Wenn der Postmann zweimal klingelt (Blu-ray)

Wenn der Postmann zweimal klingelt (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Sex auf dem Küchentisch

Jack Nicholson mal wieder, der am meisten beneidete Mann der Welt. Die Eleganz, mit der er maximale Geilheit in einen rüden Küchentisch-Fick kanalisiert und dabei auf ebenso geile Unterstützung von Jessica Lange bauen darf, ist genauso legendär wie tuschelwürdig. Als Wenn der Postmann zweimal klingelt 1981 herauskam, war der okaye Box-Office-Zuspruch vor allem der Frage zu verdanken, ob die beiden Hauptdarsteller wirklich das alte Rein-Raus-Spiel ausgepackt hatten. Über den Rest des Films wurde dafür kaum ein wirklich interessiertes Wort verloren.
So richtig verdenken kann man es den damaligen Kritikern eigentlich nicht, die eher beiläufige Erwähnung, dass es sich hier um eine weitere Verfilmung von James M. Cains bekannten Pulp-/Film-Noir-Roman handelt. Regisseur Bob Rafelson stellt zwar zwei hervorragende Hauptdarsteller in den Mittelpunkt des Geschehens, die erstaunlich sleazige Protagonisten verkörpern, doch wirklich packen mag das unmoralische Geschehen leider nicht. Bob Rafelson ist mehr ein Schauspieler-Regisseur denn der Bruder von Paul Verhoeven, so dass die Thriller-Elemente der Geschichte keine Wirkung erzielen und der verschwurbelte inhaltliche Aufbau spätestens ab der Gerichtsverhandlung ein paar Wendungen zu viel macht.

Der erste „Schuldige“ hier ist natürlich der Romanautor, doch spätestens Drehbuchtautor David Mamet hätte erkennen müssen, dass das klassische Film-Noir-Setup, das einen Drifter in eine heiße Affäre mit einer verheirateten Kneipenbesitzerin treibt und daraufhin Mordpläne entstehen lässt, seinen Schwerpunkt bei pulpigem Sleaze und nicht bei weit hergeholten inhaltlichen Haken besitzt. Wenn der Postmann zweimal klingelt bleibt über weite Strecken seltsam distanziert und kann tatsächlich nur in der Küchentisch-Szene wirklich Zunder entfachen. Das eigentlich zu erwartende Sittenbild der großen Depression bleibt aus, der sich durch korrupte Gesellschaftsschichten herausschälende Thriller ist eher ein moralisch ambivalentes Kammerspiel.

Das wirkliche Pfund des Films sind, wie bereits angesprochen, die beiden Hauptdarsteller, die brutzelnde Chemie verbreiten und sowohl großartig agieren als auch, hier ist vor allem Jessica Lange zu nennen, schier atemberaubende Schönheit ausstrahlen. Meine Güte, was war diese Frau mal ein Feger, und passte hier einfach perfekt zu Jack Nicholson, der wie üblich nur schlecht beschrieben, sondern vielmehr erlebt werden muss. Diese beiden Personen, und auch einige Geistesblitze von Mamet (in der ersten Hälfte), der immerhin Hauptfiguren miese Arschlöcher sein lässt –wenngleich angetrieben zum Beispiel durch Langeweile oder Perspektivenlosigkeit-, geben Wenn der Postmann zweimal klingelt doch noch einen matten „sehenswert“-Stempel – der erst recht für die frisch erschienene Blu-Ray gilt.

Dort nämlich erstrahlt ein erfreulich filmisches Bild, inklusive dezentem Filmgriesel, das den Film so erscheinen lässt wie damals im Kino, und dazu gesellt sich dann ein exzellenter Audiokommentar, der Jack Nicholson, David Mamet und Bob Rafelson spannende bis ungemein ironische Kommentare abringt. Es kommt ja selten genug vor, dass Audiokommentare wirklich ihre Zeit wert sind, doch hier ist das definitiv der Fall – wobei allerdings unklar bleibt, warum der Film dafür erneut auf die Scheibe musste…und damit der Bitrate des Hauptfilms womöglich ein qualitativer Dämpfer verpasst wurde. Die Empfehlung wankt etwas, doch letztendlich bleibt sie noch bestehen. Im Zweifelsfall ist die technische Präsentation natürlich nur eine Hommage an die Defizite des Films.

Wenn der Postmann zweimal klingelt (Blu-ray)

Jack Nicholson mal wieder, der am meisten beneidete Mann der Welt. Die Eleganz, mit der er maximale Geilheit in einen rüden Küchentisch-Fick kanalisiert und dabei auf ebenso geile Unterstützung von Jessica Lange bauen darf, ist genauso legendär wie tuschelwürdig. Als „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ 1981 herauskam, war der okaye Box-Office-Zuspruch vor allem der Frage zu verdanken, ob die beiden Hauptdarsteller wirklich das alte Rein-Raus-Spiel ausgepackt hatten.
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