Blow the Man Down (2019)

Log Line

Danielle Krudys und Bridget Savage Coles erster Langspielfilm ist eine schwarzhumorige Krimi-Komödie im Stil der Coen-Brüder, in der Männer nahezu keine Rolle spielen.

Blow the Man Down (2019)

Eine Filmkritik von Christian Neffe

Shantys und Leichen

„Come all ya young fellows that follow the sea, to me, weigh hey, blow the man down“, dröhnt es zu Beginn von „Blow the Man Down“ aus den rauen Kehlen eines Fischerchors. Es ist ein altes Seemanns-Shanty, das im Laufe des Films noch einige Male erklingen wird. Ursprünglich ein Lied über die körperliche Last der Arbeit auf See, über schwer schuftende Fischer und die kleinen Freuden des Landgangs („pretty young damsels“), so wird schnell deutlich, dass der Titel diesmal nicht auf raue Winde verweist, sondern als Aufforderung zu verstehen ist: Leg‘ den Kerl um! Und dass sie sich dezidiert an die Frauen richtet, die in dieser Geschichte agieren und dominieren.

Schauplatz von Blow the Man Down ist Easter Cove. Das kleine Städtchen lebt seit Jahrzehnten vom Fischfang und hat kürzlich ein wertvolles Gemeindemitglied verloren: Die Mutter von Priscilla und Mary Beth Connolly (Sophie Lowe und Morgan Saylor) ist nach langer, schwerer Krankheit verstorben und hat ihren Töchtern einen Schuldenberg hinterlassen, der so hoch ist wie die Masten der Schiffe, die in Easter Cove anlanden. Das belastet die ohnehin nicht sehr harmonische Beziehung der beiden Schwestern noch mehr: Eigentlich wollte Mary Beth schon vor einem Jahr ans College wechseln, musste diese Pläne aufgrund ihrer Mutter aber vorerst auf Eis legen. Nun – ohne finanzielle Grundlage – droht das Vorhaben gänzlich zu scheitern.

Noch am Abend der Beisetzung lernt Mary Beth einen zwielichtigen Kerl namens Gorski (Ebon Moss-Bachrach) kennen. Sie fährt mit ihm nach Hause, bekommt es jedoch mit der Angst zu tun, als sie eine Waffe, Drogen und Blutspuren in seinem Auto entdeckt. Es entbrennt ein Streit, der damit endet, dass Mary Beth ihrer Abendbegleitung eine Harpune durch die Kehle jagt. Die Leiche wird von den beiden Schwestern kurzerhand im Meer versenkt. Am nächsten Tag wird ein toter Körper angespült – jedoch nicht der von Gorski, sondern der einer Prostituierten, die im Bordell von Enid Nora Devlin (Margo Matrindale) arbeitete und die offenbar kurz zuvor von Gorski getötet wurde.

Blow the Man Down erinnert mit seinem schwarzen Humor und seiner verzweigten Konstellation skurriler Charaktere schon nach wenigen Minuten an die Werke der Coen-Brüder, insbesondere deren Klassiker Fargo, bisweilen auch an Hans Petter Molands Einer nach dem anderen. Auch hier wird eine kleine, friedliche Stadt, in der sich das ein oder andere dunkle Geheimnis verbirgt, von einem Verbrechen erschüttert. Die Polizei scheint unwillig oder unfähig, die Sache aufzuklären. Die wahre Gefahr für die beiden Schwestern geht deshalb von Enid aus, die den jungen Frauen bald auf die Schliche kommt und unbedingt an das Geld will, das Gorski für sie aufbewahrte und sich nun im Besitz von Priscilla und Mary Beth befindet. Denn auch Enid steht trotz ihrer matriarchalischen Attitüde unter Druck: Der Hafenpächter verlangt seinen Anteil, damit Enids Mädchen weiterhin bei den Docks arbeiten können, derweil eine Gruppe betagter Damen versucht, das Bordell dicht zu machen. Der Plot weiß – auch das erinnert an die Coens – mit spannungsreichen Momenten und skurrilen Twists bis zum Ende zu fesseln.

Der erste Langspielfilm des weiblichen Regie-Duos Danielle Krudy und Bridget Savage Cole ist vor allem aber deshalb sehenswert, weil er die Männer im Wesentlichen zu Statisten macht und stattdessen auf einen fast ausschließlich weiblichen Cast setzt. Die einzig relevante männliche Figur – abseits von Gorski – ist die eines Nachwuchspolizisten (Will Brennan), der den beiden Schwestern auf den Versen ist, dann aber doch lieber bei seiner Großmutter Kuchen verputzt oder sich schon durch kleine romantische Andeutungen seitens Priscillas aus der Fassung bringen lässt. Die Frauen sind es stattdessen, die den Plot vorantreiben, sich zur Wehr setzen und die Männer auf diese Weise im Regen stehen lassen. Hätten Krudy und Cole für ihren Filmtitel den Plural gewählt und ihn Blow the Men Down genannt, es hätte kaum besser passen können.

Blow the Man Down (2019)

Nach dem Tod ihrer Mutter versuchen die beiden Schwestern Mary Beth und Pris Conolly in dem kleinen Fischerdorf Easter Cove in Maine über die Runden zu kommen., denn was ihnen blieb, sind ein Berg von Schulden und eine seit Monaten ausstehende Miete, die sie zu entrichten haben. Eines Abends triift Mary Beth in einer Bar auf einen Fremden mit einem Geheimnis, den sie in Notwehr tötet. Und von da an gerät in dem beschaulichen Ort einiges durcheinander — zumal hier nichts so ist, wie es scheint.

  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Bridget Savage Cole

Danielle Krudy