Days and Nights

Days and Nights

Eine Filmkritik von Falk Straub

Langeweile auf dem Land

Familienzusammenkünfte verheißen meist nichts Gutes. Auch in Days and Nights geraten allerlei schräge Vögel aneinander. Bei seinem Regiedebüt ließ sich Christian Camargo von Anton Tschechows Theaterstück Die Möwe inspirieren.
Fans abgründiger TV-Kost werden Christian Camargo aus der Fernsehserie Dexter kennen. In der ersten Staffel spielt Camargo den Kühllaster-Killer, einen Serienmörder, der es auf seinen Bruder Dexter Morgan (Michael C. Hall) abgesehen hat. Auch Days and Nights begibt sich in familiäre Abgründe. Der Film basiert lose auf Anton Tschechows Theaterstück Die Möwe. Aus dem titelgebenden Vogel macht Camargo einen Weißkopfadler, das Wappentier der USA. Die Handlung verlegt er dementsprechend vom Russland des ausklingenden 19. Jahrhunderts ins Neuengland der 1980er Jahre.

Dort besucht die alternde Filmdiva Elizabeth (Allison Janney) mit ihrem neuen Liebhaber, dem Regisseur Paul (Christian Camargo), ihren Bruder Herb (William Hurt) in dessen Landhaus am See. Herb ist schwer krank. Sein Arzt Louis (Jean Reno) weicht ihm nicht von der Seite. Auch Elizabeths Sohn Eric (Ben Whishaw) hat dort seine Zelte aufgeschlagen. Er probt auf dem weitläufigen Anwesen eine Performance mit seiner Muse Eva (Juliet Rylance). Das Ensemble komplett machen der Gutsverwalter Johan (Michael Nyqvist), seine Frau Mary (Cherry Jones), die gemeinsame Tochter Alex (Katie Holmes) und deren Ehemann Stephen (Mark Rylance).

Ein beschauliches Familientreffen sieht anders aus. Und so prallen denn auch schnell die Egoismen aufeinander. Die Langeweile des Landlebens vertreiben sich die Beteiligten mit allerlei Sticheleien, die in eine Katastrophe münden. Kameramann Steve Cosens taucht das Geschehen in ein goldenes Licht. Camargo inszeniert mit viel Stilwillen, stets präzise ausgeleuchtet und mit wohldurchdachtem Bildaufbau.

Unter all den schönen Bildern kommt die Dramaturgie jedoch viel zu kurz. Zu viele Handlungsstränge haben lose Enden, verlieren sich in Symbolik, wo sie besser Klarheit schaffen sollten. Darunter leiden vor allem die Figuren. Statt lebensnah wirken sie hohl. Zu kaum einer bekommt der Zuschauer einen Draht. Die Größe des Ensembles entpuppt sich diesbezüglich als große Schwäche. Jean Reno, Cherry Jones und Katie Holmes verkommen zu reinen Stichwortgebern. Das erweckt den Eindruck, als ob in den knapp eineinhalb Stunden nichts passiere. Obwohl sich Dramatisches abspielt, bleibt das Publikum seltsam ungerührt.

Anton Tschechow verstand sein Theaterstück Die Möwe zeitlebens als Komödie. Rührselige Interpretationen lehnte er ab. Für den Autor entsprang die Komik direkt aus den Figuren, deren gestörtes Verhältnis zur Realität unfreiwillig komisch wirken sollte. Auch Christian Camargo hätte aus Days and Nights gern eine Mischung aus Tragödie und Komödie gemacht. Das merkt man dem Film an. Doch die Verschrobenheit der Charaktere lässt einen eher irritiert denn amüsiert zurück. Stattdessen herrscht auf der Leinwand das, was die Figuren am See unablässig beklagen: Langeweile.

Days and Nights

Familienzusammenkünfte verheißen meist nichts Gutes. Auch in "Days and Nights" geraten allerlei schräge Vögel aneinander. Bei seinem Regiedebüt ließ sich Christian Camargo von Anton Tschechows Theaterstück "Die Möwe" inspirieren.
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