht nur die Produktion des Films nach und bietet (nachgesprochene) Zitate der Beteiligten, sondern befasst sich auch mit der Veröffentlichungsgeschichte in verschiedenen Ländern inklusive Veränderungen am Originalfilm, und setzt den Film in zeitgeschichtlichen Kontext. Dazu kommt, dass diese Dokumentation ausführlich auf die umfangreiche und aufwendige Restaurierung eingeht. Besonders interessant ist hier, wie Kriemhilds Tod schon seinerzeit verändert worden ist – entweder von Fritz Lang selbst oder von der UFA – und wie diese wichtige Szene wieder instandgesetzt werden konnte.

Diese Blu-ray-Edition von Die Nibelungen ist die (momentan) ultimative Fassung – und wird es bleiben, solange die fehlenden Elemente des zweiten Teils nicht gefunden werden.

Die Nibelungen (1924) (Blu-ray)

Fritz Lang war einer der großen Visionäre des Kinos. Er wirkte stilprägend und inszenierte seine Filme in einer äußerst modernen Ästhetik, die dazu beiträgt, dass Werke wie „Die Nibelungen“ auch fast 90 Jahre nach ihrem Debüt noch immer glänzend anzuschauen sind. Tatsächlich ist die Kraft der Bilder derart stark, dass das Fehlen von Ton nicht im Mindesten als Manko gelten darf.
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