The Room (2019)

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Christian Volckman meldet sich nach langer Pause zurück. Sein neuer Film, der unter anderem beim Sitges Film Festival zu sehen war und im Winter 2020 DVD-Premiere feierte, erscheint zum Jahresbeginn 2021 auf Amazon Prime. Das Warten hat sich gelohnt.

The Room (2019)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Zimmer mit Aussicht

Wie kaum ein anderes Genre wandelt der Horrorfilm auf ausgetretenen Pfaden. Zombies, Serienkiller, heimgesuchte Orte und von Dämonen besessene Gegenstände prägen seit Jahren die Szenerie, die uns das Fürchten lehrt. Doch wie kaum ein anderes Genre schlägt der Horrorfilm auch immer wieder neue Wege ein – von Ich seh, ich seh“ und It Follows“ über The Witch“ und Get Out“ bis zu Hereditary“ und Midsommar“. Christian Volckmans zweiter Langfilm fällt in letztgenannte Kategorie, auch wenn er sein Potenzial nie vollends ausschöpft.

Die Übersetzerin Kate (Olga Kurylenko) und der Künstler Matt (Kevin Janssens) ziehen in ein stattliches, aber renovierungsbedürftiges Haus irgendwo im Nirgendwo in Upstate New York. (Dass der Film nicht dort, sondern in Europa gedreht wurde, ist unschwer zu erkennen, spielt aber keine Rolle.) Sie rücken Möbel, schmieden Zukunftspläne und legen alte Wunden offen. Bis hierhin nimmt sich dieser Film wie ein Beziehungsdrama aus. Auch eine Romanze scheint noch möglich. Dann entdeckt Matt hinter einer vergilbten Tapete ein fensterloses Zimmer und die Handlung nimmt die erste von mehreren unerwarteten Wendungen.

Jeder Gegenstand, den man sich in diesem titelgebenden Raum wünscht, materialisiert sich dort. Eine begehbare Wunderlampe. Eine Traum- und Wunschmaschine wie das Kino selbst. Bald schon hängt die Mona Lisa in der Diele und ein Van Gogh im Wohnzimmer. In flott montierten Bilderreihen werfen Kate und Matt mit Moneten und Klunkern um sich oder schlürfen im noblen Zwirn Schampus und speisen Kaviar. Solche bunt ausstaffierten Montagesequenzen hat Volckman schon beim Dreh einiger Musikvideos für die französische Sängerin Zaz eingesetzt. Doch ach, Geld allein macht halt nicht glücklich. Und so wünscht sich Kate etwas, das man sich nicht wünschen sollte: ein Baby, weil sie selbst keine Kinder kriegen kann. Der Geist ist aus der Flasche.

Mit dem Neugeborenen hält der Grusel Einzug und ist dabei doch ganz anders als erwartet. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Was Volckman, der das Drehbuch nach seiner eigenen Originalidee im Verbund geschrieben hat, hier vor dem Publikum ausbreitet, ist am Ende immer ein wenig mehr Mystery und Märchen als Horror. Wer auf Schockmomente aus ist, sollte woanders auf die Suche gehen. Der Schrecken trägt hier nicht die Fratze eines Monsters, sondern lauert in sozialen und familiären Abgründen. Volckman erzählt von Konsumträumen, die zu Albträumen werden, und von verbotenem Verlangen, von Isolation und Repetition und erinnert dadurch ein wenig an Lorcan Finnegans Vivarium, ist dabei aber lange nicht so entnervend und zermürbend nihilistisch.

Dass Volckman visuell betörend bis verstörend erzählen kann, hat er bereits in seinem Kurzfilm Maaz bewiesen. Sieben Jahre später legte der 1971 geborene Regisseur, Trickzeichner und Maler mit Renaissance einen animierten Sci-Fi-Thriller nach, der Maßstäbe setzte. Seither hat er sich künstlerisch betätigt und Musikvideos gedreht. Sein zweiter Langfilm hat nun ähnliche Schwächen wie schon sein erster. Schon in Volckmans Debüt war die Vision eines zukünftigen Paris spannender als die Geschichte. Und auch im Nachfolger sind die Wendepunkte besser als die eigentliche Handlung, die wie das Schauspielduo Olga Kurylenko und Kevin Janssens schnell an ihre Grenzen stößt.

Sehenswert ist das trotzdem, allein schon deshalb, weil es anders ist. Renaissance war ein großes Versprechen, The Room verspricht zumindest Aussicht auf mehr.

 

The Room (2019)

Matt und Kate haben ein alleinstehendes Haus gekauft. Während des Einzugs entdecken sie einen seltsamen Raum, in dem sich all ihre materiellen Wünsche erfüllen. Doch nach zwei Fehlgeburten haben die beiden einen ganz anderen Wunsch — sie wollen unbedingt ein Kind haben.

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Meinungen
Andreas · 15.02.2021

Zeitverschwendung, ich würde gerne 5 Minuspunkte geben, ich kann nicht verstehen wie einem so ein Blödsinn gefallen kann.

Kommentare

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