Immer für dich da (TV-Serie, 2021)

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Die Serie „Immer für dich da“ erzählt von einer Freundschaft, die mehr als drei Jahrzehnte umspannt. Für Katherine Heigl und Sarah Chalke sowie deren jüngere Pendants bietet der Plot vielschichtige Rollen.

Immer für dich da (TV-Serie, 2021)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

„You’re my soulmate, you bitch!"

Die Höhen und Tiefen von Freundschaften sind ein beliebtes Serienthema. Mal geht es um anfängliche Zweckgemeinschaften, die allmählich zu Nähe führen (etwa in „Männerwirtschaft“ oder „Grace & Frankie“), mal um berufliche Buddies (etwa in „Cagney & Lacey“ oder „Sherlock“). Mal werden Freundschaften in der Jugend beleuchtet (zum Beispiel in „Beverly Hills, 90210“), mal unter Erwachsenen (zum Beispiel in „Seinfeld“, „Friends“ oder „Sex and the City“), mal im hohen Alter (zum Beispiel in „The Golden Girls“).

Auch im Zentrum von Immer für dich da steht die enge Bande zwischen zwei Figuren – und das gleich über mehr als drei Dekaden hinweg. Mit 14 lernen sich Tully (Ali Skovbye) und Kate (Roan Curtis) in den 1970er-Jahren kennen, als Tully mit ihrer drogensüchtigen, alleinerziehenden Mutter Cloud (Beau Garrett) ins Haus gegenüber von Kates Familie in die suburbane Firefly Lane zieht. Während Kates Eltern Margie und Bud (Chelah Horsdal und Paul McGillion) eher spießig anmuten, herrscht im Haushalt von Cloud und Tully die völlige Unordnung, die Tully beim ersten Treffen mit Kate gar zur Lüge veranlasst, ihre Mutter habe Krebs. Die beiden sehr unterschiedlichen Schülerinnen freunden sich rasch an und bekämpfen gemeinsam die Herausforderungen des Heranwachsens.

In den 1980er-Jahren besuchen Tully und Kate (nun verkörpert von Katherine Heigl und Sarah Chalke) zusammen das College und arbeiten später Seite an Seite in einer Fernsehredaktion in Seattle. Im Jahre 2003 ist Tully eine berühmte Talkshow-Moderatorin, während Kate versucht, ihre Teen-Tochter Marah (Yael Yurman) nicht unter der anstehenden Scheidung von ihrem einstigen Chef Johnny (Ben Lawson) leiden zu lassen. Obendrein strebt Kate eine Rückkehr ins Berufsleben an und wird zur Assistentin der jungen Zeitschriftenredakteurin Kimber (Jenna Rosenow). Tully beginnt derweil eine zunächst zwanglose, bald jedoch ernster werdende Beziehung mit dem einfühlsamen Rettungssanitäter Max (Jon-Michael Ecker).

Die Erzählstruktur von Immer für dich da ist fraglos ambitioniert. Der auf dem gleichnamigen, 2008 veröffentlichten Roman von Kristin Hannah basierende Stoff wird in der seriellen Adaption von Maggie Friedman nicht chronologisch, sondern verwoben auf drei Zeitebenen geschildert – und auch innerhalb dieser Ebenen gibt es Sprünge. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den positiven Aspekten zählt, dass etwa durch Parallelmontage oder Match Cuts immer wieder interessante Bezüge zwischen Jugend, frühem und späterem Erwachsenenalter geschaffen werden. So wird vermittelt, dass sich einige Dynamiken innerhalb der Freundschaft von Tully und Kate oder auch zwischen Generationen, etwa Müttern und Töchtern, wiederholen. Das erreicht nicht unbedingt Proust’sche Qualitäten, führt aber zu gelungenen Momenten – zum Beispiel wenn sich Tully und Kate sowohl als Berufsanfängerinnen in den 1980er-Jahren als auch als 40-Jährige auf einer Schulveranstaltung zu den Klängen des Soft-Cell-Songs Tainted Love in einer Dreieckssituation befinden. Ohnehin wird Musik im Laufe der zehn Episoden der ersten Staffel gekonnt als Klammer eingesetzt.

