Georg Baselitz - Der Film

Georg Baselitz - Der Film

Eine Filmkritik von Paul Collmar

Seine Welt steht Kopf

Nach Gerhard Richter Painting von Corinna Belz (2011) folgt nun mit Georg Baselitz von Evelyn Schels ein zweiter, sehr ähnlicher Dokumentarfilm über einen der ganz Großen der deutschen Nachkriegskunst. Auch wenn Baselitz nicht ganz die Rekordwerte von Richter bei internationalen Auktionen erreichen dürfte, in puncto Popularität steht er ihm nur wenig nach. Daran ist vor allem ein Trick schuld, den Baselitz erstmals 1969 ersann und der mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden ist: Seine Bilder stehen seitdem auf dem Kopf, was schon so manchen Techniker bei Ausstellungen in einige Verlegenheiten gebracht hat.
Im Januar dieses Jahres wurde Georg Baselitz, der als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz in der Oberlausitz geboren wurde, 75 Jahre alt. Insofern ist der Film durchaus als Huldigung anlässlich eines Jubiläums zu verstehen. Umso irritierender sind angesichts des Alters von Baselitz vor allem jene Szenen, in denen man sieht, mit welch ungeheurer Energie der Maler und Bildhauer auch heute noch zu Werke geht, wie er die Leinwände im Stil eines Action Painters bearbeitet, wie er gewaltigen Holzskulpturen wie ein Berserker mit der Motorsäge zuleibe rückt. Die urwüchsige Kraft, die Baselitz beim Arbeiten ausstrahlt, mag gar nicht so recht zu seiner Scheu gegenüber der Öffentlichkeit passen – und doch bildet sie eine Seite der zahlreichen schillernden Facetten in der Persönlichkeit des Künstlers, den die Filmemacherin seit vielen Jahren kennt.

Aufmerksam wurde Evelyn Schels auf den Künstler bei einer Ausstellung von dessen Werken im Musée d'art moderne de la Ville de Paris in den Achtzigern – da hatte der bereits seinen internationalen Durchbruch gefeiert. Seitdem hatte sie sich immer wieder bemüht, mit Baselitz in Kontakt zu kommen, doch erst 2003, also vor zehn Jahren gelang der Durchbruch – was wieder einmal zeigt, mit welch enormen Mühen und mit wie viel Geduld Filme wie dieser verbunden sind. Gottlob aber ist von dieser Vorgeschichte und von der langen Zeit des Wartens in dem Film selbst nichts zu spüren, was durchaus auch daran liegen könnte, dass Schels bereits 2004 ein Fernsehporträt von Baselitz drehte, so dass der Maler bereits an die Anwesenheit der Regisseurin und der Kamera gewöhnt sein dürfte.

Neben den Besuchen im Atelier konzentriert sich Evelyn Schels in ihrem Porträt vor allem auf die Gespräche mit Georg Baselitz am Ammersee und in Imperia, außerdem begleitet sie ihn bei den Vorbereitungen zu Ausstellungen und bei den Eröffnungsveranstaltungen seiner Schauen. Ergänzt werden die Gespräche und Beobachtungen durch Archivmaterial und Fotos aus dem Familienalbum, die die biographischen Hintergründe des Malers und Bildhauers, der in der DDR als Sohn eines Nazis aufwächst, beleuchten: Es folgt der Ausbruch aus der ländlichen Enge und das Studium in Ost-Berlin, dann schon bald der Bruch mit der DDR, in der er überall aneckt und die er 1957 nach seinem Rauswurf aus der Kunstakademie verließ. Im Westen lernte er seine Frau Elke kennen, die 24 Stunden am Tag immer an seiner Seite ist – und das seit mehr als 50 Jahren.

Eingebettet ist das Ganze, das auf angenehme Weise eine gute Balance zwischen intimen Momenten und gut aufgearbeiteter Information hält, in eine aus dem Fernsehen wohl vertraute Dramaturgie, die sich nach der Aufarbeitung der biographischen Rahmendaten behutsam und voller Respekt an der Künstler annähert. Vielleicht liegt es ja an der Vorgeschichte, am langwierigen Prozess der Annäherung an den Künstler und an der unzweifelhaften Bewunderung der Regisseurin für Baselitz, dass man sich an manchen Stellen des Filmes wünschen würde, dass Brüchen weiter nachgespürt würde.

Evelyn Schels, die bereits Fernsehdokumentationen über Persönlichkeiten wie Per Kirkeby (2008), Amedeo Modigliani (2009) und Henri Matisse (2005) realisiert hat, gewährt in ihrem Film einen überaus interessanten Einblick in das Leben und das Werk eines absoluten Ausnahmekünstlers. Für Fans von Baselitz, aber auch für jeden Kinogänger, der sich für zeitgenössische Kunst interessiert, ist der Film ein absolutes Muss.

Georg Baselitz - Der Film

Nach "Gerhard Richter Painting" von Corinna Belz (2011) folgt nun mit "Georg Baselitz" von Evelyn Schels ein zweiter, sehr ähnlicher Dokumentarfilm über einen der ganz Großen der deutschen Nachkriegskunst. Auch wenn Baselitz nicht ganz die Rekordwerte von Richter bei internationalen Auktionen erreichen dürfte, in puncto Popularität steht er ihm nur wenig nach. Daran ist vor allem ein Trick schuld, den Baselitz erstmals 1969 ersann und der mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden ist: Seine Bilder stehen seitdem auf dem Kopf, was schon so manchen Techniker bei Ausstellungen in einige Verlegenheiten gebracht hat.
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Meinungen
Jeffrey · 18.09.2014

Ich möchte diesen Film zu kaufen, sondern müssen zuerst wissen, ob es tatsächlich englischen Untertiteln zu. Ich kaufte eine auf Helnwein, der sagte, es tat, aber es kam nicht, und ich kann die Sprache nicht verstehen. Schließlich werde ich auf das Erlernen der Sprache zu bekommen, aber jetzt muss ich Untertiteln.

Kommentare

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