Lola gegen den Rest der Welt

Lola gegen den Rest der Welt

Eine Filmkritik von Silvia Bahl

Mittzwanziger am Rande des Nervenzusammenbruchs

Prädikate wie "von den Produzenten von (500) Days of Summer" wirken mittlerweile etwas überstrapaziert. Lola gegen den Rest der Welt wäre gern ein richtig origineller American Independent-Film, hält dieses Versprechen trotz guter Besetzung allerdings nicht durchgängig ein und dümpelt schließlich eher konventionell in den Gewässern seichter romantischer Komödien, die keinem weh tun.
Die Ausgangssituation ist kein filmisches Neuland: Die lebenslustige Lola (Greta Gerwig) lebt ein schickes Studentenleben in der Metropole New York, zusammen mit ihrem attraktiven Freund Luke (Joel Kinnaman). Die Verlobung scheint alles perfekt zu machen und die junge Frau setzt all ihre Energie in die Hochzeitsvorbereitungen, schließlich soll alles so perfekt wie möglich sein. Doch der Auserwählte lässt sie kurz vor dem Event aus unbestimmten Gründen sitzen.

Irgendwie erscheint alles plötzlich zu eng und er wisse gar nicht, ob er diese Beziehung überhaupt noch wollte. Natürlich bricht für Lola die ganze Welt zusammen. Gerade 29 geworden, gerät sie weit über den gewöhnlichen Liebeskummer hinaus in eine existenzielle Krise, in der sie sich fragen muss, was ihr im Leben überhaupt noch wichtig ist.

Ihre Promotion kommt eher schleppend voran und ihre beiden Hippie-Eltern sind keine große Hilfe in Beziehungsfragen. So lässt sich Lola in jeder Hinsicht gehen; mit Fressanfällen, Alkoholexzessen und jeder Menge skurriler One-Night-Stands. Unterstützt wird sie darin von ihrer besten Freundin Alice (Zoe Lister Jones), die stets einen versauten Spruch für jede Lebenslage parat hat und dem sensiblen Henry (Hamish Linklater), der bis dato in der „Gute-Freunde-Ecke“ auf dem Abstellgleis geparkt war. Dummerweise ist er auch der beste Freund des Ex, was alle Beteiligten in eine zunehmend heikle Lage bringt.

Regisseur Daryl Wein und Protagonistin Zoe Lister Jones, die das Drehbuch mitschrieb, verbindet selbst eine recht schräge Paargeschichte: Nachdem sie sich auf der New Yorker Tisch School of the Arts kennen lernten und ihre Beziehung langsam in die Brüche ging, entschieden sie sich zwar zusammen zu bleiben, aber gleichzeitig andere Leute zu daten. Dies wiederum inspirierte sie dann dazu, gemeinsam Drehbücher aus ihrem romantischen Desaster zu produzieren. Nach Breaking Upwards ist Lola gegen den Rest der Welt das zweite Ergebnis dieser konstruktiven Krise.

Gelungen besetzt mit Greta Gerwig, die man schon in Indie-Hits wie Greenberg, Whit Stillmans Damsels in Distress sowie dem neuen Woody Allen bewundern dürfte und als sympathischen Gegenpart mit dem melancholischen Hamish Linklater aus Miranda Julys The Future funktioniert zumindest auf der Figurenebene der Film recht gut. Allerdings kommt auf der Dialogebene kaum Witz und Esprit zur Geltung; der Humor wirkt bemüht und die Handlung ist nun auch nicht gerade überraschend.

Lola gegen den Rest der Welt lässt die visuelle Originalität eines (500) Days of Summer sowie die pointierten Dialoge von Celeste and Jesse Forever vermissen und so bleibt eine mehr oder weniger unterhaltsame Komödie übrig, die sich wohl eher an ein weibliches Publikum richtet.

Dennoch zeigt er in einigen Szenen durchaus Potential zum Generationenporträt. Wenn Lola zum Beispiel beim Therapeuten auf der Suche nach Tiefenentspannung zwanghaft WhatsApp abrufen muss. Oder ihrem Exfreund aufgeht, dass die Suche nach dem optimalsten Leben vielleicht nur dazu führt, dass man nirgendwo ankommt. Oder Lolas finales Dissertationsthema, das sich nicht zufällig mit der Kraft des Schweigens und der Stille auseinandersetzt, die sie nicht ertragen kann, weil sie dann nichts mehr hat, womit sie sich von sich selbst ablenken kann. Solche Momente machen Lola gegen den Rest der Welt dann doch zu einem sehenswerten Film für alle die sich von solchen Problematiken angesprochen fühlen.

Lola gegen den Rest der Welt

Prädikate wie "von den Produzenten von "(500) Days of Summer" wirken mittlerweile etwas überstrapaziert. "Lola gegen den Rest der Welt" wäre gern ein richtig origineller American Independent-Film, hält dieses Versprechen trotz guter Besetzung allerdings nicht durchgängig ein und dümpelt schließlich eher konventionell in den Gewässern seichter romantischer Komödien, die keinem weh tun.
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