Draft Day

Draft Day

Eine Filmkritik von Martin Beck

Geldpille

Blickt man zurück auf Kevin Costners Karriere, macht seine Mitwirkung bei Draft Day absolut Sinn. Annies Männer, Feld der Träume, Tin Cup – alles (zumindest in Amerika) erfolgreiche Filme mit Sportbezug, die nun einen ersten Flop in ihrer Ecke begrüßen müssen. Draft Day hielt sich gerade mal zwei Wochen in den Box-Office-Top-10 und kommt bei uns überhaupt nicht ins Kino – was zum einen dem miserablen US-Lauf geschuldet ist und zum anderen der hier thematisierten Sportart: American Football.
Um die es zwar wie bei so vielen Sportfilmen gar nicht primär geht, doch was soll’s, einen Hau hat das Werk aus dem Stand weg. Dass die Hauptfigur, Sonny Weaver (Kevin Costner), dann auch noch Manager der Cleveland Browns ist und somit vor allem die wirtschaftlichen Rädchen hinter dem Spielfeld im Mittelpunkt stehen, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Am „Draft Day“ werden College-Talente von der National Football League angeworben… und Weaver steht unter Druck, trotz hinterem Tabellenplatz noch gute Leute zu ergattern.

Es geht also um Verhandlungen, Fachtermini und teure Anzüge – was eine grundsätzliche Faszination für die Sportart bedingt, die hierzulande aber weitgehend fehlt. Da das Regisseur Ivan Reitman, der vor vielen Jahren mal Garant für dicke Hits war, anscheinend gemerkt hat, bekommt der Film zusätzlich noch etliche Subplots, die das Geschehen auf jeden Fall zugänglicher, aber auch unübersichtlicher machen. Draft Day fühlt sich beizeiten an wie eine durchschnittliche Grey’s Anatomy-Folge, bei der alle Personen unmöglich miteinander verbandelt sind und mit ihren Problemen kreisrundes Domino spielen.

Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass Weavers Vater Coach der Cleveland Browns war und eine der ersten Aufgaben des Sohns darin bestand, ihn zu feuern. Nun liegt Papa auf dem Sterbebett und Mama bricht einen riesigen Streit vom Zaun. Weavers Freundin unterdessen, gespielt von Jennifer Garner, ist die Controllerin des Vereins und schwanger. Mit dem neuen Coach (Denis Leary) gibt es nur Zoff. Und der Eigentümer der Mannschaft (Frank Langella) macht ordentlich Druck, dass am Draft Day ein mittleres Wunder passiert. Was sogar in greifbare Nähe gerät, aber natürlich auch, wer hätte das gedacht, neue Probleme nach sich zieht.

Draft Day macht einen unglaublich konstruierten Eindruck, der zum Glück etwas dadurch entschärft wird, dass es der Film locker und verspielt angehen lässt. Ähnlich Moneyball steht auch hier die Formung eines Teams im Mittelpunkt, und unähnlich Moneyball (oder speziell Brad Pitt) geht es bei Costners Figur vorwiegend um Emotionen. Was gut ist, weil der Zugang so erleichtert wird und auf jeden Fall mehr Sportfremde anspricht als Flipcharts und Zahlen. Der alte Haudegen Sonny Weaver, der zuerst seiner Nase und dann allem anderen traut, verkörpert ein kumpelhaftes Klischee, das Ivan Reitman mit klassischem Spannungsaufbau und unverhohlener „früher war alles besser“-Mentalität gerne noch weiter unterstützt.

Dass Draft Day gerade in Amerika so durchgefallen ist, dürfte vor allem der formelhaften Oldschooligkeit geschuldet sein. Gewisse Unterhaltungsqualitäten mag man dem Film gar nicht absprechen, aber für Leute, die mit American Football so gar nichts anfangen können, bleibt trotzdem ein plätscherndes, am besten auf Langstreckenflügen zum Einsatz kommendes Einerlei. Wieso kam eigentlich bisher noch niemand auf die Idee, mal ein hinter-den-Kulissen-Drama über die Fußball-Bundesliga zu drehen?

Draft Day

Blickt man zurück auf Kevin Costners Karriere, macht seine Mitwirkung bei „Draft Day“ absolut Sinn. „Annies Männer“, „Feld der Träume“, „Tin Cup“ – alles (zumindest in Amerika) erfolgreiche Filme mit Sportbezug, die nun einen ersten Flop in ihrer Ecke begrüßen müssen.
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