Hilfe, die Kinder sind zurück! (2020)

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Kann es gutgehen, wenn sich zwei erwachsene Paare täglich am Frühstückstisch begegnen? Vielleicht, wenn es sich um eine Wohngemeinschaft handelt oder den Besuch alter Freunde. Aber sicher nicht, behauptet diese Komödie, wenn die erwachsene Tochter mit ihrem Freund bei den Eltern eingezogen ist.

Hilfe, die Kinder sind zurück! (2020)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Wenn die Tochter wieder einzieht

Die Kinder sind aus dem Haus, Ehemann Yann (Stéphane De Groodt) hat sein Geschäft verkauft, aber Catherines (Michèle Laroque) Wunsch, mit ihm auf Weltreise zu gehen, erfüllt sich immer noch nicht. Denn Yann widmet sich nun ganz der Bonsai-Zucht und nimmt nur noch die Bedürfnisse seiner Bäumchen wahr, seien sie nun real oder nicht. Dann steht plötzlich die 27-jährige Tochter Anna (Alice de Lenquesaing) mit ihrem Freund Thomas (Olivier Rosemberg) auf der Matte: Sie haben ihre Wohnung verloren und ziehen für eine Weile in Annas Elternhaus ein. Catherines Geduld kommt nun rasch an ihre Grenzen, aber wie soll sie den Jungen ohne rabiaten Paukenschlag vermitteln, dass sie wieder ausfliegen sollen?

Diese Ausgangslage scheint wie geschaffen für eine witzige Komödie mit Biss, schließlich weckt sie Erinnerungen an Tanguy — Der Nesthocker. In jener französischen Komödie aus dem Jahr 2001  emanzipierte sich ein Elternpaar herrlich böse vom Rollenverständnis dauerhafter Fürsorge, um den längst erwachsenen Sohn zum Ausziehen zu bewegen. In Hilfe, die Kinder sind zurück! erzählt die Regisseurin Michèle Laroque nicht nur vom Ärger einer Frau, die wieder hinter ihrer Tochter, welche gerade ihre Doktorarbeit abgegeben hat, aufräumen muss. Zugleich geht die leidgeprüfte Hauptfigur, die sie selbst spielt, auch noch durch eine ernsthafte Ehekrise. Catherines Gatte Yann hat den Verkauf seines Geschäfts nicht gut verkraftet und spricht mehr mit seinen überall herumstehenden Bonsaibäumchen, als mit ihr. Da ihre ironisch-bissigen Kommentare ihn nicht aus der Ruhe bringen, schickt sie ihn zum Psychologen (François Berléand).

Stéphane De Groodt spielt den Hausherrn Yann herrlich verpeilt. Der stets ungekämmt wirkende Mann kann sich beispielsweise unvermittelt darüber auslassen, wie sich die unterschiedlichen Formen italienischer Pasta auf den Geschmack auswirken. Oder er belehrt den Therapeuten, dass Menschen nur jemand versteht, der sich mit Bäumen auskennt. Michèle Laroque interpretiert Catherine als lebhaften komödiantischen Widerpart. Die eloquente Frau spart nicht mit Spott, allein, ihre liebevolle Art lässt sie auch nicht einfach das Handtuch werfen. Gut, dass sie eine resolute beste Freundin (Laurence Bibot) hat, die ihr wenigstens im Umgang mit der zurückgekehrten Tochter einen wichtigen Rat gibt. Je schöner es die Kinder haben, warnt die Freundin, desto länger werden sie bleiben. Also zieht Catherine Annas Bluse an, bekleckert sie mit Tee, verschenkt das Fußballtrikot, an dem Thomas hängt, spült das Frühstücksgeschirr nicht so zuverlässig, wie es die Tochter von früher gewöhnt ist. 

Auch die Perspektiven von Anna und Thomas nimmt der Film zwischendurch ein. Denn auch in dieser Beziehung liegt einiges im Argen. Thomas verschweigt Anna, dass er seinen Job verloren hat. Aktuelle Bezüge streut der Film ein, indem er einen Franzosen wegen des Brexit heimkehren lässt, in die Wohnung, die er Anna und Thomas zur Zwischennutzung überließ. Oder indem Anna mit ihrem Doktorvater ein MeToo-Erlebnis hat, das sich langsam, fast unmerklich anbahnt. Zwar macht es Anna verlegen, als sie der Mann bei der Abgabe der Doktorarbeit umarmt und freundschaftlich auf die Wangen küsst. Aber sie scheint nach unverfänglichen Erklärungen zu suchen, vielleicht gehört das wie die Essenseinladung zum guten Umgang unter künftigen Kollegen. Sie argwöhnt nichts, bevor es passiert und wirkt in diesem Punkt realitätsnah gezeichnet. 

Gelungen ist auch der Einfall, Anna zum Kind regredieren zu lassen, das schließlich sogar von den Eltern nach einem Ladendiebstahl abgeholt werden muss. Immer wieder erweisen sich die Eltern als die zentralen Figuren der Komödie, auch was ihre Sympathiewerte anbelangt. Leider zünden in dieser Geschichte jedoch ganz generell viele Witze nicht und das Geschehen entwickelt nur eine halbherzige Spannung. Manchmal fehlt es den Dialogen an Pfeffer, etwa wenn Catherine ihre Tochter nicht direkt, sondern mit einem paradoxen rhetorischen Kunstgriff, indem sie scheinbar Verständnis äußert, auf die Unordnung im Haus hinweist. Oder wenn es ein wenig klamaukig wird, wie mit den Ausflüchten, die Thomas bei der Besichtigung einer teuren Wohnung einfallen. 

Die Absicht, einen versöhnlichen Grundton beizubehalten, schmälert die Möglichkeiten, zwischendurch auf den Putz zu hauen oder eine dramaturgische Fallhöhe aufzubauen. Die Dinge verändern sich manchmal recht unvermittelt, ohne dass man im einzelnen mitbekommt, wie die Charaktere das geleistet haben. Man fühlt sich milde unterhalten, ohne dass die Komödie einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Hilfe, die Kinder sind zurück! (2020)

Catherine (Michèle Laroque) und Yann (Stéphane De Groodt) sind seit vielen Jahren verheiratet und führen ein glückliches Leben. Nachdem Yann sein Geschäft verkauft hat, füllt er die gewonnene Freizeit mit einer neuen Leidenschaft: Bonsai-Bäume. Catherine ist nicht besonders angetan von Yanns neuem Zeitvertreib und die angespannte Situation spitzt sich zu, als ihre Tochter Anna (Alice de Lencquesaing) und ihr Freund Thomas (Olivier Rosemberg) ihre Wohnung verlieren und an die Tür klopfen. Während Yanns Midlife-Crisis außer Kontrolle gerät und der unbestimmte Aufenthalt der Kinder immer störender wird, versucht Catherine das turbulente Familien-Chaos in geordnete Bahnen zu bringen…

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