Mord mit kleinen Fehlern

Mord mit kleinen Fehlern

Eine Filmkritik von Thorsten Hanisch

Kampf der Titanen

Ein Film, wie er, zumindestens in diesem großen Stil, heutzutage absolut nicht mehr realisierbar wäre: zwei Darsteller, ein Set. That's all. Minimalismus in seiner reinsten Form, aber gerade diese erfordert allerhöchste Könnerschaft und die ist im vorliegenden Fall dankenswerterweise reichlich vorhanden. Zwei Schauspieltitanen (Sir Laurence Olivier, Michael Caine), ein Regie-Gigant (Joseph L. Mankiewicz) und ein Drehbuchautor (Anthony Schaffer), der innerhalb seiner Schaffensperiode zwar nicht übermäßig viel, dafür aber fast nur Bemerkenswertes hinterlassen hat und sich bei Sleuth (wie der schöne Originaltitel lautet) so ziemlich auf dem Mount Everest seines kreativen Wirkens befand, besser geht's kaum.
Es ist aber auch dieses Drehbuch, das Rezensenten ins Schwitzen bringt, denn man traut sich kaum etwas von dessen super-raffiniertem Konstrukt preiszugeben ohne Brief- bzw. EMailbomben zu Recht erzürnter Leser zu befürchten. Nur so viel: Der versnobte und bizarre Krimischriftsteller Andrew Wyke (Laurence Olivier) lebt mit reichlich Kleingeld ausgestattet auf einem gigantischen Anwesen (das dank Bond-Designer Ken Adam ein heimlicher Star des Films ist) - es könnte alles gut sein, aber seine Frau will sich scheiden lassen, Wykes Nachfolger soll der Friseur Milo Tindle werden, ein Kind der Arbeiterklasse. Prinzipiell hat Wykes auch gar nichts gegen die Trennung von seiner Frau, allerdings befürchtet er erhebliche finanzielle Einbußen und so schlägt er dem nicht ganz so gut betuchten Tindle ein Geschäft vor…

Mord mit kleinen Fehlern ist ein klassischer, allerdings meisterhafter Metafilm, der zum einen "nur" als exzellenter britischer Krimi konsumiert werden kann, er macht sich aber auch - zuweilen recht subtil - über eben diesen lustig. Das spiegelt sich nicht nur im Plot wieder, sondern auch in der liebevollen, anspielungsreichen Ausstattung, die alleine schon zum mehrmaligen Anschauen einlädt. Mankiewicz' Film, der mit verblüffender Leichtigkeit in verschiedene Tonlagen wechselt, schildert, und das wird besonders zum Ende hin deutlich, im Unterbau aber auch einen Klassenkampf, den der Film mit eindeutigen Sympathien entscheidet.

Meisterhaft ist Mord Mit kleinen Fehlern ebenso auf formaler Ebene: Es ist kaum zu glauben, dass Olivier die Theatervorlage noch ein Jahr davor als "piece of piss" bezeichnet hat, der Mann fährt hier die komplette Bandbreite seines Könnens auf, so entfesselt hat man Sir Laurence nur selten gesehen; der ohnehin stets zuverlässige Michael Caine steht dem in nichts nach. Zwei Vollprofis im 100-prozentigen Einsatz. Dem gleicht sich auch die Regie an, die sich nicht die geringste Mühe macht, die Herkunft des Stoffs zu verbergen, sondern eindrucksvoll vorführt, wie sich Theater auch filmisch umsetzen lässt. So wirkt Mord mit kleinen Fehlern trotz 133 Minuten Lauflänge und minimalen Ingredienzien niemals statisch; dank einer äußerst dynamischen Inszenierung bleibt das Werk permanent im Fluss, man schaut trotz langer, wunderbar geschliffener Dialog-Kaskaden immer einen Kinofilm.

Kurz: Ein Meisterwerk - und man sollte Pindax einen Altar bauen, dass Mankiewicz' letzter Film nun endlich auf DVD zu haben ist, wenn auch leider ohne jede Ausstattung, es gibt nicht mal deutsche Untertitel.

Mord mit kleinen Fehlern

Ein Film, wie er, zumindestens in diesem großen Stil, heutzutage absolut nicht mehr realisierbar wäre: zwei Darsteller, ein Set. That’s all. Minimalismus in seiner reinsten Form, aber gerade diese erfordert allerhöchste Könnerschaft und die ist im vorliegenden Fall dankenswerterweise reichlich vorhanden.
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