Die Möbius Affäre

Die Möbius Affäre

Eine Filmkritik von Gregor Torinus

Undurchschaubare Strippenzieher

Das fast totgeglaubte Genre des Agententhrillers lebt in den letzten Jahren wieder auf. Doch die klassischen Vorstellungen von dem Spion als einem Real-Life-Superhelden ziehen in diesen postmodernen Zeiten nicht mehr. So geht die Wiederbelebung des Genres oftmals mit einer gleichzeitigen Dekonstruktion des alten Agentenbildes einher. Selbst die seit Jahrzehnten gleichbleibend zuverlässige Ikone 007 ist im letzten James-Bond-Film Skyfall (2012) erstmalig ein gebrochener Held. Und in dem viel gerühmten Dame, König, As, Spion (2011) spielt Gary Oldman einen alten, desillusionierten Geheimagenten, der einen Verräter in den eigenen Reihen auffinden muss, um sich selbst von jedem Verdacht zu befreien. Die in diesem Film gezeigten Topagenten sind keine durchtrainierten Draufgänger, sondern vielmehr Schreibtischtäter und Kopfarbeiter. Der von Eric Rochant geschriebene und inszenierte Spionagethriller Die Möbius Affäre zeigt auf den ersten Blick recht souverän wirkende Agenten, die jedoch letzten Endes nicht einmal wissen, für wen sie überhaupt arbeiten und worin ihre wahre Mission besteht.

Der russische Top-Agent Grégory Lioubov (Jean Dujardin) alias Moïse reist mit einem kleinen Team nach Monaco. Er soll Material finden, das den Oligarchen Ivan Rostovsky (Tim Roth) belastet, der von Monaco aus sein Imperium führt. Moïse beginnt eine Zusammenarbeit mit der Finanzexpertin Alice (Cécile De France), die als eine angebliche Spezialistin für Geldwäsche Kontakt mit Rostovsky aufnimmt. Die Dinge beginnen sich zu verkomplizieren, als sich Alice und Grégory auch privat näher kommen, was unter Agenten aus gutem Grunde ein absolutes Tabu darstellt. Jetzt muss Grégory sich unter anderem vor seinem eigenen Team verstecken, das hinter Alices geheimnisvollem, neuen Lover her ist. Doch das ist erst der Anfang von immer schwerer zu durchschauenden Verwicklungen in einem Spiel, in dem die beiden nicht mehr als Schachfiguren sind.

Man merkt es dem Film Die Möbius Affäre nicht gleich an, dass sein Macher Eric Rochant in seiner französischen Heimat ein anerkannter Autorenfilmer ist. Über mehr als die Hälfte seiner Laufzeit setzt sich der Thriller nicht unbedingt von der üblichen Stangenware aus Hollywood ab. Die Inszenierung und die Kameraführung sind solide, aber unspektakulär. Die Musik von Jonathan Morali ist stets passend, aber zumeist eine Spur zu aufdringlich. Die Protagonisten sind mit Jean Dujardin (The Artist, 2011) Cécile De France und Tim Roth hervorragend besetzt, doch zugleich fehlt es ihren Charakteren ein wenig an Tiefe. Die Nebendarsteller kommen ohnehin selten über Stereotypen hinaus. Nach der recht umständlichen Einführung baut sich die Handlung auch nur sehr langsam auf. Die Möbius Affäre ist auch kein Actionthriller, sondern ein Film über die Verstrickungen von Wirtschaft, Bankenwesen, Geheimdiensten, Politik und Mafia; wirkt dabei jedoch lange zu wenig raffiniert.

Doch ganz langsam wird die Spannungsschraube fast unmerklich immer weiter angezogen und lässt einen spätestens im letzten Filmdrittel nicht mehr los. Zugleich verliert der Zuschauer zusammen mit Alice und Moïse immer mehr den Boden unter den Füßen und findet sich in zunehmend komplexeren und absurderen Situationen wieder, deren Lösung sich immer schwieriger gestaltet. Ist dieses Spiel wirklich zu gewinnen? Hinter jedem Hintermann steht noch ein anderer und hinter jeder Absicht verbirgt sich noch ein weiteres geheimes Ziel. Am Ende faltet sich alles auf unvorhersehbare Weise zu dem titelgebenden Möbiusband zusammen, bei dem sich die scheinbar gegenüberliegenden Seiten, als eine einzige durchgehende Ebene offenbaren. Zugleich ist dieses Möbiusband das Hamsterrad, in dem Alice und Moïse laufen und nach einem Ausweg suchen.
 

Die Möbius Affäre

Das fast totgeglaubte Genre des Agententhrillers lebt in den letzten Jahren wieder auf. Doch die klassischen Vorstellungen von dem Spion als einem Real-Life-Superhelden ziehen in diesen postmodernen Zeiten nicht mehr. So geht die Wiederbelebung des Genres oftmals mit einer gleichzeitigen Dekonstruktion des alten Agentenbildes einher. Selbst die seit Jahrzehnten gleichbleibend zuverlässige Ikone 007 ist im letzten James-Bond-Film „Skyfall“ (2012) erstmalig ein gebrochener Held.

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