Fatman (2020)

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Santa Claus in Nöten — weil es immer weniger zu tun gibt, droht dem Weihnachtsmann eine Kürzung der staatlichen Bezüge. Zudem hat er alsbald einen Profikiller auf den Fersen, den ihm ein renitenter Knabe auf den Leib gehetzt hat. Rohe Weihnachten!

Fatman (2020)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Blutige Weihnachten

In der Zeit vor Weihnachten ist mit erhöhtem Aufkommen von Tannennadelduft, Glühweinwolken (okay, dieses Jahr eher weniger) und süßlich-klebriger Filmkost zu rechnen. Dann und wann gibt es auch Filme etwas härterer Gangart, die beinahe schon so etwas wie ein Subgenre innerhalb dieser eh schon seltsamen Gattung bilden. In jenen Nischenbereich lässt sich auch „Fatman“ von Eshom und Ian Nelms einordnen, der eigentlich das Kinogeschäft im Dezember ankurbeln sollte, nun aber ausschließlich digital für einen rüden Kontrast zu all der Besinnlichkeit sorgt.

Weil ein verzogener und ziemlich unartiger Zwölfjähriger (Chance Hurstfield) zu einem Weihnachtsfest nur ein Stück Kohle bekam, heuert der erboste Knabe kurzerhand mit Hilfe eines gefälschten Schecks seiner Großmutter einen Profikiller (Walton Goggins) an, um Santa Claus zu töten. Der (herrlich: Mel Gibson) hat aber auch so schon genug Probleme und trägt reichlich Frust mit sich herum, weil der Job nicht gerade das Zuckerschlecken ist, das jeder vermeint — im Gegenteil. Denn weil brave Kinder und dementsprechend Geschenkeauslieferungen immer seltener werden, droht dem Weihnachtsmann einen drastische Kürzung der Bezüge seitens der Regierung. Klar, dass das die Laune des griesgrämigen Kerls nicht gerade bessert, sodass er notgedrungen einen Produktionsauftrag des Militärs annimmt, was immerhin dafür sorgt, dass seine Ranch künftig streng bewacht ist. Das allerdings hält den angeheuerten Profikiller kaum davon ab, auf das Gelände vorzudringen und die Anzahl der Soldaten wie Elfen ziemlich zu dezimieren. Bis Santa Claus schließlich die Nase voll hat und zur Gegenwehr ansetzt.

Zugegeben, die reine Inhaltsangabe von Fatman mag ein wenig in die Irre führen und trifft den Geist und den Tonfall dieses Films nur bedingt, denn der ist nur halb so trashig, wie dies zunächst den Anschein haben mag. Viel eher wirkt der Film streckenweise so, als hätten hier die Coens teilweise die Finger mit im Spiel gehabt und einem milden Zynismus freien Lauf gelassen. Das liegt zum einen an der sehr, sehr gemächlichen Exposition, die sich anfangs vor allem auf den fiesen Charakter des kindlichen Auftraggebers konzentriert, und der liebevollen Figurenzeichnung, mit der Fatman zu Werke geht. Zum andren nimmt sich der Film die Freiheit, immer wieder erzählerische Ab- und Umwege zu erkunden und detailversessen seine verschiedenen Milieus treffend zu beschreiben. Und weil man sich nie ganz sicher sein kann, was als nächstes folgt, entsteht bei aller Komik auch ein diffuses Gefühl der Spannung, bis schließlich am Ende die Spirale immer schneller eskaliert und aus dem Ruder läuft.

Getragen wird die ebenso kühle wie warmherzige Farce von einem Ensemble sichtlich gut aufgelegter Darsteller*innen: Mel Gibson als Santa Claus mit echtem (!) Zottelbart hat sichtlich Spaß an der Rolle, ebenso wie der herrlich fiese Chance Hurstfield als Satansbraten. Walton Goggins als megacooler Killer und nicht zuletzt die wunderbare Marianne Jean-Baptiste als Santas Ehefrau sind das Sahnehäubchen auf dieser blutroten Eistorte mit zahlreichen Überraschungen. 

Fatman (2020)

Mel Gibson als Santa Claus muss sich in diesem Jahr mit weit mehr als Geschenken beschäftigen, als ihm ein zorniger Junge einen Auftragskiller auf den Hals hetzt!

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