Die Regenschirme von Cherbourg

Die Regenschirme von Cherbourg

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Singin’ in the Rain

Strahlend bunte Farben, romantisch-fröhlicher Sprechgesang und ein blutjunges, rührend verliebtes Pärchen bilden den Auftakt des stilisierten Szenarios von Die Regenschirme von Cherbourg, dem seinerzeit überaus erfolgreichen Musical-Film des französischen Filmemachers Jacques Demy aus dem Jahre 1964. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme, dem OCIC-Preis und mit dem Großen Preis der Technik ausgezeichnet sowie fünffach für den Oscar nominiert bewies dieses ungewöhnliche musikalische Märchen, das es ein im Grunde klassischer Stoff innerhalb einer derart künstlerischen Inszenierung durchaus vermag, Kritiker wie Publikum gleichermaßen zu begeistern.

Die äußerst aparte, lebenslustige Geneviève Emery (Catherine Deneuve) lebt mit ihrer verwitweten Mutter (Anne Vernon) in Cherbourg, wo die beiden Frauen ein uriges kleines Geschäft für Regenschirme betreiben. Heimlich trifft sich die 17jährige Geneviève mit dem smarten Automechaniker Guy (Nino Castelnuovo), und zwischen den beiden hat bereits die ebenso zarte wie heftige Flamme einer romantischen Jugendliebe gezündet. Als Geneviève ihrer Mutter zögerlich offenbart, dass sie Guy liebt und zu heiraten beabsichtigt, tut Madame Emery dies als naive Schwärmerei ab, zumal der junge Mann erst noch seinen Militärdienst ableisten muss, der ihn in die Kriegswirren von Algerien führen wird.

Durch einen finanziellen Engpass bedrängt suchen Geneviève und ihre Mutter einen Juwelier auf, um schweren Herzens ein Perlencollier zu verkaufen. Dort machen die attraktiven Damen die Bekanntschaft des wohlhabenden Roland Cassard (Marc Michel), der sich anbietet, das Schmuckstück zu erwerben. Wie sich später herausstellt, hat er mehr als ein Auge auf die entzückende Geneviève geworfen, was eher die Mutter als die Tochter begrüßt, deren Herz ganz ihrem Guy gehört. Bevor dieser schließlich zum Kriegsdienst eingezogen wird und Cherbourg verlässt, erlebt das Pärchen eine innige Liebesnacht zusammen, die allerdings nicht ohne weitreichende Folgen bleiben wird...

Mit ungeheurem Liebreiz tritt die junge Catherine Deneuve als naive Geneviève in diesem letztlich bitter-süßen Drama auf, was den Beginn der internationalen, immens erfolgreichen Karriere dieser großartigen französischen Schauspielerin markierte, die 2005 in Cannes die Ehrenplame für ihr Lebenswerk erhielt. Die Dokumentation Die Welt ist ein Chanson – Das Universum des Jacques Demy / L’univers de Jacques Demy von 1995 unter der Regie der Grande Dame der Nouvelle Vague Agnès Varda, die beinahe dreißig Jahre mit Jacques Demy verheiratet war, ist als Extra-DVD in der Arthaus Premium Edition von Die Regenschirme von Cherbourg enthalten. Hier kommen neben Catherine Deneuve zahlreiche weitere Weggefährten des 1990 verstorbenen Regisseurs zu Wort, dessen eigenwilliger Stil und ebensolche Persönlichkeit im Rahmen dieses anregenden filmischen Denkmals erörtert werden. In diesem Zuge wird ein kurioses Kapitel der französischen Filmgeschichte präsentiert, das auch die Filigranitäten seines Schaffens auf spannende Weise beleuchtet – eine gelungene Ergänzung zur blumig-bunten Inszenierung der nur scheinbar heilen Welt des Musicals, das letztlich zu einem tragischen Drama mit einem versöhnlichen, nivellierten Ende gerät. Diese abschließende, sanfte Melancholie ist es, die die anfängliche Unbeschwertheit der Geschichte mit ihrem harmonisierenden Sprechgesang auf eindrucksvolle Art relativiert und damit eine bewegende, schleichende Nachdenklichkeit produziert, die diesem in seiner Form sicherlich nur vordergründig leicht zu konsumierenden Film seine Qualität verleiht.
 

Die Regenschirme von Cherbourg

Strahlend bunte Farben, romantisch-fröhlicher Sprechgesang und ein blutjunges, rührend verliebtes Pärchen bilden den Auftakt des stilisierten Szenarios von "Die Regenschirme von Cherbourg", dem seinerzeit überaus erfolgreichen Musical-Film des französischen Filmemachers Jacques Demy aus dem Jahre 1964.

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