Triangle

Triangle

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Einen wirklich großartigen Film hat Regisseur Christopher Smith (Severance) mit Triangle abgeliefert. Ist der erste Gedanke noch, dass es sich um einen typischen Geisterschiff-Film im Stile vom gutklassigen Ghost Ship handelt, kippt die Story schon nach einer guten viertel Stunde. Und sie kippt immer wieder! Und wieder! Und das ist es auch, was Triangle in der Veröffentlichungsflut abhebt: Die Twists sind grandios, lassen keine Langweile zu. Vielmehr gibt es mehr als einen Moment, in dem sich der Zuschauer vornimmt, den Film ein zweites Mal zu schauen. Und ganz ehrlich, einen zweiten Blick ist Triangle auf jeden Fall wert. So viel passiert, was man beim ersten Ansehen übersieht, nicht einordnen kann oder falsch deutet.
Um die ganze Palette der Aha-Momente nicht zu ruinieren, ist es wichtig, möglichst wenig von der Story zu verraten. Weswegen sich der Rezensent auf das Rekapitulieren der Ausgangssituation beschränkt. Jess (Melissa George, Amityville Horror), junge Mutter eines authistischen Sohns, lässt sich zu einem Segeltörn mit ihrem heimlichen Verehrer Greg (Michael Dorman, Daybreakers) und ein paar seiner Freunde überreden. Was anfangs noch entspannt ist, kippt buchstäblich mit einem aufziehenden Unwetter - und dem Schiff. Denn das treibt kurz darauf kieloben im Ozean. Als am Horizont ein mächtiges Passagierschiff auftaucht, scheint alles gut auszugehen. Doch erst jetzt beginnt der wirkliche Alptraum, den an Bord scheint sich eine unheimliche Macht zu befinden, die nur auf ihre schiffbrüchigen Opfer gewartet hat. Denn, wie sich herausstellt, ist der Ozeanriese schon seit über 100 Jahren unterwegs...

Regisseur und Autor Smith mag das Genrekino und bevorzugt die härtere Gangart. Schön für den Zuschauer. War sein durchwachsener Erstling Creep (mit Franka Potente) ein harter Slasher, der seine Heldin durch finstere U-Bahn-Schächte hetzt, tendierte er mit Severance in Richtung Fun-Splatter und ließ Körperteile mit deftigem Humor garniert durch die Luft fliegen. Triangle ist nun weniger blutige Genrekost, die aber weniger Horror, denn Psychothriller ist. Zu der originellen Story gesellen sich eine schöne Kameraarbeit, eine dichte Inszenierung und erstklassige Schauspielerleistungen. Das manche der FX-Shots (Unwetter, Blue Screen) nicht state of the art sind, sei geschenkt. Das, was Smith aus dem knappen Budget raus holt, ist großes Kino.

Müsste der Rezensent Triangle vergleichen, würde er den Film als eine Mischung aus Und täglich grüßt das Murmeltier, Donnie Darko und Spukhausfilm zu beschreiben. Mit einem kräftigen Schuss Shining, der nicht nur einmal zitiert wird. Und man hätte nur die Spitze des Eisbergs genannt. Man merkt, dass sich das Team mit Herzblut in die Arbeit gestürzt hat. Auch im interessanten Making of berichten der Regisseur und sein Produzent, welche Ambitionen sie hatten und wie die Idee entstand. Das der Film im Kino nur "unter ferner" lief, ist schwer nachvollziehbar. Endlich kommt mal wieder ein intelligenter Genrefilm raus, schaut ihn sich kaum jemand an. Es ist zu hoffen, dass Triangle auf DVD oder blu-ray mehr Freunde findet. Verdient hat er es auf alle Fälle. Und es wäre schön, wenn diese Rezension dazu beiträgt.

Triangle

Einen wirklich großartigen Film hat Regisseur Christopher Smith ("Severance") mit "Triangle" abgeliefert. Ist der erste Gedanke noch, dass es sich um einen typischen Geisterschiff-Film im Stile vom gutklassigen "Ghost Ship" handelt, kippt die Story schon nach einer guten viertel Stunde.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.