Death of a Ladies' Man (2020)

Log Line

Samuel O’Shea hat einen Hirntumor. Bevor er stirbt, möchte er nochmals über sein Leben und seine Frauen nachdenken. Der kanadische Regisseur Matt Bissonnette hat mit seiner Burleske um einen alten, sterbenden Mann gleichzeitig dem Sänger Leonhard Cohen eine Reverenz geleistet.

Death of a Ladies' Man (2020)

Eine Filmkritik von Teresa Vena

Kein stiller Abgang

Samuel O’Shea (Gabriel Byrne) ist der titelgebende Frauenheld des Films. Er arbeitet als College-Professor in Montreal, hat gerade seine zweite Ehefrau mit einem anderen Mann im Bett erwischt und die Diagnose Hirntumor im Endstadium erhalten. Zu seinen beiden erwachsenen Kindern aus erster Ehe hat er ein recht distanziertes Verhältnis, genauso wie zu deren Mutter (Suzanne Clément). Und auch darüber hinaus hat er niemanden, dem er Persönliches anvertraut. Von seinem bevorstehenden Tod erfährt daher erst sein längst verstorbener Vater (Brian Gleeson), der ihm als lebhafte Halluzination erscheint. Fortan sind die beiden unzertrennlich und reisen auch gemeinsam nach Irland, ins Heimatdorf von Samuel, wo dieser sein Leben nochmals Revue passieren lassen möchte. Doch die Katze lässt das Mausen nicht und schon bald erobert er eine neue Frau (Jessica Paré), mit der er sein letztes Glück genießen möchte.

Bunt ist die Welt in Matt Bissonnettes Groteske über die letzten Tage im Leben eines Mannes vom alten Schlag. Death of a Ladies‘ Man bedient sich der Mittel des magischen Realismus und spielt mit surrealen Einfällen, um seinen Protagonisten, für den er den irischstämmigen Schauspieler Gabriel Byrne verpflichtet hat, mit, zum Teil durchaus wortwörtlich, Trompeten und Posaunen abtreten zu lassen. Der Film präsentiert eine romantisch-verklärte Sicht auf das Leben eines Drogensüchtigen und Alkoholikers, der mit seiner schlagfertigen Art und seinen sarkastischen Sprüchen den sogenannten „einsamen Wolf“ mimt. Der grundsätzlich dicht inszenierte Film, der dank eines schnellen Schnitts an sich recht kurzweilig wirkt, ist doch insgesamt durch eine nur schemenhafte Charakterzeichnung und die Wiederholung längst bekannter Motivik geprägt.

Die Dialoge haben etwas Glattes, fast Kitschiges – eben so als wären es Strophen aus einem Leonard Cohen-Lied. An sich ist die Hauptfigur Cohen nachempfunden – oder zumindest, wohl entscheidend, dem Bild, was man von diesem hat und dem, was der Sänger-Autor selbst von sich verbreitet hat. Selbst der Titel des Films bezieht sich auf das eine Cohen-Album von 1977, das zu seiner Zeit ziemlich polarisiert haben muss. In den Texten beschäftigt sich der Liedermacher auffällig explizit mit Sexualität. Dieser Phase in Cohens Schaffen scheint jetzt nun der kanadische Regisseur eine Hommage widmen zu wollen, in dem er mit Samuel ein Alter-Ego des Sängers – aber vielleicht auch von sich selbst – erschaffen hat.

Was einem in erster Linie zum Film einfällt, ist, dass er in vielerlei Hinsicht veraltet wirkt. Sicherlich gehört es für den Regisseur, indem er sich eben für Leonard Cohen als Referenzpunkt entschieden hat, dazu, bewusst eine melancholische Stimmung zu erzeugen. Doch das Bild von Männlichkeit, das er hier aufrecht erhält, stösst merkwürdig auf. Den Protagonisten soll man vermutlich deswegen sympathisch finden, weil er ein derartiger Charmeur ist und offenbar die Sprache der Frauen spricht. Dass es sich um eine Fassade handelt und im Wesentlichen um einen Selbstbetrug der Figur, wird dabei schon irgendwie klar. Aber der Film verbringt erstmal zwei Drittel seiner Zeit damit, die klischierte Liebesgeschichte zwischen einem älteren Mann und einer mindestens dreißig Jahre jüngeren Frau zu erzählen. Auch beschreibt er Samuel mit seiner nonchalanten, unbekümmerten Art als Schelm, dem man im Grunde seinen Drang, von Frau zu Frau zu wandern, nachsehen muss – oder dies vielleicht bewundern soll?

Samuel vertritt den Typus Mann, der alles mit sich selbst ausmacht, seine Gefühle für sich behält. So wie es eben ein starker Mann tun soll? Der weiche Kern hinter der harten Schale schimmert zwar zwischen den Zeilen hervor, doch dieser Blick bringt nichts Neues, kann nach unendlichen Diskussionen über Rollenmuster und deren moderne Infragestellung nicht mehr wirklich interessieren.

Es ist recht mutig, dass Death of a Ladies‘ Man zwischendurch mit einer derart offensiven Bildsprache provoziert: Etwa, wenn es um die Integration der Halluzination der Hauptfigur in die Handlung geht. Nur konzentrieren sich die exzentrischen imaginierten Szenen, wie die Kellnerin mit einem Bodybuilderin-Körper und einem Tigerkopf oder den singenden und tanzenden Eishockeyspielern, auf das erste Drittel des Films und machen dann eher banaleren Wunschvorstellungen des Charakters Platz. Bissonnette verwendet eine ganz eigenwillige Art von Humor, die irgendwie nicht wirklich überzeugen will. Der Film ist zu chaotisch. Eine Straffung des Themas hätte vielleicht das Grundmotiv, das Porträt eines „vom Aussterben bedrohten“ männlichen Menschenexemplars, gestärkt.

Death of a Ladies' Man (2020)

Als der versoffene und Affären nicht abgeneigte Universitätsprofessor Samuel O’Shea einen Gehirntumor diagnostiziert bekommt, zieht er sich aufs Land zurück. Und ausgerechnet dort findet er die Liebe seines Lebens, mit der er überhaupt nicht mehr gerechnet hat. 

  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Weitere Filme von

Matt Bissonnette