Der Bodyguard - Sein letzter Auftrag

Der Bodyguard - Sein letzter Auftrag

Eine Filmkritik von Falk Straub

Der Leibwächter und die Lady

Vorsicht Verwechslungsgefahr! Alice Winocours Thriller, in dem ein Leibwächter (Matthias Schoenaerts) seiner Schutzperson (Diane Kruger) nahekommt, hat nicht nur einen einprägsamen Soundtrack, sondern heißt auf Deutsch auch noch Der Bodyguard. Mit Mick Jacksons Krimischnulze Bodyguard (1992), die Kevin Costner und Whitney Houston vor der Kamera vereinte, hat Winocours Film sonst aber nichts zu tun.

Schon die Musik macht den Unterschied. Statt Whitney Houstons Oktaven überspringenden Schmachtfetzen prägen treibende Elektrobeats den Film. Der französische Discjockey Mike Lévy alias Gesaffelstein steuert sie bei und verleiht Alice Winocours Thriller damit vom Start weg eine bedrohliche Atmosphäre. Als die ersten Töne in das Zirpen der Zikaden und das Stampfen der Stiefel einfallen, schließlich ihre Geschwindigkeit erhöhen, ist klar, dass der Protagonist nicht ganz im Takt läuft.

Der Soldat Vincent (Schoenaerts) leidet unter post-traumatischem Stress. Um die Symptome zu hemmen, greift er auch auf Mittel zurück, die ihm kein Arzt verschrieben hat. Vorerst vom Kriegseinsatz befreit, kommt Vincent ein lukrativer Job für den reichen Libanesen Imad Whalid (Percy Kemp) gerade recht. Als dieser auf Geschäftsreise geht, soll Vincent zwei Tage dessen Frau Jessie (Kruger) und ihren Sohn Ali (Zaïd Errougui-Demonsant) beschützen. Im Grunde leicht verdientes Geld, wären nicht finstere Gesellen hinter Dokumenten in Imads südfranzösicher Villa her. Oder sieht Vincent nur Gespenster?

Regisseurin und Autorin Alice Winocour, die gemeinsam mit Deniz Gamze Ergüven das Drehbuch für deren Oscar-nominiertes Drama Mustang schrieb, macht in ihrem zweiten abendfüllenden Spielfilm vieles gut, aber nicht alles richtig. Die Konzentration auf nur wenige Orte und Tage verleiht Der Bodyguard – Sein letzter Auftrag eine klaustrophobische Geschlossenheit. Die Action ist dosiert, handgemacht und realistisch und dadurch weitaus bedrückender als in den meisten Hollywood-Vehikeln. Auch das Spiel mit der Wahrnehmung der Hauptfigur, bei der das Publikum nie zu hundert Prozent sicher ist, ob es den Bildern trauen kann, glückt über weite Strecken. Matthias Schoenaerts (Der Geschmack von Rost und Knochen) liefert hier zwar nicht seine beste, aber ein weiteres Mal eine beeindruckende Leistung ab.

Der Einstieg in den Film verläuft jedoch nur schleppend. Die Exposition, die in erster Linie dazu dient, die richtige Atmosphäre zu schaffen, ist deutlich zu lang geraten. Anstatt an dieser Stelle auch anderen Figuren etwas mehr Raum zu geben, konzentriert sich Winocour lediglich auf Vincent, was gerechtfertigt scheint, da sich der Thriller um ihn dreht. Diane Kruger als Vincents Gegenpol Jessie bleibt so aber bis zum Schluss viel zu blass. Vincents Faszination, ja beinahe Obsession für diese Frau ist jedenfalls nur schwer nachzuvollziehen.

Der Bodyguard, der 2015 in Cannes in der Sektion Un Certain Regard lief, ließ einige Kritiker Parallelen zu Alfred Hitchcock ziehen. Der Vergleich mit dem Master of Suspense hinkt jedoch und würde Alice Winocour nicht gerecht. Ihr Thriller hat weder einen MacGuffin noch wissen die Zuschauer mehr als die Figuren. Auch ist die Regisseurin viel dichter dran, gewährt ihrem Publikum weniger Über- und Durchblick. Für das erfahrene Thrillerpublikum bietet das zwar wenig Überraschung, nervenaufreibend inszeniert ist das aber allemal.
 

Der Bodyguard - Sein letzter Auftrag

Vorsicht Verwechslungsgefahr! Alice Winocours Thriller, in dem ein Leibwächter (Matthias Schoenaerts) seiner Schutzperson (Diane Kruger) nahekommt, hat nicht nur einen einprägsamen Soundtrack, sondern heißt auf Deutsch auch noch „Der Bodyguard“. Mit Mick Jacksons Krimischnulze „Bodyguard“ (1992), die Kevin Costner und Whitney Houston vor der Kamera vereinte, hat Winocours Film sonst aber nichts zu tun.

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