Uta (2019)

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Eine Straßenmusikerin erzählt aus ihrem Leben. Die dokumentarische Betrachtung „Uta“ von Mario Schneider kleidet den Alltag der Protagonistin in Schwarz-Weiß-Bilder.

Uta (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Das volle Leben in Schwarz-Weiß

In Mario Schneiders Dokumentarfilm „Akt“ (2015) war die damals 66-jährige Uta Pilling eine von vier Protagonistinnen. Es ist absolut verständlich, weshalb sich der in Neindorf geborene Regisseur in „Uta“ nun abermals mit ihr befasst: Die Straßenmusikerin ist eine äußerst faszinierende, vielseitige Persönlichkeit. Als Rahmen seines Werks dient Schneider der 70. Geburtstag von Uta. Eine ihrer Töchter bedankt sich bei ihr und nennt sie „weise“. Die Worte, die die Tochter wählt, und der Ton, in dem sie diese vorträgt, lassen indes bereits erahnen, dass Uta nicht unbedingt ein einfacher Mensch ist.

Während die Feierlichkeiten am Anfang und am Ende in Farbe gedreht sind, besteht der Großteil des Films aus Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Wir sehen, wie Uta durch die neblige Natur läuft – wunderbare, beinahe surreal anmutende Bilder, die uns in Utas Welt hineinziehen und an die Epoche des Poetischen Realismus denken lassen. Und dann sind wir in Utas Wohnung. Hier lebt sie mit ihrem Freund Jens-Paul Wollenberg, einem Musiker und Kabarettisten. Das Dasein der beiden lässt sich als „spartanisch“ bezeichnen; das Paar bewegt sich an der Existenzgrenze. Doch es fällt nicht schwer, Uta zu glauben, wenn sie sagt, dass sie ihren Zustand nie als Armut empfunden hat.

Uta ist eine sehr dankbare Protagonistin für einen Dokumentarfilm – denn sie erzählt von sich aus ganz offen von ihrem Leben, beginnend bei der Geburt, die mit Komplikationen verbunden war, über ihre Kindheit auf dem Dorf mit fünf Geschwistern bis hin zu ihrer 33-jährigen, offenen Ehe zu dem Maler Günther. Umringt von Erinnerungsstücken – etwa zahlreichen Bildern an der Wand – schildert Uta völlig ungezwungen ihre Geschichte. Neben zwei Söhnen, die sie mit Günther hatte, bekam sie drei Kinder von anderen Männern, während sie weiterhin mit Günther verheiratet war.

Die Beiläufigkeit, mit der Uta zuweilen von einschneidenden, dramatischen Ereignissen, beispielsweise vom Tod einer ihrer Töchter, berichtet, mag zunächst irritieren. Aber es passt zu Utas Lebenseinstellung, sich von solchen Dingen nicht unterkriegen zu lassen. Sie ist gewiss keine dauerfröhliche Optimistin, aber fraglos ein Mensch, der gelernt hat (ja, lernen musste), an Tragödien und negativen Erfahrungen nicht zu zerbrechen. Beeindruckend sind in dieser Hinsicht auch die Gespräche zwischen Uta und einer ihrer Schwestern. Auch hier werden düstere Kapitel der Vergangenheit nicht ausgelassen, sondern ganz selbstverständlich in den gegenseitigen Austausch integriert. Durch Home-Video-Einschübe flackern die vergangenen Zeiten gelegentlich auf.

Nicht zuletzt ist Uta ein spannender Beziehungsfilm. Statt eines Verlobungsrings tragen Uta und Jens jeweils einen lackierten Fingernagel, der ihre Verbindung bezeugt. Wir erfahren, wie die beiden sich bei einem Auftritt von Jens kennengelernt haben, und wir sind dabei, wenn es zur persönlichen Krise kommt, da Jens sich in einen jüngeren Künstler verliebt hat. Schneider beobachtet dieses Paar und dessen Umfeld, ohne dabei aufdringlich zu werden. So ist ihm ein sehr intimes und zugleich angenehm respektvolles Werk gelungen.

Uta (2019)

Uta stand der DDR-Underground-Kultur nahe und verdient sich ihre Groschen als Straßensängerin. In einfachsten Verhältnissen lebend und von schweren Schicksalsschlägen gezeichnet, sieht sie stets das Gute im Menschen. Wie groß ihr Herz tatsächlich ist, wird auf den Prüfstand gestellt, als ihr langjähriger Lebensgefährte Jens sich in einen jungen Schauspieler verliebt. (Quelle: GMFilms)

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