Zur Kehrseite dieser narrativen Strategie zählt indes, dass die einzelnen Geschichten durch den schnellen Wechsel der Zeitebenen häufig ausgebremst werden. Statt sich auf Situationen intensiver einzulassen, wird rasch wieder die Zeit und der Ort gewechselt. Hinzu kommt, dass gewisse Spannungsmomente durch das Vorgreifen der Erzählung kaum Wirkung haben. Wenn etwa Kate als junge TV-Redaktionsmitarbeiterin für ihren Boss Johnny schwärmt, dieser aber zunächst eher an Tully interessiert ist und es zu diversen „Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht?“-Szenen kommt, können wir als Publikum nur bedingt mitfiebern – da wir schon nach der ersten Folge wissen, dass Kate und Johnny heiraten werden. Auch Tullys Beziehung zu ihrem College-Professor Chad (Patrick Sabongui) ist ziemlich spannungslos, weil für uns von Anfang an klar ist, dass es lediglich eine vorübergehende Liebelei sein wird. Gleiches gilt für Tullys Bemühungen, endlich den Durchbruch vor der Kamera zu schaffen: Wenn wir sie parallel im Jahre 2003 bereits im Luxus und Ruhm angekommen auf ihrer städtischen Dachterrasse erleben, hat das Zuschauen bei diesen ersten Versuchen einen relativ geringen Reiz. Die Ergebnisse dieser Handlungsstränge stehen durch die gewählte Erzählstruktur schon früh fest. Und der Weg dahin hält – von einigen Ausnahmen abgesehen – zu wenig Überraschungen bereit, um derartig viel Raum zu erhalten.

Die drei Zeitebenen sind unter anderem durch eine jeweils eigene Ausleuchtung gekennzeichnet und fallen dramaturgisch unterschiedlich stark aus. Am überzeugendsten ist der Jugendstrang, nicht zuletzt dank der talentierten Jungstars Ali Skovbye und Roan Curtis sowie deren Freundschaftschemie. Die Solidarität zwischen Tully und Kate, das Lernen voneinander und das typisch adoleszente Auf und Ab zwischen ernsten Konflikten und gemeinsamem Spaß wird treffend und mitreißend eingefangen. Weniger stimmig wird wiederum die Zeit in den 1980er-Jahren in Szene gesetzt. Katherine Heigl und Sarah Chalke werden mit reichlich Make-up sowie Frisuren im Stil der Drei Engel für Charlie und schriller Mode in Studentinnen und Berufseinsteigerinnen verwandelt – und muten dabei seltsam verkleidet an. Auch hat das Setting hier häufig etwas allzu Kulissenhaftes.

Der Strang in den 2000er-Jahren funktioniert entschieden besser. Hier haben Heigl und Chalke ihre eindrücklichsten Momente. Die beiden verkörpern in Immer für dich da wohl ihre besten Rollen seit vielen Jahren. Während Heigl nach ihren erfolgreichen TV-Einsätzen in Roswell und Grey’s Anatomy überwiegend in schwachen Filmen zu sehen war, konnte Chalke mit ihren Auftritten in den Sitcom-Hits Roseanne und Scrubs bisher in erster Linie ihre komödiantische Begabung demonstrieren. Die Serie bietet den Hauptdarstellerinnen die Möglichkeit, facettenreiche Figuren mit komplexen Problemen zu entwickeln. Zuweilen begeben sich Skript und Regie zwar in pathetische Gefilde oder finden nicht ganz den richtigen Ton zwischen zündendem Witz und Überdrehtheit; dennoch liegt das Niveau deutlich über dem einer durchschnittlichen Primetime-Soap.

Die Freundschaft zwischen Tully und Kate hat durchaus etwas von einer Liebesgeschichte – viele Standards einer romantischen Komödie oder eines romantischen Dramas werden auf das innige Verhältnis zwischen den beiden übertragen. Doch wenngleich hier eindeutig zwei Figuren im Fokus stehen, lässt Immer für dich da auch an Ensembleserien wie Brothers & Sisters denken – dank etlicher spannungsreicher Nebenparts, wie etwa Kates Bruder Sean (als Teenager gespielt von Quinn Lord, später von Jason McKinnon). Am Ende der ersten Staffel lässt sich festhalten: Das Potenzial für weitere Episoden wäre vorhanden. Es wäre gar höchst unerfreulich, wenn die Geschichte von Tully, Kate und deren Umfeld einen solchen Abschluss fände.

Immer für dich da (TV-Serie, 2021)

Kate, die introvertierte Kate, und Tully, das coolste Mädchen der Schule, bilden ein Band, das jeden Meilenstein in ihrem Leben verwittert und zu einer Tragödie in der Gegenwart führt.

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