Meine schrecklich verwöhnte Familie (2021)

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Mexikanisches Original, französisches Remake: Nicolas Cuche legt Gary Alazrakis „Die Kinder des Señor Noble“ (2013) neu auf. Ob auch diese Version ein Kassenschlager wird?

Meine schrecklich verwöhnte Familie (2021)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Die Kinder des Monsieur Bartek

Geld macht nicht glücklich. Dessen ist sich ein superreicher Monegasse schon lange bewusst. Seine Kinder sind noch nicht zu dieser Erkenntnis gelangt, weshalb er ihnen eine Lektion erteilt, die man so noch nie gesehen hat – es sei denn, man kennt das Original, auf dem dieses Remake basiert.

Monaco, Hort der Schönen und Reichen. Hier sind die Reichen so reich, dass ihnen ihr Reichtum und dessen Folgen Kopfzerbrechen bereiten. Francis Bartek (Gérard Jugnot) hat sein Geld mit Immobilien gemacht. Vom einfachen Maurer hat er sich in der Baubranche ganz nach oben gearbeitet, seine Familie darüber vernachlässigt und sich die Liebe seiner Kinder mit Luxus erkauft. Herausgekommen sind drei verwöhnte Gören, die sich selbst im Erwachsenenalter wie kleine Kinder aufführen.

Der feierwütige Philippe (Komiker Artus) ist angefressen, weil sein Vater keine seiner bescheuerten Geschäftsideen finanziert, die schöne Stella (Camille Lou) bekommt vom vielen Shoppen und der Planung ihrer Hochzeit mit dem Hochstapler Juan (Tom Leeb) beinahe einen Burn-out und der faule Alexandre (Louka Meliava), der optisch an einen jungen Ronald Zehrfeld erinnert, weiß vor lauter Frauen gar nicht, wo ihm der Kopf steht. Bis ihrem Vater der Kragen platzt und er seinen nichtsnutzigen Sprösslingen den Geldhahn zudreht.

Das macht er nicht einfach so, sondern mit einem großen Knall. Schließlich ist das hier keine Sozialstudie, sondern eine Komödie. Also steht unvermittelt die Polizei vor der Tür, konfisziert Sportwagen und beschlagnahmt den Besitz. Ein großes Schauspiel, das der Vater hier aufführt, um seinen Kindern eine Lektion vom einfachen Leben zu erteilen. Fortan ist der feine Herr Papa mit seinem Nachwuchs auf der Flucht. Von Monaco geht es ins verhasste Marseille, ins heruntergekommene Landhaus des verstorbenen Großvaters. Hier lernen die Kids nicht nur, ohne Smartphones und Kreditkarte klarzukommen, sondern auch etwas kennen, worum sie im Leben bislang herumgekommen sind: Arbeit.

Die Geschichte dürfte einigen bekannt vorkommen. Auch wenn Regisseur Nicolas Cuche in einem Interview von einer sehr freien Adaption gesprochen hat, ist seine Version doch sehr nah dran am Original, Gary Alazrakis Die Kinder des Señor Noble (2013). Schon dessen Film war von einem anderen beziehungsweise von dessen Vorlage inspiriert: Luis Buñuels Der große Lebemann (1949), der im Original wie Adolfo Torrados gleichnamiges Theaterstück El gran calavera heißt. In der Vorlage wie in Buñuels Adaption ist die Ausgangslage eine leicht andere. Nicht der Vater täuscht den Kindern den gesellschaftlichen Abstieg vor, sondern die Kinder dem Vater.

Gary Alazraki und seine zwei Drehbuchautoren Adrian Zurita und Patricio Saiz drehten das für ihre Komödie dann einfach um und landete damit einen Kassenschlager. Nach Erscheinen brach Nosotros los Nobles, so der Originaltitel, in Mexiko alle Rekorde. Ein Remake war nur eine Frage der Zeit. Es verwundert allenfalls, dass es aus Frankreich und nicht aus den USA kommt. (Aber wer weiß, vielleicht wird auch noch eins über die dortigen Superreichen folgen. Anbieten würde es sich angesichts der Vermögensunterschiede im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja.)

Nicolas Cuche macht einen guten Job. Bislang war er vornehmlich fürs Fernsehen tätig, verantwortete dort unter anderem elf Episoden der französischen Version des Clubs der roten Bänder. Meine schrecklich verwöhnte Familie ist sein vierter Kinofilm und am Ende eine sommerliche Wohlfühlkomödie geworden. Für eine ernsthafte Kritik an den kapitalistischen Auswüchsen fehlt ihr der Biss. Zwar führt Cuche gleich zu Beginn in einer Montagesequenz den monegassischen „Zoo der Superreichen“, wie er es nennt, vor. Danach schaltet sein Film aber alsbald in den Kuschelmodus. Die verwöhnten Gören werden durch ehrliche Arbeit geläutert, und beim abendlichen Boulespiel vor der untergehenden Sonne kommt sich die zerrüttete Familie wieder ein Stück näher.

Im Vergleich zur mexikanischen Variante ist in der französischen vieles geerdeter. Die Figuren sind realistischer, das Schauspiel, bei dem vor allem Gérard Jugnot (Die Kinder des Monsieur Mathieu) und Tom Leeb herausragen, ist nicht so überdreht. Ja, selbst das renovierungsbedürftige Haus des verstorbenen Großvaters, das bei Alazraki noch eine echte Bruchbude war, macht gar keinen so schlechten Eindruck, zumal es inmitten einer pittoresken Landschaft liegt. Selbst die Armut hat in einem französischen Film noch einen gewissen Charme. Revolutionär ist das nicht, aber durchaus unterhaltsam.

Meine schrecklich verwöhnte Familie (2021)

In der Neuverfilmung der mexikanischen Hit-Komödie „Nosotros los Nobles” versucht der französische Millionär Francis Bartek (Gérard Jugnot), seinen verzogenen und mittlerweile erwachsenen Kindern eine Lektion fürs Leben zu erteilen: Damit sie endlich lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und nicht mehr aus Papas Tasche zu leben, gibt er vor, pleite zu sein und von den Behörden gesucht zu werden. So sind seine drei Sprösslinge Philippe (Artus), Stella (Camille Lou) und Alexandre (Louka Meliava) plötzlich für das Wohl der Familie verantwortlich und müssen das allererste Mal in ihrem Leben selbst arbeiten.

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