Ginny & Georgia (TV-Serie, 2021)

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Die Netflix-Serie „Ginny & Georgia“ verhandelt zeitgenössische identitätspolitische Fragen in einem humorvollen Coming-of-Age-Gerüst, das durch die tragische Hintergrundgeschichte der Hauptfiguren mehr Substanz erhält, als es auf den ersten Blick erscheint.

Ginny & Georgia (TV-Serie, 2021)

Eine Filmkritik von Christian Neffe

Gilmore Girls Reloaded

Nach dem überraschenden Tod ihres Stiefvaters zieht die Teenagerin Virginia (Antonia Gentry) zusammen mit ihrer rund 30 Jahre alten Mutter Georgia (Brianne Howey) und ihrem kleinen Bruder Austin (Diesel La Torraca) von Texas in eine Kleinstadt in die Nähe von Boston. War das Dreiergespann zuvor immer auf Achse und wechselte regelmäßig den Wohnort, wollen sie nun hier heimisch werden. Virginia findet das erste Mal einen richtigen Freundeskreis – und auch erstmals zwei Jungs, die sich für sie interessieren. Doch so einfach gestaltet es mit der Liebe nicht, denn Virginias Verhältnis zu Liebe und Sex ist kein einfaches.

Prägend war und ist diesbezüglich vor allem das Verhalten ihrer Mutter. Die kommt aus schwierigen Verhältnissen, flüchtete ihm jungen Alter vor ihrem gewalttätigen Vater, wurde mit 15 Jahren schwanger und fasste für sich alsbald den Entschluss, ihre Attraktivität konsequent als Mittel einzusetzen, um das zu bekommen, was sie will. In Wellsbury, so der Name ihrer neuen Heimatstadt, versucht sie dieser Masche folgend mit dem Bürgermeister anzubandeln – und verliebt sich tatsächlich in ihn. Doch Georgias Vergangenheit birgt düstere Geheimnisse, die sie nun einzuholen drohen…

Ginny & Georgia greift diverse der im Coming-of-Age-Genre üblichen Themen auf: Freundschaft, Liebe, erste sexuelle Erfahrungen, Identität. Vor allem letzteres beschert Virginia starke innere Konflikte: Als Tochter einer Weißen und eines Schwarzen fällt es ihr schwer, sich irgendwo zugehörig zu fühlen, regelmäßig legt sie sich überdies mit ihrem rassistischen Englischlehrer an, und dann sind da auch noch diese beiden völlig unterschiedlichen Jungs, mit denen sich etwas anbahnt.

Das Gesamtergebnis strahlt von den ersten Minuten an starke Gilmore-Girls-Vibes aus, garniert mit einer ordentlichen Prise zeitgenössischer identitätspolitischer Fragen, minus die unzähligen Referenzen auf literarische und filmische Werke. Über die zehn Folgen hinweg werden die Figuren konsequent weiterentwickelt, und auch wenn sich dabei das ein oder andere Genreklischee einschleicht, so zeigt Ginny & Georgia, wie gutes Coming of Age im Jahre 2021 aussehen kann.

Ginny & Georgia (TV-Serie, 2021)

 

Georgia hofft mit ihrer jugendlichen Tochter Ginny in einer anderen Stadt auf einen Neuanfang. Doch die Geheimnisse ihrer Vergangenheit lassen sich nicht abschütteln.

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