Tee mit Mussolini

Tee mit Mussolini

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Lady Hester und der Duce

Florenz in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Luca (Charlie Lucas), der illegitime Sohn eines Geschäftsmannes, soll nach dem Tod seiner Mutter in ein Waisenhaus abgeschoben werden. Das aber weiß Mary Wallace (Joan Plowright), die Sekretärin des Schneiders, zu verhindern. Fortan kümmern sich die Sekretärin und ihre Freundinnen, darunter die Witwe des früheren britischen Botschafters, Lady Hester Random (Maggie Smith) sowie Arabella Delancey (Judi Dench) um den Jungen. Auch die reiche amerikanische Jüdin Elsa (Cher), die die Mutter von Luca gut kannte, kümmert sich um den Waisen, indem sie Geld anlegt, das seine finanzielle Unabhängigkeit sichern soll.

Als der faschistische Mob in Florenz durch die Straßen zieht und randaliert, verschafft sich Lady Hester eine Audienz beim Duce und lässt sich von ihm versichern, dass weder ihr noch ihren Freundinnen ein Haar gekrümmt werden würde – eine Geste, die sie zur der Illusion verleitet, sie stünde unter dem Schutz Mussolinis. Die Realität aber sieht anders aus: So werden die „scorpioni“ – so der Beiname des spitzzüngigen Kreises um Mary Wallace und Lady Hester – kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in einem italienischen Internierungslager in San Gimignano als „feindliche Ausländer“ festgesetzt. Nach dem Kriegseintritt wird auch Elsa, die von den Engländerinnen verachtete amerikanische Jüdin, nach San Gimignano gebracht und nimmt noch aus dem Arrest heraus an den Aktionen der Resistenza teil, was die Damen und ihren mittlerweile erwachsenen Schützling Luca (Baird Wallace) in ernsthafte Schwierigkeiten bringt…

Altmeister Franco Zeffirelli hat mit Tee mit Mussolini / Tea with Mussolini einen wundervollen Film inszeniert, bei dem vor allem zwei Schauspielerinnen besonders hervorragen – Maggie Smith, die in gewohnt brillanter Weise die schrullige Lady Hester Random gibt, und Cher, die selten so viel Esprit und Charme in einem Film ausstrahlte wie in diesem. Atmosphärisch dicht und mit scharfzüngigen Dialogen gespickt gelingt dem Regisseur der Balanceakt zwischen leichter Unterhaltung und bewegendem Drama vor einem gewaltigen historischen Hintergrund, das allenfalls daran krankt, dass die Bösartigkeit des Faschismus im Geplauder der netten englischen Damen ein wenig unterzugehen droht.
 

Tee mit Mussolini

Florenz in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Luca (Charlie Lucas), der illegitime Sohn eines Geschäftsmannes, soll nach dem Tod seiner Mutter in ein Waisenhaus abgeschoben werden.

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