Beach Bum (2019)

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Mit „Beach Bum“ meldet sich der US-Autorenfilmer Harmony Korine zurück. Leuchtende Farben, tolle Musik, verrückte Figuren – und Matthew McConaughey. Aber doch fehlt etwas ... 

Beach Bum (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Viel Pot, wenig Plot

Unabhängig davon, ob man Harmony Korines „Spring Breakers“ (2012) als virtuose Coming-of-Age-Persiflage oder eher als kruden Teensploitation-Streifen empfand – man konnte kaum leugnen, dass das Werk in seinem blühenden, neonfarbenen Irrsinn ein Faszinosum war. Und auch dem Trash-Funkeln von Korines älteren Regie-Arbeiten, etwa von „Gummo“ (1997) oder von „Julien Donkey-Boy“ (1999), konnte man sich stets nur schwer entziehen. Selbst wenn die Figuren – wie vor allem in „Spring Breakers“ – als Hohlkörper angelegt waren, wenn sie sich völlig indifferent oder töricht verhielten, ließ einen das beim Zuschauen nicht unberührt, da man vom Wahnwitz der Inszenierung einfach mitgerissen wurde.

Und nun kommt Beach Bum. Abermals ein Film, der unverkennbar Korines Handschrift trägt: Die 35-mm-Aufnahmen von Benoît Debie schillern quietschbunt und fangen das vernebelte, niemals vernünftige Treiben des Personals ein – natürlich mit Hammer-Musik und experimentellen Tönen unterlegt. Die Anziehungskraft will sich diesmal allerdings nicht so recht einstellen. Alles bleibt eine Nummernrevue, die an den Gonzo-Stil des Schriftstellers und Journalisten Hunter S. Thompson sowie an The Big Lebowski (1998) von den Coen-Brüdern erinnert, jedoch zu keiner Sekunde deren Wucht erreicht.

Der Ansatz, den Korine vermutlich verfolgte, ist durchaus reizvoll: Beach Bum zeigt – konsequenter als jede manchild comedy des Mainstream-Kinos – einen nicht mehr allzu jungen Künstler, der sich mit infantilem Gemüt dem Hedonismus hingibt, der keine Regeln beachtet und weder Gefahr noch Tragik als Teil seines Lebens anerkennt. Mit Alkohol, Drogen, leicht bekleideten Ladys und ähnlich tickenden Buddys feiert Moondog (Matthew McConaughey) an der Küste Floridas eine Dauer-Party – in Bars, am Strand oder auf seinem eigenen Boot Well Hung. Die Verantwortungslosigkeit dieses Mannes mit langer, blondierter Mähne und scheußlichen Hawaii-Hemden hat gerade in unseren Zeiten der Selbstoptimierung etwas extrem Provozierendes – zumal ein Reifeprozess im Laufe der Handlung bewusst ausbleibt. Hier geht es nicht darum, dass der Protagonist eine Lektion lernt, dass er zum Beispiel den Wert von Familie oder Freundschaft begreift; und von Erzählungen dieser Art gibt es ja auch fraglos schon genug. Leider offeriert uns Korine diese Antithese zum gängigen Narrativ einer charakterlichen Entwicklung aber ohne den satirischen Biss, den man von ihm kennt – sondern eher mit einem billig anmutenden Schnappen, etwa von einem CGI-Hai, der einem von Martin Lawrence verkörperten Captain den Fuß abknabbert.

