Darkroom (2019)

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Rosa von Praunheim widmet sich einem realen Mordfall aus der Schwulenszene. Das Ergebnis fällt eher gemischt aus.

Darkroom (2019)

Eine Filmkritik von Matthias Pfeiffer

Tod und Liebe

„Ich habe immer ein normales Leben geführt, zielstrebig und ehrlich“. Warum hat Lars (Bozidar Kocevski) dann drei Männer getötet und es bei zwei weiteren versucht? Dass er seine Opfer am Ende bestohlen hat, ist offensichtlich ein Täuschungsmanöver. Denn eigentlich hat der junge Mann alles: Finanzielle Sicherheit, einen Job als Grundschul-Referendar und nicht zuletzt seinen Partner Roland (Heiner Bomhard), mit dem er vor kurzem nach Berlin gezogen ist. Im Gerichtssaal wirkt er genauso überfragt wie alle anderen. Gleichzeitig spricht sein Gesicht von Angst und Schuld. Und irgendwie wirkt er selbst wie das Opfer von etwas.

Mit Darkroom – Tödliche Tropfen orientiert sich der Kult-Regisseur Rosa von Praunheim am Fall des Serienmörders Dirk P., der für drei Todesfälle in der Berliner Schwulenszene verantwortlich war. Für das Drehbuch arbeitete er mit der Gerichtsreporterin Uta Eisenhardt zusammen, die den Prozess 2012 begleitete. Im fertigen Film verwebt er die verschiedenen Stationen von Lars‘ Leben zu einer Mischung aus Szene-Krimi und Dokudrama. Die kalten Verhandlungsszenen mit einer erbarmungslosen Katy Karrenbauer als Staatsanwältin stehen dabei im Kontrast zum heiteren Beziehungsleben mit Roland. Den lernt er in einem Saarbrückener Schwulenclub kennen, in dem dieser mit seiner Band auftritt. Trotz der Häme seiner Bandkollegen wird aus den beiden schnell ein Paar, das seinen Weg ins schwindelerregende Nachtleben von Berlin findet.

Dazwischen lagert Praunheim das Verbrechen. Lars stößt auf die Droge Liquid Ecstasy, die ihn in einen wohligen Rausch versetzt, als sein Freund ihn für einen Sex-Treff sitzen lässt. Und bald darauf wird aus ihm ein Raskolnikow, der sich berechtigt glaubt, über Leben und Tod zu entscheiden. Sein erstes Opfer ist ein ehemaliger Freund Rolands, mit dem er sich zerstritten hat. Danach werden die Delikte wahllos. „Ich wollte einfach nur eine schöne Zeit haben“, sagt Lars vor Gericht. Alles wird immer unverständlicher.

Der Erklärungsversuch funktioniert dann auch leider weniger. Prozess hin, Rückblende her, dazwischen nachgespielte Zeugeninterviews. Aus Darkroom will kein Ganzes werden. Lars bleibt zwar ein Rätsel, aber keines, das einen gefangen nimmt. Im Laufe des Films kommt heraus, dass er seinen vorherigen Beruf als Pfleger lediglich erschlichen hat. Auch an seine Referendariats-Stelle kam er nur durch gefälschte Dokumente. Ins Lars scheint also von Grund auf kriminelle Energie zu brodeln. Rosa von Praunheim konzentriert jedoch bis zum letzten Drittel nicht auf deren Ursprung. Dann wird in surrealen Traumpassagen die Geschichte der besitzergreifenden Oma erzählt, die ihn ihrem verstorbenen Mann angleichen wollte. Wirklich befriedigend ist das allerdings nicht. Eher wirken diese Passagen wie eine notdürftige Erklärung, die noch nachgeschoben werden musste.

Es gibt jedoch Szenen, die Tieferes erahnen lassen. Wenn Lars seine Opfer vergiftet, wird er in deren letzten Momenten wieder zum Pfleger, der ihnen ein möglichst schönes Ende bereiten will. Hier kann auch Kocevski seiner Figur Farbe verleihen, die über weite Strecken recht blass daherkommt. Steckt in ihm vielleicht doch mehr als ein kaltblütiger Killer, der sich im Machtrausch verliert? Eine Stelle aus der Krankenpfleger-Zeit bestärkt diese Vermutung. Die Sorgfältigkeit mit der Lars einen frisch verstorbenen Patienten behandelt, verwundert seine Kollegin, für die das alles längst Routine ist. Im Endeffekt ist die Herangehensweise Rosa von Praunheims auch keine schlechte. Statt dem Publikum die Lösung auf dem Tablett aufzutischen, lässt er vieles im Dunkeln, sodass sich nur erahnen lässt, was die Motive sein könnten. Zur vollen Entfaltung kommt der Plan jedoch nicht, da der Film keine durchgängige Stimmung aufbauen kann. Um zum Psychothriller zu werden, bleibt er zu sehr an der Rekonstruktion hängen, für ein Dokudrama fehlt ein kühlerer Blick auf die Tragödie. So weiß man zwar am Ende, dass man schwere, nicht nachvollziehbare Verbrechen gesehen hat, aber genauso schnell vergisst man es auch wieder.

Darkroom (2019)

In seinem neuen Film befasst sich Kultregisseur Rosa von Praunheim mit einem wahren Kriminalfall aus jüngster Vergangenheit und macht daraus einen seiner spannendsten Filme. Lars, ein Krankenpfleger aus Saarbrücken, zieht mit seinem Freund Roland nach Berlin. Zusammen renovieren sie eine Wohnung. Das Glück scheint perfekt. Was Roland jedoch nicht ahnt: Lars treibt sich heimlich im Berliner Nachtleben umher und experimentiert mit tödlichen Substanzen…

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