Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

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Auf der Liste der Großereignisse, die wegen des Coronavirus ins Wasser fallen, stand auch der Eurovision Song Contest 2020. Wer nicht auf ESC-Feeling verzichten möchte, kann stattdessen David Dobkins Komödie mit Will Ferrell und Rachel McAdams streamen. Überraschungen garantiert!

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Sieger der Herzen

Am Eurovision Song Contest (ESC) scheiden sich die Geister. Für die einen ist der europäische Gesangswettbewerb Kult, für die anderen nur noch Klamauk. Ein Phänomen, das Außenstehende nur schwer begreifen. Seine Popularität hat sich anscheinend bis in die USA herumgesprochen. Denn nun schickt Regisseur David Dobkin Will Ferrell und Rachel McAdams als isländische Kleinstädter ins Rennen um die Sangeskrone.

Isländische Kleinstädter ist beinahe ein Pleonasmus. Im Land aus Eis und Feuer gibt es nur eine Großstadt, Reykjavík. Dorthin, zum Vorentscheid des ESC, will der von Ferrell gespielte Lars Erickssong (!), seit er ABBA 1974 mit Waterloo siegen sah. Seit jenem Erweckungserlebnis vor dem Fernsehgerät weicht Sigrit Ericksdottir (McAdams), ein Mädchen aus der Nachbarschaft, nicht von seiner Seite. In ihrem Probenraum im verschlafenen Nest Húsavík imaginieren sich die beiden Jahrzehnte später in aufwendig gedrehte Musikvideos. Bis 2011 war in dem Örtchen übrigens das weltgrößte Phallusmuseum beheimatet. In Dobkins Film kommt es zwar nicht vor, hätte aber prima darin Platz gefunden.

Dobkin, als Regisseur von Komödien wie Die Hochzeits-Crasher (2005) oder Wie ausgewechselt (2011) dem Klamauk nicht abgeneigt, hat aus der von Ferrell mitproduzierten und -geschriebenen Vorlage ein typisches Will-Ferrell-Verhikel gezimmert. In der klassischen Außenseiter-Story, solide verfasst und gespielt, stecken viel Anarcho-Humor und Fremdscham-Momente, jede Menge Nationen-Klischees, ein wenig Slapstick und ein paar plumpe Sex- und Penis-Witze.

Als Running Gag dienen etwa die Fragen, ob Alexander Lemtov (Dan Stevens mit George-Michael-Gedächtnis-Tolle), der russische Top-Favorit auf den ESC-Gewinn, endlich aus dem Kleiderschrank kommt und ob Lars und Sigrit Geschwister seien. Lars beantwortet das stets mit „wahrscheinlich nicht“, was wiederum als Seitenhieb auf seinen umtriebigen Erzeuger Erick Erickssong (Pierce Brosnan), aber eben auch auf die überschaubare Population des Inselstaats begriffen werden kann. Erfreulich ist wiederum, wie viele tatsächliche Isländer*innen an McAdams und Ferrells Seite mitmischen.

ESC-Fans wiederum dürften all die Gastauftritte ehemaliger Teilnehmer*innen erfreuen, die an dieser Stelle nicht verraten werden (dürfen). Aber auch das Spektakel an sich, das den Wettbewerb längst zu einer Feier-Bastion der LGBT-Community gemacht hat, kann sich sehen lassen. Dobkins Film ist immer dann am besten, wenn er die Geschichte außer Acht lässt und sich auf die Musik und deren Darbietungen konzentriert. Vom Grand Prix Eurovision de la Chanson, bei dem jede Nation in ihrer Muttersprache vertreten war, bis zum ESC, bei dem fast nur noch auf Englisch gesungen wird, war es ein langer Weg. Oft zählen die Show und sexy Outfits mehr als Song und Stimme. Das zu parodieren grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit, ist der ESC inzwischen doch so over the top, dass er wie eine Parodie seiner selbst wirkt. Dobkins Film meistert diese Gratwanderung mühelos.

Beim Rest gerät er wiederholt ins Straucheln. Wer vor Blödeleien nicht zurückschreckt, wird hier aber prächtig unterhalten und mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und Stadtansichten beschenkt – von Húsavík über Reykjavík bis Edinburgh, wo der Wettbewerb über die Bühne geht. Dort nimmt der gebürtige Ire Graham Norton, im wahren Leben einer der bekanntesten TV-Moderatoren des Vereinigten Königreichs, gemeinsam mit dem Netflix-Publikum die Beobachterposition ein und kommentiert das Geschehen süffisant von den Rängen.

Zu sehen bekommt er einen holprigen Weg zum Ruhm, auf dem Lars und Sigrit mehr als ein persönliches Waterloo erleben. Dank viel Herz, verschrobenem Charme und schräger Gesangseinlagen kommt Dobkins Film um ein Waterloo herum.

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Zwei Kleinstadtsänger kämpfen für ihren Traum von der Teilnahme am größten Gesangswettbewerb der Welt. Die Hauptrollen spielen Will Ferrell und Rachel McAdams.

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