Ip Man 4: The Finale (2019)

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Ein viertes und letztes Mal lässt Donnie Yen als Ip Man die Fäuste fliegen. Unnötige Fortsetzung oder würdiges Finale?

Ip Man 4: The Finale (2019)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Politischer Tiefschlag

Wer sich für Martial-Arts-Filme interessiert, kommt um den posthum zum Großmeister des Wing Chun geehrten Ip Man (1893-1972) nicht herum. Und wem dessen Lebensgeschichte in Kar-Wai Wongs „The Grandmaster“ (2013) zu überzeichnet und abgehoben vorkommt, der ist bei Wilson Yips geerdeter, schlicht nach dem Lehrmeister betitelter Reihe genau richtig. Eigentlich sind ja aller guten Dinge drei. Der vierte und finale Teil macht nun zwar einiges besser als der dritte, legt aber auch die von Anfang an angelegten Schwächen der Reihe schonungslos offen.

Ein (vorerst) letztes Mal schlüpft Donnie Yen in seine Paraderolle. Und wer auch nur einen der Vorgängerfilme gesehen hat, kennt das Handlungsmuster. Der Ort mag neu sein, das Spiel ist alt: Erst muss sich der Meister mit anderen Meistern messen, dann jemandem aus der Bredouille helfen, was zu neuen Einzelkämpfen bis zum finalen Aufeinandertreffen führt. Wie in einem Videospiel arbeitet sich Ip dabei in der Hierarchie ungewollt nach oben, von Yen mit gewohnt zurückhaltendem Charme gespielt.

Mit den Teilen wechseln die Orte und Kontrahenten, und mit den Epochen wechseln die Farben. War der Auftakt noch weltkriegsgrau, kommt der Abschluss zwar immer noch gedämpfter als etwa das Spin-off Master Z (2018) daher, dafür in schönstem Pastell. Von Ips Heimat Foshan ging es nach Hongkong, jetzt folgt der Sprung über den Großen Teich. In San Francisco sieht Ip seinem einstigen Schüler Bruce Lee (Danny Chan Kwok-Kwan) 1964 bei einem Karateturnier zu. In einer kurzen Zwischenepisode darf der angehende Filmstar einen der Bösewichte in einer Seitengasse vermöbeln. Schnelle Karate-Kicks anstelle des geschmeidigen Wing Chun, fein choreografiert im Neonschein eines American Diner. 

Der wahre Grund für Ips Reise sind Zukunftssorgen. Der Lehrmeister ist schwer krank und suchte eine Schule für seinen Sohn. Eine Ausbildung in den USA kann schließlich nicht schaden. Und genau hier fangen die Probleme – für die Hauptfigur wie den Film – an. Unter all den ansehnlichen Kampfszenen schwingt auch im letzten Teil ein ab und an unterschwelliger, meist überdeutlicher Nationalismus mit. Beim Auftakt der Reihe waren es skrupellos-sadistische Japaner, später pöbelnde, vom Kolonalismus besoffene Briten, und diesmal sind selbstredend alle Amerikaner Rassisten. Ein Schelm, wer an (geo)politische Zusammenhänge – von der Autonomie Hongkongs bis zu aktuellen Handelskonflikten – dabei denkt!

So hart wie die Faustschläge, so plump ist die Figurenzeichnung. Besaß Hiroyuki Ikeuchis japanischer Militär im ersten Teil zumindest Ambivalenz, ist der von Scott Adkins gespielte amerikanische so eindimensional wie sein Bürstenschnitt. Die von der Reihe gewohnten historischen Schludrigkeiten machen die Sache nicht besser. Erneut erinnern die meisten Nicht-Asiaten in Aussehen und Auftreten mehr an moderne Hipster als an Figuren aus den 1960ern. (In der Rückschau auf die unverhohlen in unsere Gegenwart zielende Ausrichtung der Tetralogie scheint aber selbst das beabsichtigt.)

All das machten die Vorgängerfilme, mal mehr, mal weniger gekonnt, durch Herz und Witz wett. Weil Donnie Yens Figur bei ihrem letzten Auftritt der Humor aber über weite Strecken abgeht, gerät der Film allzu schnell aus der Balance. So sehr wie im Finale wurde die Kampfsport-Ikone posthum selten vor den politischen Karren gespannt. Ein Tiefschlag für jeden Fan.

Ip Man 4: The Finale (2019)

Im letzten Teil der Saga um Ip Man reist der Kung-Fu-Meister reist in die USA, wo sein Schüler mit der Eröffnung einer Wing-Tsun-Schule für Aufsehen in der Martial-Arts-Szene gesorgt hat.

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