42Plus

42Plus

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Kein Urlaub wie ein anderer

Die nahende schönste Zeit des Jahres – gemeint ist der Sommerurlaub – ist manchmal so eine Sache: Während man übers Jahr meist mehr oder weniger nebeneinanderher lebt, weil Job, Kinder, diverse Freizeitaktivitäten und die alltägliche Routine kaum Zeit für Anderes lassen, sind manche Paare in der Urlaubszeit zum ersten Mal seit langem wieder miteinander konfrontiert, was nicht immer ganz stressfrei abgeht.
Als die erfolgreiche TV-Redakteurin Christine (Claudia Michelsen) gemeinsam mit ihrem ebenfalls beruflich eingespannten Mann, dem Arzt Georg (Ulrich Tukur) und der vierzehnjährigen, heftig pubertierenden Tochter Sonja (Vanessa Krüger) zum Urlaub in Italien aufbricht, ahnt sie noch nicht, dass die bevorstehenden Wochen sie auf eine harte Probe stellen werden. Die Überraschungen beginnen bereits, als die Familie das Ferienhaus bezieht: Im Schlafzimmer findet Christine den Tramper Tamaz (Jacob Matschenz) vor. Der verschwindet zwar schnell aus dem Haus, doch leider nicht aus Christines Leben. Dabei ist das schon kompliziert genug. Denn als das befreundete Paar Linda (Petra Morzé) und Martin (Tobias Moretti) vor der Tür des Ferienhauses steht, um Christines Geburtstag zu feiern, bedeutet das für diese eine Begegnung mit ihrem gerade erst abgelegten Lover. Und weil dann noch Sonja nächtelang wegbleibt und wild entschlossen ist, dass in diesem Urlaub ihr „erstes Mal“ geschehen soll und zudem der verwirrende Tamaz immer unverschämter mit Christine flirtet, stehen die Zeichen trotz strahlenden Sonnenscheins immer mehr auf Sturm…

Auch wenn die Handlung des Films zunächst einmal wie der Plot eines mäßig unterhaltsamen TV-Movies klingt und man das Gefühl hat, genau diese Geschichte schon in verschiedenen Varianten irgendwo schon einmal gesehen zu haben: 42Plus bietet einiges, was den Film von ähnlichen Fernsehproduktionen abhebt. Jenseits sorgsam inszenierter Bilder lässt die Regisseurin Sabine Derflinger unter der Oberfläche des schönen Scheins nämlich immer wieder den beißenden Sarkasmus und scharfen Spott einer geschulten Beobachterin menschlicher Schwächen und Unzulänglichkeiten erkennen. Hinter der Fassade gutbürgerlicher Wohlanständigkeit lauern Abgründe, die deutlich zeigen, wie enorm das Maß der gegenseitigen Verletzung in der Ehe von Christine und Georg längst geworden ist. Unter den teilweise recht bekannten Schauspielern ragen vor allem Claudia Michelsen als lebens- und liebeshungrige Frau und der hinreißende Jacob Matschenz (1. Mai, Das Lächeln der Tiefseefische) als jugendlicher Verführer heraus.

Allerdings kann 42Plus nicht jedes Klischee umschiffen und lässt oftmals die letzte Konsequenz und Schärfe vermissen, die dem Thema und den Konflikten innewohnen. Dennoch ist der Film eines der gelungeneren deutschsprachigen Beispiele zum Thema „Midlife Crisis“ und dem anscheinend ganz normalen Lebens- und Liebesfrust erfolgreicher Mittvierziger – auch wenn es wahrlich wichtigere und spannendere Themen gibt.

42Plus

Die nahende schönste Zeit des Jahres – gemeint ist der Sommerurlaub – ist manchmal so eine Sache: Während man übers Jahr meist mehr oder weniger nebeneinanderher lebt, weil Job, Kinder, diverse Freizeitaktivitäten und die alltägliche Routine kaum Zeit für Anderes lassen, sind manche Paare in der Urlaubszeit zum ersten Mal seit langem wieder miteinander konfrontiert, was nicht immer ganz stressfrei abgeht.
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Meinungen
· 23.07.2008

noch nicht gesehen, läuft morgen an :)

Kommentare

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