Maleficent: Mächte der Finsternis (2019)

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Fünf Jahre nach der an den Kinokassen sehr erfolgreichen Realfilm-Neuinterpretation des Disney-Märchens „Dornröschen“ kehrt Angelina Jolie in die Rolle der mächtigen Fee Maleficent zurück. Hat es diese Fortsetzung wirklich gebraucht?

Maleficent: Mächte der Finsternis (2019)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Zusammengestückelt

Eine Neuauslegung bekannter Stoffe kann fruchtbar sein, frische Perspektiven eröffnen, wie das Fantasy-Spektakel Maleficent – Die dunkle Fee, zumindest partiell, beweist. Erzählt wird darin die Geschichte des Disney-Klassikers „Dornröschen“, allerdings aus dem Blickwinkel der vermeintlich abgrundtief bösen Antagonistin. Die von Angelina Jolie charismatisch verkörperte Maleficent, die die Königstochter Aurora (Elle Fanning) mit einem schrecklichen Fluch belegt, avanciert in Robert Strombergs Film zu einer tragischen Gestalt, die durch menschliche Niedertracht den Glauben an das Gute in der Welt verliert. Ihr versteinertes Herz wird jedoch weich, als sie das Aufwachsen der Prinzessin begleitet und schließlich mütterliche Gefühle für sie entwickelt.

Auch wenn Maleficent – Die dunkle Fee mit einigen narrativen Unebenheiten und Verknappungen zu kämpfen hat, setzt die recht düstere Märchen-Neuauflage einen zufriedenstellenden Schlusspunkt, verlangt auf inhaltlicher Ebene also keineswegs nach einer Fortsetzung. Wie so oft wirken aber auch in diesem Fall die Gesetze des Marktes. Da das visuell berauschende Abenteuer weltweit fast 760 Millionen Dollar einspielte, konnten die Macher der Versuchung, die Story weiterzuspinnen, nicht widerstehen. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist das nun startende Sequel Maleficent: Mächte der Finsternis, bei dem der Norweger Joachim Rønning (Pirates of the Caribbean: Salazars Rache) das Regiezepter von seinem Kollegen Stromberg übernahm.

Eine der spannendsten Abwandlungen im Vorgänger ist die Entscheidung, Auroras fluchbedingte Schlafstarre nicht durch Prinz Phillip zu beenden, sondern durch einen zärtlichen Kuss der Fee Maleficent. Im Sequel, das fünf Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils einsetzt, hat sich dennoch eine Liebesbeziehung zwischen den beiden jungen Adeligen angebahnt. Mehr noch: Gleich zu Anfang hält der Königssohn (Harris Dickinson ersetzt den anderweitig gebundenen Brenton Thwaites) um die Hand Auroras an, die keine Sekunde zögert und mit der Hochzeit endlich das verwunschene Land der Moore und das von Phillips Eltern Ingrith (Michelle Pfeiffer) und John (Robert Lindsay) regierte Reich Ulstead vereinen möchte.

Ihrer Patentante Maleficent (Jolie abermals mit mysteriös-erhabener Ausstrahlung), die noch immer Zweifel an den Menschen hegt, stößt die baldige Vermählung jedoch sauer auf. Und so nimmt sie nur äußerst widerwillig an einem gemeinsamen Essen im Schloss der Herrscherfamilie teil. Das von Anfeindungen geprägte Beisammensein findet ein jähes Ende, als John einem Fluch zum Opfer fällt und die erzürnte Maleficent die Tafel verlässt. Sie und Aurora stehen damit plötzlich auf unterschiedlichen Seiten eines Konfliktes, den die hinterlistige Ingrith vorantreibt.

Wie nach dem opulenten ersten Film nicht anders zu erwarten war, kann auch der Nachfolger mit großen Schauwerten und eindrucksvollen Effekten auftrumpfen. Schon der schwindelerregende Kameraflug durch das Reich der Moore, mit dem Maleficent: Mächte der Finsternis beginnt, bietet reichlich Futter für die Augen. Kostüm- und Szenenbild sind abermals üppig und exzentrisch. Und mit einem schummrigen Höhlensetting kommt ein neuer geheimnisvoller Schauplatz hinzu. Nicht zuletzt im wimmeligen Showdown feuern der Regisseur und sein Team aus allen nur erdenklichen visuellen Rohren.

Dass die Geschichte nicht unbedingt nach einer Weiterführung geschrien hat, ist allerdings vom Start weg zu spüren. Maleficents überwunden geglaubter Groll gegen die Menschen bricht mit der Nachricht vom Heiratsantrag plötzlich wieder ungebremst hervor. Die Beziehung Auroras und Phillips fühlt sich, wohl auch aufgrund des Schauspielerwechsels, weniger innig als behauptet an. Und mit Königin Ingrith springt eine Intrigantin auf die Bühne, die in Michelle Pfeiffers lustvoll diabolischer Performance zwar Eindruck hinterlässt, unter dem Strich aber von simplen Macht- und Vernichtungsfantasien getrieben wird. Zu verraten, dass es sich bei ihr um die Hauptgegenspielerin handelt, ist übrigens kein Spoiler, weil der Film sie ohne Umschweife als finstere Strippenzieherin einführt.

Im Kern will das Drehbuch von Linda Woolverton, Micah Fitzerman-Blue und Noah Harpster davon erzählen, dass unterschiedliche Spezies und Kulturen friedlich zusammenleben können. Um ihre Botschaft zu untermauern, gehen die Autoren auch ein wenig auf die Herkunft Maleficents ein und präsentieren eine versteckt lebende Gesellschaft von verbitterten Feen, in der eine hohe ethnische Diversität vorherrscht. Gute Ideen wie diese werden jedoch nur halbherzig weitergedacht und fügen sich zu einem etwas beliebigen, die Figuren häufig aus dem Blick verlierenden Flickenteppich zusammen. Gerade in der zweiten Hälfte machen sich die Schwächen in der Handlungsgestaltung und der Charakterzeichnung deutlich bemerkbar. Ingriths teuflischer Plan fußt auf erstaunlichen Zufällen. Wichtige Erkenntnisse werden auf eher plumpe Weise gewonnen. Und Aurora, die lange Zeit nicht viel mehr als große Augen machen darf, gewinnt trotz einiger aktiver Momente nicht an Format. Höhepunkt des Kuddelmuddels ist sicherlich die unvermeidliche finale Schlacht, bei der Spektakel und Überwältigung wichtiger sind als die emotionalen Komponenten. Die optische Verspieltheit und die zentrale Message mögen löblich sein. Das Sequel, das noch ein Stück düsterer daherkommt als Teil eins, schafft es allerdings nur bedingt, seine Existenz mit handfesten inhaltlichen Argumenten zu rechtfertigen.

Maleficent: Mächte der Finsternis (2019)

Im Nachfolger von „Maleficent“, der einige Jahre später spielt, geht es Prinzessin Aurora, die kurz vor ihrer Krönung zur Königin steht. Doch das Märchenreich, über das sie herrscht, steht unter großer Bedrohung — um diese abzuwehren, muss sie Allianzen eingehen, um dem Bösen zu trotzen.

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