Break My Fall

Break My Fall

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Drei Tage, drei Nächte

Alles beginnt mit diesem vermaledeiten Brief. Liza (Kat Redstone) hält ihn in der Hand, dreht und wendet ihn, schaut immer wieder auf den Absender. Und dabei ist er nicht mal an sie adressiert, sondern an ihre Freundin Sally (Sophie Anderson). Der Absender: Deren Ex Tina aus Berlin. Unruhig und von Eifersucht geplagt wandert Liza umher, schaut sich auf dem Laptop immer wieder die Auftritte an, die die Band von Sally und Tina in jenen zurückliegenden Zeiten hatte, registriert die Blicke, die sie einander zuwerfen und wird immer wütender – bis sie den Computer schließlich zu Boden wirft und dann zur Sicherheit noch aufs Dach verschleppt, wo es in Strömen gießt. Als Sally dann schließlich auftaucht, tut Liza ganz unschuldig, erzählt vom kaputten Laptop und verschweigt (natürlich)ihren eigenen Anteil an der Geschichte.
In Wirklichkeit geht in Break My Fall aber viel mehr kaputt als nur ein tragbarer Computer. Und natürlich ist der Brief aus Berlin auch nur ein Auslöser, der das ohnehin schon fragile Beziehungsgerüst von Liza und Sally zum Einsturz bringt. Kanchi Wichmann erzählt in ihrem Film vom Ende einer Liebe. Drei Tage und Nächte, die typisch sind für das prekäre Leben ihrer Protagonistinnen im Londoner East End und die dennoch in komprimierter Form aufzeigen, wie das ist, wenn etwas endet, das einst hoffnungsvoll begann. Begleitet werden die Beziehungsprobleme von anderen Sorgen und Nöten, die die Situation weiter zuspitzen: Öde Jobs, mit denen man sich mühsam durchs Leben schlägt, während die ersehnte Musikerkarriere vor sich hin dümpelt und lediglich wie ein ferner Traum erscheint, der dazu dient, sich dem wahren Leben nicht stellen zu müssen. Die Drogen, mit denen man sich nachts in Partylaune schießt obwohl es eigentlich nichts zu feiern gibt. Und das sich schleichend einstellende Bewusstsein, dass die Beziehung dem sicheren Ende entgegenstrebt.

Im Prinzip folgt das Auseinanderdriften von Liza und Sally dem altbekannten, destruktiven Muster: Je mehr Liza klammert, desto mehr geht Sally auf Abstand, sucht Zerstreuung bei einem gemeinsamen Freund, dem Stricher Vin, der offensichtlich mehr von ihr will, als nur ein guter Freund zu sein. So steuert das Ganze schließlich auf eine Entscheidung zu, die just an Lizas 25. Geburtstag fällt, der mit einer zünftigen illegalen Houseparty gefeiert wird.

Mit seinem oftmals verschleppten Erzähltempo, einem eher angedeuteten Plot, der seine Geheimnisse nur ganz langsam offenbart, und der stets nahen, manchmal schmerzhaft präsenten 16mm-Kamera wirkt Kanchi Wichmanns Debütfilm Break My Fall auch dank der beiden sehr unprätentiösen Hauptdarstellerinnen oftmals weniger wie ein Spielfilm als vielmehr wie eine Dokumentation alternativer Lebensentwürfe zwischen Aufbegehren und der Sehnsucht nach dem ganz normalen Glück. So viel Authentizität geht schlussendlich leider ein wenig auf Kosten des Spannungsbogens, den man sich dann doch etwas zwingender gewünscht hätte.

Sollte es Kanchi Wichmann in ihrem nächsten Film gelingen, ihre Nähe zu den Figuren mit mehr dramaturgischer Finesse zu kombinieren, könnte dies durchaus den Auftakt zu einer beachtlichen Karriere in der jungen Indie-Filmszene Großbritanniens markieren. Das Gespür für Geschichten jenseits erprobter Mainstream-Formate und -Plots besitzt sie zweifelsohne. Ob sich das zarte Versprechen, dass sie mit Break My Fall macht, erfüllen wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Break My Fall

Alles beginnt mit diesem vermaledeiten Brief. Liza (Kat Redstone) hält ihn in der Hand, dreht und wendet ihn, schaut immer wieder auf den Absender. Und dabei ist er nicht mal an sie adressiert, sondern an ihre Freundin Sally (Sophie Anderson). Der Absender: Deren Ex Tina aus Berlin.
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