Die alberne Passage mit Lawrence vermag die Probleme von Beach Bum zu verdeutlichen: Während Korine in Spring Breakers die Standardsituationen des Adoleszenz-Kinos nutzte, um sie für sein eigenes Werk ins gänzlich Absurde zu treiben, wirkt der kurze Auftritt des Comedians in Beach Bum weder cleverer noch verwegener als das, was Lawrence in seiner bisherigen Leinwand-Karriere so gemacht hat. Die Sequenz, in der „Captain Wack“ ins Wasser voller Haie springt, weil er glaubt, es handle sich um niedliche Delfine, könnte auch eine Szene aus der Big-Mamas-Haus-Reihe oder aus einer anderen Slapstick-Komödie mit Lawrence sein. Ähnliches gilt für die Darbietung von Zac Efron: War es 2012 noch ein ziemlich subversiver Schachzug, die Teenie-Idole Selena Gomez, Vanessa Hudgens und Ashley Benson gegen deren Image zu besetzen, hat man Hudgens’ einstigen High-School-Musical-Co-Star bereits in gefühlt zehn brachialen Produktionen – von Bad Neighbors (2014) bis Baywatch (2017) – gegen sein brav-attraktives Image anspielen gesehen, sodass seine Beach-Bum-Einlage als Patient in einer Entzugsklinik, der sich mit Moondog alsbald auf die Flucht begibt, allenfalls als Routine durchgeht. Und auch Snoop Dogg als Moondogs kiffender Kumpel Lingerie und Isla Fisher als Moondogs reiche Ehefrau Minnie, die gelegentlich von ihrem Gatten in ihrer Villa in Miami besucht und oral befriedigt wird, sind kaum spannend. Dass die beiden Figuren eine Affäre miteinander haben und dass das – entgegen aller filmdramaturgischen Konventionen – irgendwie okay und keine große Sache ist, ist eine hübsche Idee, verliert sich indes wie alles andere in der Belanglosigkeit. Am amüsantesten ist noch Jonah Hill als exaltierter Literaturagent Lewis, doch auch dessen Auftritte haben eher einen netten Sketch-Charakter.

McConaughey im Stringtanga auf einem viel zu kleinen Fahrrad, McConaughey mit einem überdimensionalen Joint im rosafarbenen Morgenmantel, McConaughey als zugedröhnter Literat vor einer anachronistischen Schreibmaschine – all das hat zweifelsohne einen gewissen Unterhaltungswert. Etwas mehr hätte man von einem Filmemacher wie Harmony Korine dann aber schon erwartet.

Beach Bum (2019)

Im Zentrum von Harmony Korines neuem Film "The Beach Bum" steht der stets bekiffte Dichter Moondog, der in Miami ein Leben führt, das allein seinen eigenen schrägen Regeln folgt.

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Meinungen
Julia · 21.03.2019

Selten einen so schlechten Film gesehen. Der Film hat Null Inhalt, lief bei uns in der sneak, er war so schlecht, dass Leute gegangen sind und man nicht mal Witze machen konnte. Man kann sein Geld definitiv besser investieren.

Dario · 19.03.2019

Ich war gestern Abend in der Sneak Preview.
Trotz der bekannten Besetzung sehr flach. Die Story ist zeitweise sehr langwierig und langweilig.

Da schaffen es die teilweise ganz gut gesetzten Gags kaum etwas dran zu ändern.
Teilweise auffällige Film- und Logikfehler !

Vielleicht 5 mal gelacht, sonst nur geschmunzelt.

Man darf sich hier von der namhaften Besetzung nicht blenden lassen.

2 von 5 Sternen.(wenn überhaupt)

Hendrik · 19.03.2019

War heute in der Sneak, bin nach einer knappen Stunde aus dem Film heraus gegangen sowie mehrere andere auch.

Am Anfang lustig, doch der Film dreht sich nicht wirklich, zumindest nicht bis zum Zeitpunkt Verlassen des Films.

Lediglich Drogen, Sex und Alkohol die sinnlos konsumiert werden.

Leider waren es verschwendete 7 Euro für den Eintritt.
Wenn würde 3 von 10 geben, wobei die Schauspieler, bis auf ein paar, in den Rollen gut waren. Und die anfängliche Unterhaltung okay war.
Die Story bekommt dafür aber minus 100.
Selbst auf Netflix würde ich diesen Film nicht zu Ende sehen wollen.

Kaylor · 05.03.2019

Super Film! Freu mich schon jetzt auf Martin Lawrence!!

Kommentare

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