Broadway Therapy

Broadway Therapy

Hollywood-Farce der "guten" alten Schule

Ja ja, früher war alles besser. Das behauptet zumindest Peter Bogdanovich in seinem neuen Film Broadway Therapy, der eigentlich eine klassische Screwball-Komödie sein will, in seinem Kern aber ein trauriges Lamento über vergangene Zeiten ist. So schwärmt seine Hauptfigur, das Starlet Isabelle (Imogen Poots), auch gleich zu Beginn von der Magie des alten Hollywoods: Humphrey Bogart, Fred Astaire, Katharine Hepburn - alle großen alten Legenden werden aufgerufen, genau wie deren legendäre Geschichten, die eben noch "Magie" in sich tragen und nicht schnöde, profane Wahrheit sind.
Man ahnt gleich zu Beginn, dass dieser Film vor allem schwelgen möchte in alten Fantasien. Und so erzählt Isabelle, eigentlich Izzy, von ihrem Leben vor dem Ruhm, als sie noch Muse war. "Muse? Sie meine eine Hure?" unterbricht sie die Reporterin, die schon im Anfangstext – ganz klassisch per Texttafel eigeblendet – als schrecklich zynisch tituliert wird. Eine interessante Art, die einzige Figur, die das magische Filmkonstrukt zu hinterfragen scheint, sofort in eine Ecke zu schieben – die Ecke der "modernen", der zynischen Gesellschaft.

Auf dieser Weise merzt Bogdanovich mit gar großväterlicher Mahnung die Zweifler sofort aus und befiehlt dem Film und dem Zuschauer, es solle gefälligst an das alte, gute Hollywoodkino glauben. Diese mit Verve vorgetragene Aufforderung mutet schon ein wenig seltsam an, kommt sie doch von einem Mann, der seinen Durchbruch mit The Last Picture Show im Bannkreis des New Hollywood gemacht hat, also eben jener Strömung, die den alten magischen Mist der großen Studios nicht mehr ertragen konnte und lieber Realismus und Wahrheit portraitierte.

Doch zurück zur Muse Izzy, die bei einem ihrer Escort-Geschäfte auf Arnold Albertson (Owen Wilson) trifft. Dessen Fetisch ist von ganz besonderer Natur. Er schenkt gern "armen Mädchen" wie Izzy 30.000 Dollar, wenn sie versprechen, aus diesem schrecklichen Job auszusteigen und nur noch mit Männern zu schlafen, mit denen sie schlafen wollen. Dies sagt er wohlgemerkt, nachdem Izzy ihm erläutert hat, dass sie diesen Job ohne Druck von anderen auf ihren eigenen Wunsch ausführt und dabei, wie nur zwei Minuten zuvor ersichtlich, ziemlich viel Spaß hat. Aber der ältere Mann weiß es natürlich besser.

Izzy nimmt das Geld und beginnt eine Schauspielkarriere, die sie direkt am nächsten Tag zum Broadway führt, wo sie, und jetzt wird es ironisch, die Rolle einer Hure spielen soll. Natürlich ist sie brillant. Nur sitzt dort beim Vorsprechen Arnold, der das Theaterstück produziert und die zweite Hauptdarstellerin ist Arnolds Frau Delta (Kathryn Hahn). Und die männliche Hauptrolle spielt Seth (Rhys Ifans), der zufällig gesehen hat, wie Izzy Arnolds Zimmer verließ. Und weil hier noch nicht genug der Farce ist, kommt noch der Regisseur Joshua (Will Forte) ins Spiel, der Izzy bezaubernd findet, aber eigentlich mit Jane (Jennifer Aniston) zusammen ist, die zufällig Izzys Psychotherapeutin ist. Und dann gibt es noch einen verliebten, obsessiven Richter, der einen Privatdetektiv angeheuert hat, der wiederum der Vater von Joshua ist …

Bogdanovich formt seine Broadway Therapy gemäß den alten Spielregeln der Farce, in der die zwischenmenschlichen Verwirrungen immer groteskere Züge annehmen und am Ende doch alles zu einem glücklichen Ende führt. Weil – wir erinnern uns an den Anfang: Die Magie des Kinos. Das Problem ist nur, dass genau diese stets propagierte Magie sich einfach nicht einstellen will. Denn per Definition dieses Genres hängt diese wesentlich vom erfolgreichen Zusammenspiel aus perfektem Timing der Witze und Überraschungen, einem sehr guten Drehbuch und einem harmonischen Funktionieren des Ensembles ab. Nichts davon findet hier allerdings statt.

Einzig Jennifer Aniston – die mit großem Charme ihrer Figur der absolut unempathischen, harten Psychotherapeutin genug Passion einhaucht, dass es Spaß macht, ihr dabei zuzusehen – vermag hier etwas zu retten. Die restlichen Figuren schlafwandeln durch diesen Film, in dem ihnen permanent hochgradig eigenartige Dinge passieren, ohne dass sie auch nur einmal darauf reagieren. Und so plätschert der Film uninspiriert und altbacken vor sich hin und stottert dabei hin und wieder etwas von "Magie" und "Früher" – wie ein alter, tattriger Rentner.

(Festivalkritik Beatrice Behn, Filmfest München 2015)

Broadway Therapy

Ja ja, früher war alles besser. Das behauptet zumindest Peter Bogdanovich in seinem neuen Film "Broadway Therapy", der eigentlich eine klassische Screwball-Komödie sein will, in seinem Kern aber ein trauriges Lamento über vergangene Zeiten ist. So schwärmt seine Hauptfigur, das Starlet Isabelle (Imogen Poots), auch gleich zu Beginn von der Magie des alten Hollywoods: Humphrey Bogart, Fred Astaire, Katharine Hepburn - alle großen alten Legenden werden aufgerufen, genau wie deren legendäre Geschichten, die eben noch "Magie" in sich tragen und nicht schnöde, profane Wahrheit sind.
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