Golden Door

Golden Door

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Aufbruch ins Paradies

A-M-E-R-I-K-A! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat dieses Land einen ganz besonderen Klang: Es ist das gelobte Land, das Paradies, das Land, in dem Milch und Honig fließen. Vor allem in den armen Gegenden Europas wie etwa in Sizilien fallen die märchenhaften Erzählungen von Kartoffeln so groß wie Kutschen, von Karotten so lang wie Kanus und von Bäumen, auf denen Goldmünzen wachsen, auf fruchtbaren Boden. Was wäre, wenn all diese Berichte, so phantastisch sie auch anmuten, wahr wären?
Angelockt von den betörenden Berichten aus dem fernen Land jenseits des Atlantischen Ozeans beschließt auch der verwitwete Salvatore Mancuso (Vincenzo Amato), den Schritt zu wagen und mitsamt seiner Familie sein Glück in Amerika zu versuchen. Gemeinsam mit seinen beiden Söhne Angelo (Francesco Casisa) und Pietro (Filippo Pucillo) sowie seiner Mutter Donna Fortunata (Aurora Quattrocchi) werden alle spärlichen Besitztümer der Familie versilbert, um die teure Reise zu finanzieren. Doch die Auswanderung bedeutet nicht nur, Abschied von materiellen Dingen zu nehmen – den Mancusos bleibt kaum mehr als ein wenig feine Kleidung, denn sie wollen in der neuen Heimat wie Prinzen gekleidet ankommen – sie müssen sich vor allem von ihren bisherigen Lebensgewohnheiten verabschieden. Und es zeigt sich schnell, dass die Reise auf dem engen Unterdeck eines gewaltigen Passagierschiffes wenig mit den kindlichen Träumereien von einem sorgenfreien Leben im Schlaraffenland zu tun hat – daran ändert auch die Begegnung mit der geheimnisvollen, so gar nicht in diese Umgebung passenden Engländerin Lucy (Charlotte Gainsbourg) nichts, in die sich Salvatore verliebt. Und als die Auswanderer schließlich auf Ellis Island ankommen, stehen ihnen die harten und befremdlichen Prozeduren bevor, ohne die niemand in Amerika heimisch werden darf…

Der junge italienische Regisseur Emanuele Crialese hat sich mit nur zwei Spielfilmen vor Golden Door / Nuovomondo bereits einen festen Platz in seiner Heimat gesichert. Once we were strangers, 1997 entstanden, und Lampedusa / Respiro aus dem Jahre 2002 sorgten auf internationalen Festivals wie dem New York Filmfestival und der Semaine de la Critique in Cannes für Aufsehen. Auch mit seinem nunmehr dritten Langfilm Golden Door / Nuovomondo konnte der 1965 in Sizilien geborene Regisseur bereits international punkten, die bildgewaltige Parabel um Abschied von der Heimat und dem Aufbruch in eine neue Welt erhielt im Jahre 2006 den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig und war für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie \"Beste Regie\" nominiert.

Der Film gliedert sich inhaltlich in drei Teile: Wunderschön anzuschauen sind vor allem jene Sequenzen, wenn Crialese dem kindlich-naiven Glauben der Sizilianer folgt und in märchenhaften Bildern gigantische Karotten, riesige Äpfel und Seen aus Milch zeigt, von denen die bitterarmen Mancusos träumen. Im jähen Kontrast dazu stehen die Bilder aus dem zweiten Teil, der die Überfahrt auf dem mit Menschen voll gestopften Unterdeck des Schiffes zeigt. Doch es wird noch schlimmer kommen, denn mit der Ankunft in den USA beginnt eine entwürdigende Prozedur mit medizinischen Untersuchungen über den Gesundheitszustand und die Intelligenz der Neuankömmlinge, die zynisch und menschenverachtend Familien auseinander reißt und all die Siechen, die Dummen und die sonst wie Gehandicapten wieder nach Hause schickt. Die Inschrift am Fuße der Freiheitsstatue, die den Gründungsmythos der USA in Worte gefasst hat, sie ist in diesem bewegenden Film nichts mehr als eine Farce: \"Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren, den elenden Unrat eurer gedrängten Küsten; Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen, hoch halt\' ich mein Licht am gold\'nen Tore!\"

Das goldene Tor aber, so lernen wir aus diesem Film, stand keineswegs für jedermann offen, sondern war für viele ein Nadelöhr, durch das es für sie kein Durchkommen gab. Dass der Film trotz dieses ernsten Hintergrundes die Lust am Träumen, Fabulieren und an großartig anzuschauenden Bildern nicht verliert, das zählt unzweifelhaft zu den kleinen Wundern, die das Kino immer wieder bereithält.

Golden Door

A-M-E-R-I-K-A! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat dieses Land einen ganz besonderen Klang: Es ist das gelobte Land, das Paradies, das Land, in dem Milch und Honig fließen.
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Meinungen
Valentin · 14.01.2008

Hey Sly

der Titelsong heißt "Sinnerman" und ist von Nina Simone.

Sly · 17.06.2007

Wie kann man den herausinden wie der Titelsong heist? Weiss das irgendwer?

Kommentare

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