Love Life - Liebe trifft Leben

Love Life - Liebe trifft Leben

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Eine Krankheitsgeschichte im Feel-Good-Format

Wenn wir Carmen (Carice von Houten) das erste Mal auf der Leinwand sehen, ist sie eine selbstbewusste, elegante Business-Frau, die auf hohen Absätzen durch eine Amsterdamer Werbeagentur stöckelt. Dort lernt sie den Werber Stijn (Barry Atsma) kennen. Beide verlieben sich auf den ersten Blick. Wenn wir Carmen am Ende des Films verabschieden, ist sie ein mageres, blasses Häufchen Elend, bereit, vom Leben Abschied zu nehmen. Dazwischen liegen 110 Filmminuten Liebe, Leid, Eifersucht, Sex und die bittere Diagnose Brustkrebs. Der Film des niederländischen Regisseurs Reinout Oerlemans basiert auf dem Erfolgsroman Mitten ins Gesicht von Kluun. Erzählt wird eine wahre Begebenheit.
Es könnte jede Frau treffen. Brustkrebs ist mit etwa 58.000 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Carmen ist eine von ihnen. Eine, die gerade mitten im Leben steht, beruflich erfolgreich, frisch verliebt, verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter namens Luna (Yfke Wegman) ist. Das Leben könnte perfekt sein, mal abgesehen von Stijns Seitensprüngen, die Carmen stillschweigend hinnimmt. Die Diagnose Brutkrebs wirft das junge, vermeintlich glückliche Pärchen ordentlich aus der Bahn. Ein düsteres Kapitel beginnt. Die Krankheit wird in all ihren Phasen von der Chemotherapie über die ständige Übelkeit bis hin zur Bestrahlung durchdekliniert.

Doch es ist nicht so, dass Stijn sich aufopfernd, um seine Frau kümmert. Er hat dieses „verkrebste Leben“ ab einem bestimmten Punkt richtig satt. Während seine Frau zu Hause über dem Klo hängt und sein Kind vor Angst und Verzweiflung schreit, geht er lieber auf Partys und verbringt die Nächte mit seiner Geliebten Roos (Anna Drijver). Stijn ist ein Typ, der das Leben in vollen Zügen auf seine Art genießt. Er ist ein Typ, der möchte, dass seine Werbekunden ein Fanfoto von ihm an der Wand hängen haben. So definierte ihn jedenfalls Carmen als sie ihn in der Agentur kennen lernte. Carmen ist eine starke Frau, kämpft gegen den Krebs, den sie besiegt zu haben scheint. Doch die Krankheit zehrt nicht nur an Carmens Körper, auch in der Beziehung zu Stijn deuten sich feine Bruchlinien an. Je weiter die Krankheit voran schreitet, desto stärker werden die Risse.

Reinout Oerleman hat ein starkes Thema für seinen Debütfilm Love Life — Liebe trifft Leben gewählt. Ein Thema, dass uns alle betrifft. Doch warum traut Oerleman seinen Figuren und ihren Dialogen nicht so recht über den Weg? Warum wird über fast jede Szene ein Musikteppich gelegt, der Gefühle in uns Zuschauern auslösen soll, die ohnehin längst da sind? Es hätte auch genügt, in der Szene, in der Carmen und Stijn von dem Arzt die Diagnose erfahren, allein mit Worten und Gesten alles auszusagen. Oerleman verpackt die gesamte Krankheitsgeschichte in erlesene Bilder und in ein Feel-Good-Movie-Format, was dieser Film natürlich schon vom Thema her nie sein kann.

Carmens Figur ist leider sehr eindimensional angelegt. Warum verbringt sie so wenig Zeit mit ihrer Tochter? Wo sind ihre Mutter, ihre Freunde, die ihr in dieser schwere Zeit Beistand leisten? Es ist immer nur ihr Mann Stijn da, der ein verrücktes Parallelleben führt, damit er einerseits den Bedürfnissen seiner Frau und anderseits seinen hedonistischen, sexuellen Begierden nachkommt. Selbst als seiner Frau die Brust amputiert wird, vögelt er noch mit einer anderen. Wer ist hier kränker? Hat Stijn überhaupt so etwas wie ein Gewissen?

Love Life ist ein sehr zwiespältiger Film. Er kultiviert das Lebensmotto „Carpe diem“, diesen Daueroptimismus von Stijn und behandelt gleichzeitig ein sehr schweres Thema, die Krankheit von Carmen und die damit verbundene Todesangst. Liebe trifft Leben heißt der Untertitel des Films, aber lieben sich die beiden wirklich? Was verbindet sie? Auch wenn man immer mal wieder das Gefühl hat, dass der Film dem Thema nicht in jeder Minute gerecht wird: Zum Nachdenken über wahre Liebe und über den Zusammenhalt in einer Beziehung „in guten wie in schlechten Tagen regt Love Life — Liebe trifft Leben auf jeden Fall an.

Love Life - Liebe trifft Leben

Wenn wir Carmen (Carice von Houten) das erste Mal auf der Leinwand sehen, ist sie eine selbstbewusste, elegante Business-Frau, die auf hohen Absätzen durch eine Amsterdamer Werbeagentur stöckelt. Dort lernt sie den Werber Stijn (Barry Atsma) kennen. Beide verlieben sich auf den ersten Blick. Wenn wir Carmen am Ende des Films verabschieden, ist sie ein mageres, blasses Häufchen Elend, bereit, vom Leben Abschied zu nehmen. Dazwischen liegen 110 Filmminuten Liebe, Leid, Eifersucht, Sex und die bittere Diagnose Brustkrebs.
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Meinungen
Tobi · 16.12.2011

Die Kritik hier ist meiner Meinung nach überzogen. Der Film zeigt sehr eindrucksvoll, was eine Krebserkrankung in einer Beziehung auslösen kann...

Antje K. · 16.10.2011

Der Roman ist wesentlich authentischer und kraftvoller.

Kommentare

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