Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse (2018)

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Parodistische Neusynchronisationen haben eine lange Tradition – von Woody Allens „What's Up, Tiger Lily?“ (1966) bis zu „Lord of the Weed“ (2003). Nun hat sich Dominik Kuhn alias Dodokay Fritz Langs letztem Thriller vorgeknöpft und daraus die Komödie „Die 1000 Glotzböbbel des Dr. Mabuse“ gestrickt.

Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse (2018)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Schwäbischer Erfindergeist

Der Superverbrecher Dr. Mabuse ließ Fritz Lang nicht los. Zurück aus dem Exil widmete sich der deutsche Jahrhundertregisseur nach 1922 und 1933 in seinem letzten Spielfilm ein weiteres Mal Norbert Jacques' literarischer Vorlage.  „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ feierte 1960 im Stuttgarter Gloria Palast seine Uraufführung. Wenn er nun einen schwäbischen Remix erhält, schließt sich ein Kreis.

Mancher Filmverrückte dürfte Neuinterpret Dominik Kuhn Blasphemie vorwerfen. Doch zum einen sollte Künstlern nichts heilig sein, zum anderen ist Fritz Langs letztes Werk wahrlich keins, vor dem man in Ehrfurcht erstarrt. Ob das, was Kuhn daraus macht, große Kunst ist, steht freilich auf einem anderen Blatt. 

 

Seinen Fans ist der gebürtige Reutlinger besser als Dodokay bekannt. Unter seinem Pseudonym brachte er der Internetgemeinde ab Mitte der 00er-Jahre mit witzigen Neusynchronisationen die Welt auf Schwäbisch näher. Mal regt sich Kiefer Sutherland als Agent Jack Bauer in der Serie 24 über einen nicht heruntergeklappten Klodeckel auf, mal erklärt Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache schwäbische Vokabeln, dann wieder diskutieren Darth Vader & Co. auf dem Todesstern virales Marketing. Letztgenannter Clip brachte Kuhn mehr als 7 Millionen Klicks. Die von ihm gepflegte Mundart ist dank Tourneen und Rundfunksendungen längst ein einträgliches Geschäft. Sein augenzwinkerndes Abarbeiten am schwäbischen Spießbürgertum führt Dodokay nun in Spielfilmlänge fort. Damit das funktioniert, wird die Handlung des Originals von West-Berlin nach Stuttgart und auf die schwäbische Alb verlegt. 

 

Kommissar Krass (Gert Fröbe) ermittelt in einem mysteriösen Mordfall. Wer hat den aus Berlin angereisten Suppenhersteller Hartmut Österle auf dem Gewissen? Die Spur führt zu Sabine Hirrlinger (Dawn Adams), die sich im Hotel „Zum güldenen Grasdackel“ aus Verzweiflung vom Fenstersims stürzen will. Doch auch Millionär Helmut Wurster (Peter van Eyck), der Hirrlinger in letzter Minute rettet, Vertreter Hans-Martin B. Lamparter (Werner Peters) und Hirrlingers Vertrauter Mark Sackerberg (Wolfgang Preiss) scheinen verdächtig. In seiner Not sucht Krass Hilfe beim blinden Hellseher Werner Gekeler (ebenfalls Wolfgang Preiss). Der sieht zwar so einiges voraus, hat aber keinen blassen Schimmer, was das alles mit einem Rezept für Hirnsuppe und der jüngsten schwäbischen Erfindung zu tun hat, die im Keller des Hotels schlummert: das noch unbekannte Internet. 

 

Das klingt verwirrend und wird mit zunehmender Laufzeit immer verworrener, was wiederum nicht nur dem Remix, sondern auch der ausfransenden Handlung der Vorlage geschuldet ist. Von Dennis Le Roses flotter Musik getragen legt Dodokay schwungvoll los. Und wenn in diesen ersten Minuten in den vollgequalmten Konferenzräumen von einer „grausamen Beschdie“ die Rede ist, die im Prenzlauer Berg achtlos Bonbonpapierchen im Treppenhaus wegwirft und den Müllplan durcheinanderbringt, dann hat Dodokay die Lacher auf seiner Seite. Die schwäbische Kleinkariertheit bekommt ebenso deftig ihr Fett weg wie regionale Animositäten. 

 

Einige Ideen sind herrlich abgedreht, etwa die Anfrage schwäbischer Winzer an die Landesregierung, streng geheim ein Gewehr zu entwickeln, um Industriespione aus dem badischen und rheinischen Raum abzuwehren. Der Transfer, die Überwachungsthematik des Originals auf unsere heutige Zeit zu übertragen, gelingt indes nur bedingt. Aus Facebook wird, na klar Fleißbook, Sabine Hirrlinger bestellt sich ihre Schuhe im Netz gleich europalettenweise und Mark Sackerberg will die Welt mit seiner Hirnsuppe überschwemmen.

 

Zu viele Einfälle beschränken sich jedoch auf den Witz, der aus dem Dialekt selbst erwächst und aus der Tatsache, dass Dominik Kuhn wie gewohnt alle Rollen selbst spricht. Dann ist von „Kabbastrigga“ (Kappenstricker) und „Heggabronzr“ (Heckenpinkler) die Rede und Hirrlinger verstärkt jedes Adjektiv mit dem Adverb „bruddal“ (brutal). In einzelnen Szenen funktioniert das prächtig. Über 90 Minuten zeigt sich allerdings, dass Dodokays Humor eher einer für die Kurzstrecke bleibt. 

Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse (2018)

Komiker Dominik Kuhn alias Dodokay hat den Krimi-Klassiker Die 1000 Augen des Dr. Mabuse von Fritz Lang aus dem Jahre 1960 neu synchronisiert - in einer freien, schwäbischen Variante. So wird aus der Geschichte um die Jagd nach einem kriminellen Genie die Komödie Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse.

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Meinungen
Klasse · 07.09.2018

Uns hot der Film sauguet gfalle und mir hoffed uff meh solcher Film vom Dodokay

Kommentare

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