Harry Palmer - Der rote Tod

Harry Palmer - Der rote Tod

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Halb Spoof-, halb Spy-Film

Zwischen 1965 und 1967 trat der Brite Michael Caine in drei Filmen als Geheimagent Harry Palmer auf. Basierend auf einer Kriminalromanreihe von Len Deighton (mit einem namenlosen Protagonisten), bot die Palmer-Trilogie in den 1960er Jahren eine Alternative zu den James-Bond-Filmen mit Sean Connery – denn Harry Palmer kam als bebrillter Secret-Service-Agent mit Cockney-Dialekt weit weniger glamourös daher als der populäre Doppel-Null-Charmeur. Beinahe drei Dekaden später wurde die Palmer-Reihe mit zwei Fernsehfilmen fortgesetzt. In Der rote Tod (1995) und Herren der Apokalypse (1996) gab der damals 61-jährige Caine den Helden so lakonisch wie gewohnt; der Humor- und Action-Faktor der Geschichten wurde indes deutlich erhöht.
Der rote Tod beginnt mit dem Ende einer Ära: Harry Palmer soll vorzeitig in den Ruhestand treten, da der britische Geheimdienst keine Verwendung mehr für ihn hat. Doch schon kurze Zeit später erhält Palmer ein Jobangebot aus Russland: Der Geschäftsmann Alexej (Michael Gambon) lässt ihn nach St. Petersburg fliegen, wo er ihm von einem gefährlichen Substanzen-Mix (genannt "Der rote Tod") berichtet. Palmer soll verhindern, dass Nordkorea diese biochemische Waffe zum Einsatz bringen kann. Mit der Transsibirischen Eisenbahn begibt sich der Ex-Agent auf die Reise. Auch Alexejs Mitarbeiter Nickolai (Jason Connery) und Natasha (Mia Sara) sowie der ehemalige KGB-Oberst Gradsky (Lev Prygunov) und Palmers alter Bekannter Craig Warner (Michael Sarrazin) zählen zu den Passagieren. Wer hier auf wessen Seite steht, ist allerdings lange Zeit unklar…

George Mihalka (der 1981 das Slasher-Movie Blutiger Valentinstag inszenierte) liefert mit Der rote Tod ein solide umgesetztes TV-Werk, das nicht über die Eleganz der drei Spionagefilme aus den Sixties verfügt, aber als Genrekost durchaus zu unterhalten vermag. Zwischen diversen Verfolgungsjagden, bedrohlichen und abenteuerlichen Situationen (von denen ein Chaosflug mit einer klapprigen, überbelegten Maschine ohne Frage die lustigste ist) bleibt ausreichend Zeit, Caine als cleveren, beherzten Mann für verzwickte Missionen zu präsentieren. Von den zahlreichen Nebencharakteren, die Palmer hier umrahmen, sticht insbesondere der von Sean Connerys Sohn Jason verkörperte Nickolai hervor. Dem russisch-britischen, jungen Mann gehören die beiden stärksten Momente des Films, in denen er sich sowohl mit seiner gegenwärtigen Position als auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss.

Das Drehbuch von Harry Alan Towers (das auf keinem der Len-Deighton-Romane beruht) erzählt eine reichlich krude Story. Im twistreichen Geschehen, in dem einige Figuren (Bio-)Waffen gegen Drogen tauschen wollen und andere diesen Deal zu verhindern versuchen, spielen alle mit verdeckten Karten. Dies wird gelegentlich zur Spannungserzeugung genutzt, meist jedoch parodistisch ausgestaltet. So gipfelt der finale Shootout in dem schönen Satz "Für wen arbeiten Sie eigentlich?" Der rote Tod ist ein amüsanter, kurzweiliger Film – nicht mehr, aber gewiss auch nicht weniger.

Harry Palmer - Der rote Tod

Zwischen 1965 und 1967 trat der Brite Michael Caine in drei Filmen als Geheimagent Harry Palmer auf. Basierend auf einer Kriminalromanreihe von Len Deighton (mit einem namenlosen Protagonisten), bot die Palmer-Trilogie in den 1960er Jahren eine Alternative zu den James-Bond-Filmen mit Sean Connery – denn Harry Palmer kam als bebrillter Secret-Service-Agent mit Cockney-Dialekt weit weniger glamourös daher als der populäre Doppel-Null-Charmeur.
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