Irresistible - Unwiderstehlich (2020)

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Als zynischer Politstratege der Demokraten begibt sich Steve Carell in eine republikanisch dominierte Kleinstadt, deren Einwohner er für seine Partei begeistern will. Liefert Jon Stewart mit seinem zweiten Spielfilm eine scharfsinnige Zustandsbeschreibung der tief gespaltenen USA ab?

Irresistible - Unwiderstehlich (2020)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Gespalten und entfremdet

Der Wahlsieg Donald Trumps am 8. November 2016 ließ viele Menschen, die diesen Ausgang im Rennen um das Präsidentenamt nicht für möglich gehalten hätten, fassungslos zurück. Erschüttert über den Triumph des zündelnden Selbstdarstellers zeigt sich auch Gary Zimmer, der Protagonist von Jon Stewarts Politsatire „Irresistible – Unwiderstehlich“, die die Entfremdung zwischen der Elite Washingtons und der US-amerikanischen Landbevölkerung beschreibt. 

Verzweifelt sucht der von Steve Carell mit viel Verve verkörperte Wahlkampfstratege der Demokraten im Anschluss an die Schlappe nach Mitteln und Wegen, um seine Partei, gerade bei den stärker zu den Republikanern tendierenden Menschen im sogenannten heartland der Vereinigten Staaten, wieder beliebt zu machen. Eine neue Heldenerzählung muss her. Und eben diese bietet sich an, als Zimmer und seine Mitstreiter ein aufsehenerregendes YouTube-Video entdecken. Zu sehen ist darin der Ex-Soldat Jack Hastings (Chris Cooper), der sich während einer Ratssitzung in seinem konservativ geprägten Wohnort Deerlaken in Wisconsin vehement für die Rechte von Migranten einsetzt. 

Sein leidenschaftlicher Auftritt und seine Einstellung passen wunderbar in das demokratische Leitbild. Und so begibt sich Gary kurz darauf in die Provinz, um Hastings von einer Kandidatur für den Posten des Bürgermeisters zu überzeugen. Der schöne Plan hat allerdings seine Tücken. Auch, weil Zimmers skrupellose Erzfeindin Faith Brewster (Rose Byrne) nur wenig später in Deerlaken aufkreuzt und im Bestreben, das republikanische Stadtoberhaupt im Amt zu halten, Garys Kampagne torpediert. 

Jon Stewart (Rosewater), der lange Jahre die satirische Nachrichtensendung The Daily Show moderierte, erzählt in seiner zweiten Regiearbeit eine Geschichte, die mit deutlichen Gegensätzen operiert und aus diesen einen Teil ihres Humors zieht. Auf der einen Seite steht der berechnende, die Landbevölkerung eigentlich mit Herablassung betrachtende Masterplaner Zimmer, der sein Hauptstadtumfeld verlassen muss und sich auf ein Terrain begibt, das ihm alles andere als vertraut ist. Ihm gegenüber positioniert sich der seinen Ruhestand genießende Witwer Jack, der sich auf dem politischen Parkett nicht auskennt und Garys Bürgermeisteravancen zunächst von sich weist. Die etwas unbeholfenen Gehversuche der beiden grundverschiedenen Männer nutzt der Regisseur für kleine Gags, die ein ums andere Mal das Klischee der netten, aber etwas rückständigen Landeier bedienen. Auch wenn es hier und da zu einer ironischen Brechung kommt, fallen die Späße eher schlicht aus.

Thematisch nimmt sich Stewart einiges vor, greift unter anderem den in Washington grassierenden Zynismus, das langsame Sterben ganzer Regionen, die unheilvolle Macht des Geldes im US-Wahlkampf und die gefährliche Rolle einiger Erregungsmedien auf. Immer mal wieder gelingen ihm gewitzte und pointierte Einblicke in die Missstände des politischen Systems. Etwa dann, wenn Garys Kontrahentin Faith in einem Fernsehinterview beweist, wie leicht und wirkungsvoll sich Falschinformationen lancieren lassen. Oder als Zimmer durch eine ungenaue Lageanalyse plötzlich Ärger mit dem örtlichen Nonnenkloster bekommt. Gerade dieser Fehler, der nur deshalb geschieht, weil Garys Analystin zu sehr den nackten Daten vertraut, unterstreicht, wie wenig sich die Politprofis konkret mit den in Deerlaken lebenden Menschen befassen. 

Die vielen unterschiedlichen Aspekte, die Irresistible – Unwiderstehlich anreißt, fügen sich allerdings nicht zu einer durchgehend scharfsinnigen und beißenden Satire zusammen, wie sie etwa Adam McKay mit dem Dick-Cheney-Biopic Vice – Der zweite Mann (das Steve Carell als Donald Rumsfeld zeigt) im Jahr 2018 gelang. Störender als die auf Dauer anstrengenden, oft sexuell anzüglichen Wortduelle zwischen Gary und seiner Widersacherin Faith ist die Unentschlossenheit, mit der Stewart den Figuren aus der Provinz begegnet. Das Interesse für ihre Sorgen und Nöte blitzt mehrfach auf. Unverständlicherweise erhält dann aber keine der Personen aus dem fiktiven Städtchen Deerlaken größeren Entfaltungsraum. Wie diese Leute sich fühlen und was sie bewegt, wird zumeist nur oberflächlich abgebildet. Ins Auge springen die Versäumnisse des Drehbuchs spätestens im 180-Grad-Twist des letzten Aktes, den man eleganter auf den Weg hätte bringen müssen. So plötzlich, wie die Wendung über das Publikum hereinbricht, hinterlässt sie einen eher schalen Nachgeschmack.

Irresistible - Unwiderstehlich (2020)

Ein aalglatter Stratege der Demokraten will einem Veteranen im Ruhestand bei den Bürgermeisterwahlen in einer  reaktionären Kleinstadt in Wisconsin helfen — und dabei geht es um einiges.

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