Die letzte Legion

Die letzte Legion

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Fantasy-Action-Historien-Abenteuer

Spätestens seit Ridley Scotts Gladiator und der visuellen opulenten, moralisch aber kruden Effects-Orgie 300 erlebt die Antike zumindest eine kleine Renaissance im Kino, nachdem ihr das Hollywood der Fünfziger und der italienische Sandalenfilm der Sechziger den Garaus gemacht hatten. Beflügelt von so viel Aufmerksamkeit für die ruhmreichen Historien der Antike ließ sich die mittlerweile 87jährige Produzenten-Legende Dino de Laurentiis nicht lumpen und nahm sich das Buch Die letzte Legion von Valerio Manfredi vor, das vom letzten Kaiser Westroms und dessen Verbindung zur Artus-Sage erzählt – eine Mischung aus historischen Fakten und Fantasy, die in den Augen des Produzenten den Nerv des Publikums treffen sollten. Ein Ansinnen, das aber – so viel sei vorweggenommen – ziemlich schmählich scheitert.
Rom im Jahre 476 nach Christus: Das einstmals stolze Reich droht zu zerfallen, von allen Seiten bedrängen die Barbaren die ehemalige Weltmacht, es droht das totale Chaos. Besonders Byzanz, der ehemalige östliche Teil des Reiches, hat sich gegen das Mutterland gewendet und versucht, seine Machtsphäre gen Westen auszudehnen. Einzig die mit den Römern verbündeten Goten unter ihrem Heerführer Odoaker (Peter Mullan) bewahren das Reich vor dem endgültigen Ende, doch sie fordern einen hohen Preis für ihre Waffenhilfe – mehr Mitspracherecht, das ihnen jedoch voller Arroganz verwehrt wird. In dieser Situation wird der gerade mal zwölf Jahre alte Romulus Augustus (Thomas Sangster) zum neuen Kaiser gekrönt. Auf dem Knaben ruhen hohe Erwartungen, er soll das Reich wieder einen – eine viel zu große Aufgabe für den Jungen. Doch es kommt alles anders: Die gotischen Horden fallen – erzürnt über die schmachvolle Zurückweisung – in Rom ein und bringen Tod und Verwüstung mit sich und Romulus und sein Lehrmeister Ambrosinus (Ben Kingsley) werden nach Capri verbannt. Aus Rom reisen den Verschleppten der Leibgardist Aurelius (Colin Firth) und einige weitere unerschrockene Kämpfer nach, unter ihnen befindet sich auch die geheimnisvolle byzantinische Amazone Mira (Aishwarya Rai). Tatsächlich gelingt die Befreiung, doch eine Rückkehr ins nunmehr besetzte Rom ist ausgeschlossen. Wohin sollen sich der letzte Kaiser des Römischen Imperiums und seine Getreuen wenden? Es bleibt eine letzte Hoffnung, die neunte Legion auf der britischen Insel, die letzte verbliebene, die treu zu ihrem Kaiser steht. Mit ihr, so, die Hoffnung, soll die Rückeroberung des verlorenen Reiches gelingen. Doch der Weg nach Britannien ist mühsam und dort angekommen warten einige Überraschungen und Abenteuer auf die Krieger…

Trotz einer erstaunlichen Besetzung und dem für europäische Verhältnisse gigantischen Budget von 67 Mio. Dollar kann das Sandalen-Fantasy-Opus aus der Schmiede von Dino de Laurentiis die Erwartungen nicht erfüllen. Zu unentschlossen agiert die Regie von Doug Lefler und zeigt ein ums andere Mal, dass sie nicht so recht weiß, wie sie das Mischmasch inszenieren soll – als Historienfilm mit Schlachtengetümmel, als Fantasy-Abenteuer oder gar als grelle Farce auf die Sandalen-Filme italienischer Herkunft? Die Schauspielerriege um die sichtlich bemühten hochkarätigen Akteure Colin Firth, Ben Kingsley, Peter Mullan und den weiblichen Bollywood-Star Aishwarya Rai kann einem angesichts der unbeholfen inszenierten Schlachtenszenen, der immer wieder unfreiwillig aufblitzenden Komik und dem unausgegorenen Fantasy-Aspekt des Films beinahe schon leid tun – mehr als einmal wähnt man sich eher bei einem Privatsender-Event-Movie als in einer internationalen Großproduktion, und manch Geschichtslehrer dürfte sich angesichts der historischen Verknüpfungen, die hier aufgestellt werden, mit Grausen abwenden. Und selbst die immer wieder aufblitzende Selbstironie des Ganzen erscheint schlussendlich nur als mauer Versuch, das Werk vor dem endgültigen Absturz zu retten, gerade so als wüsste man selbst ganz genau, dass man hier kräftig daneben gelangt hat.

Die letzte Legion

Spätestens seit Ridley Scotts Gladiator und der visuellen opulenten, moralisch aber kruden Effects-Orgie 300 erlebt die Antike zumindest eine kleine Renaissance im Kino, nachdem ihr das Hollywood der Fünfziger und der italienische Sandalenfilm der Sechziger den Garaus gemacht hatten.
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Meinungen
Made in Inda · 12.09.2007

India is the best!!!! Ashwarya sieht hammer aus, nicht mal grieche kann diese rolle besser machen!!!

Joergi · 04.09.2007

Etwas zu viel Fantasy sonst ein guter film

Zyklopendietmar · 03.09.2007

Könnte ne Pro 7 Verfilmung sein.
Zu wenig Atmosphäre kommt auf.
Man hätte das Potenzial besser nutzen können.

· 02.09.2007

Was an dem Film "super" sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz.

Cheiron · 25.08.2007

"die geheimnisvolle byzantinische Amazone Mira (Aishwarya Rai)"

Soso, jetzt sind die Byzantiner keine Griechen mehr sondern Inder... lol

Kommentare

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