Anna und die Apokalypse (2017)

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Highschool, Musik, Zombies und Weihnachten. Wer hat das bestellt? Und was genau bekommt man da geliefert?

Anna und die Apokalypse (2017)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Die Mischung macht’s

Treffen sich ein Highschool-Musical und ein Zombie-Splatter-Film in Schottland zur Weihnachtszeit … Das klingt doch nicht übel, oder? Und tatsächlich ist es das im Fall von John McPhails „Anna und die Apokalypse“ auch nicht: Das Werk wartet mit schmissigen Songs, einem liebenswürdigen und charmant verkörperten Personal sowie mit blutigen Horror-Actioneinlagen auf und macht wenig verkehrt. Wer gute, temporeiche Unterhaltung sucht, wird sie hier finden.

In den (Sub-)Genres, die das Drehbuch von Alan McDonald und Ryan McHenry bedient, wurden wir als Zuschauer_innen allerdings schon ziemlich verwöhnt. Du sollst mein Glücksstern sein (besser bekannt als Singin’ in the Rain) aus dem Jahre 1952 ist nicht nur ein großartiges Musical; der Film setzt sich auch klug mit den Mechanismen des eigenen Genres auseinander. Ähnlich clever (und voller Meta-Gags) ging 2001 die Musical-Episode der Teenager-Gruselserie Buffy – Im Bann der Dämonen vor. Und auch die Coming-of-Age-Serie Glee (2009-2015) bewies immer wieder Originalität in der Verwendung von Musik und Tanz als Ausdruck juveniler Gefühle. Im Bereich des Zombiefilms gelang es wiederum stets, zwischen all dem Horror etwas Gesellschaftspolitisches auszusagen – sei es in Die Nacht der lebenden Toten (1968) oder in 28 Days Later (2002). Dass dies auch mit Humor funktioniert, demonstrierte etwa Shaun of the Dead (2004).

Derlei Ebenen sind in Anna und die Apokalypse kaum zu erkennen. Der Film liefert (mit maximalem Einsatz) Musical- und Splatter-Einlagen; etwas wirklich Neues oder gar Relevantes will aus diesem Mix hingegen nicht entstehen. Als Remake des Kurzfilms Zombie Musical, den der inzwischen verstorbene Co-Autor von Anna und die Apokalypse, Ryan McHenry, im Jahre 2011 in Szene setzte, handelt es sich hier in erster Linie um die Umsetzung einer ziemlich witzigen Idee – von singenden und tanzenden jungen Menschen, die unerfreulicherweise mit dem Ende der Zivilisation konfrontiert werden. Ausgerechnet an Weihnachten. Wie gemein!

Im Zentrum steht die Schülerin Anna (Ella Hunt), die sich kurz vor ihrem Abschluss befindet und vor dem Studienbeginn erst mal auf Reisen gehen will – was ihrem Vater Tony (Mark Benton), der als Schul-Hausmeister tätig ist, so gar nicht gefällt. Auch Annas bester Freund John (Malcolm Cumming) ist traurig darüber – da er Anna heimlich liebt und Angst hat, sie zu verlieren. Mit dem superglücklichen Paar Lisa (Marli Siu) und Chris (Christopher Leveaux), der ehrgeizigen Steph (Sarah Swire) und dem Schul-Bully Nick (Ben Wiggins) bewegen sich Anna und John durch den Kleinstadt-Alltag – und bemerken zunächst gar nicht, dass im Radio über eine weltweite Masseninfektion berichtet wird und der tödliche Krankheitserreger bald auch ihren Heimatort erreicht hat. Als die Epidemie um sich greift, muss sich die kleine Gruppe mit aller Kraft gegen ihr untotes Umfeld wehren.

Während die wachsende Zombiehorde charakterlos bleibt und auch der stellvertretende Schulleiter Savage (Paul Kaye) als Antagonist nicht mehr als ein nuancenloses Ekel sein darf, können die jungen Talente in ihren Rollen fraglos glänzen: Wenn Ella Hunt und ihre Co-Stars den poppigen Song Hollywood Ending darbieten oder Marli Siu ein überraschend anzügliches Lied über Santa Claus auf der Schultheaterbühne präsentiert, ist das lustig und mitreißend. Wenn der Film indes versucht, etwas über toxische Maskulinität zu erzählen, indem er den Macho Nick in der punkigen Nummer Top Of My Class darüber singen lässt, dass er in der brutalen Zerstörung von Zombies endlich etwas gefunden hat, was er so richtig gut kann, wirkt das zu oberflächlich. Der Film hat in den Szenen davor und danach selbst zu viel Spaß daran, den blutigen Kampf gegen Zombies zu zeigen. Und dabei hat man als Zuschauer_in nicht das Gefühl, dass er uns dadurch den Spiegel vorhalten und unsere voyeuristische Splatter- und Gore-Lust entlarven will. Mit Hintersinn, Selbstreflexion und Tiefgang kann Anna und die Apokalypse kaum auftrumpfen; als Konglomerat aus musikalischer Tragikomödie über das Erwachsenwerden und rabiatem Endzeitfilm vermag er aber durchaus zu funktionieren.

Anna und die Apokalypse (2017)

Als eine Zombie-Apokalypse das verschlafene kleine Städtchen Little Haven heimsucht, müssen Anna und ihre Mitschüler von der High School alles nur Erdenkliche tun, um gegen die Invasion zu bestehen. Denn auf ihrem Weg begegnen sie nicht nur zombifizierten Schneemännern und einem aus dem Ruder gelaufenen Junggesellenabschied, sondern entdecken auch, dass sie sich auf kaum jemandem mehr verlassen können.

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