Notes of Berlin (2020)

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Ein Tag und eine Nacht in Deutschlands Hauptstadt: Mit Tempo, Humor und Empathie flaniert Mariejosephin Schneider in „Notes of Berlin“ mit uns durch Berlins Straßen.

Notes of Berlin (2020)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Berlin, ick liebe dir!

2019 widmete sich die Cities-of-Love-Kinoreihe, die 13 Jahre zuvor von dem französischen Produzenten Emmanuel Benbihy mit „Paris, je t’aime“ ins Leben gerufen wurde, der deutschen Hauptstadt. Doch „Berlin, I Love You“ geriet zur herben Enttäuschung, da die hochglänzenden Postkartenansichten und oberflächlich geschilderten Mini-Plots kaum Interessantes von Berlin und dessen Atmosphäre zu erzählen vermochten.

Ganz anders ist es nun bei Notes of Berlin, einem ebenfalls episodisch gestalteten Film, der deutlich glaubwürdiger, origineller und feinfühliger daherkommt und uns als Publikum tatsächlich spüren lässt, wie es so zugeht im heutigen Berlin (beziehungsweise im Prä-Corona-Berlin). Die Langfilmdebütantin Mariejosephin Schneider hat sich für ihr Drehbuch, das sie gemeinsam mit Thomas Gerhold verfasst hat, von Joab Nists Blog notesofberlin.com inspirieren lassen.

Dort werden seit 2010 skurrile Aushänge gesammelt, die in den Straßen der Stadt zu finden sind. An Laternenpfählen, Ampeln oder Häuserwänden, in Hinterhöfen oder in den Eingangsbereichen von Gebäuden – überall kann man auf Zettel mit ungewöhnlichen Botschaften stoßen, hinter denen womöglich höchst spannungsreiche Geschichten stecken. Schneider gibt in 14 überwiegend komischen, teilweise aber auch traurigen Segmenten Einblicke in das Dasein unterschiedlichster Personen und zeigt uns das Berliner Leben in einem Zeitraum von 24 Stunden.

So beginnt Notes of Berlin mit einem fatalen Moment der Kontemplation mitten auf der frühmorgendlichen Straße. Es folgen unter anderem ein WG-Casting mit entschlossenem Ausgang, eine alkoholselige Karaoke-Session, eine Taxifahrt zum „Eiffelturm“, Kleinkriminalität in der Ringbahn und immer wieder unerwartete Begegnungen, die etwas anstoßen. Die einzelnen Episoden sind kurz und knackig. Ihre Stärke liegt darin, dass sie gar nichts auserzählen wollen, sondern vielmehr Schlaglichter auf den urbanen Alltagswahnsinn werfen. Hin und wieder taucht ein bekanntes Gesicht auf – etwa die stets prägnant spielende Andrea Sawatzki oder der wunderbare Charakterkopf Tom Lass. Daneben ist jedoch viel Platz für neue Entdeckungen, wie es bei einer guten Städtetour letztlich auch sein sollte.

Mit audiovisuellem Schwung wandert die von Carmen Treichl gekonnt geführte Kamera von Mikrokosmos zu Mikrokosmos. Zu den unzweifelhaften Höhepunkten zählt die Odyssee, die die orientierungslose Portugal-Rückkehrerin und Studienabbrecherin Rosa (Katja Sallay) durchmacht, als sie sich auf ihrer Suche nach einem Zimmer in einem knallharten Bewerbungsgespräch behaupten muss. Dabei schlägt sie, als sie die Ausweglosigkeit ihrer Situation erkennt, so herrlich über die Stränge, dass es wirklich ein großer Spaß ist. Ebenso gelungen sind die Verbindungspunkte zwischen einigen Episoden: zum Beispiel ein entlaufener Hund, der ohne sein Herrchen in die Straßenbahn einsteigt und bald einen neuen Freund kennenlernt. Notes of Berlin vermeidet Kitsch und Klischees, hat Witz und die nötige Tiefe – und wirkt bei allem angenehm unverstellt.

Notes of Berlin (2020)

Der Episodenfilm erzählt vierzehn komische, traurige und skurrile Geschichten aus 24 Stunden im Leben der Hauptstadt. Die Episoden werden durch die für das Berliner Stadtbild so typischen Aushänge miteinander verbunden, welche die pure Alltagskultur der Stadt widerspiegeln. Diese Aushänge werden von Joab Nist seit 2010 auf seinem Blog notesofberlin.com gesammelt und wurden so weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

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