Bloodshot (2020)

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Vin Diesel in seinem Element! Als technisch hochgerüsteter, aus dem Jenseits zurückgeholter Soldat lässt er es in „Bloodshot“ ordentlich krachen. Launiger Action-Trash oder öde Krawallnummer, das ist hier die Frage!?

Bloodshot (2020)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Diesel räumt auf

Manchmal treibt die Art und Weise, wie Verleiher ihre Filme vermarkten, seltsame Blüten. Ohne Not werden mitunter zum Beispiel in Trailern zentrale Handlungstwists verraten. So auch im Fall der Comic-Adaption „Bloodshot“, deren einzige echte Überraschung die PR-Strategen von Sony Pictures den potenziellen Zuschauern schon in den Promo-Clips unter die Nase reiben. Wer den kurzen Werbestreifen gesehen hat, wird dem trashigen Scifi-Actionthriller rund um einen aus dem Jenseits zurückgeholten, technisch aufgemotzten US-Soldaten daher noch weniger abgewinnen können als Kinogänger, die über den Handlungsdreh vorab nicht Bescheid wissen

Der von Dave Wilson inszenierte Film basiert auf der gleichnamigen Superheldenreihe aus dem Hause Valiant Comics und steigt mit einem amerikanischen Militäreinsatz im kenianischen Mombasa ein. Elitekämpfer Ray Garrison (Vin Diesel) bringt seinen Auftrag zu einem erfolgreichen Ende und kehrt, wie immer ausgestattet mit neuen Kratzern, zu seiner Ehefrau Gina (Talulah Riley) zurück. Gemeinsam wollen die beiden eine schöne Zeit an der bezaubernden Mittelmeerküste verbringen. Doch dann geraten sie in die Hände des durchgenknallten Martin Axe (Toby Kebbell), der das Paar schließlich brutal ermordet.

Dass er von den Toten auferstanden ist, erfährt Ray, als er einige Zeit später in den Forschungsräumen des RST-Konzerns zu sich kommt. Dr. Harting (ein sträflich unterforderter Guy Pearce) hat ihn wiederbelebt und seinen Körper dank leistungsstarker, in den Blutkreislauf eingespeister Nanoroboter in eine fast unbezwingbare Waffe mit selbstregenerativen Fähigkeiten verwandelt. Anfangs sind alle Erinnerungen an seine Vergangenheit ausgelöscht. Recht schnell finden allerdings Fetzen der grausamen Ermordung ihren Weg in Rays Bewusstsein und stacheln ihn zu einem Rachefeldzug an.

Bloodshot sollte ursprünglich Teil eines zusammenhängenden Valiant-Superheldenuniversums werden. Nachdem sich die Filmrechtelage aber stark verkompliziert hat, ist dieses Vorhaben inzwischen kein Thema mehr. Sich einen Kosmos nach dem Vorbild der Marvel- und DC-Reihen vorzustellen, fällt nach der Sichtung ohnehin ungemein schwer. Problematisch ist dabei gar nicht mal so sehr, dass diverse Szenen in der ersten Hälfte arg dick auftragen. Hierfür liefert der Film immerhin eine halbwegs plausible Erklärung. Die Lust, dem Geschehen zu folgen, schwindet vielmehr, weil dem von Jeff Wadlow und Eric Heisserer verfassten Drehbuch nach dem großen Twist rasant die Puste ausgeht.

Die neue Erkenntnis hätte man nutzen können, um dem Protagonisten mehr Profil zu verleihen, seine existenzielle Krise zumindest ein wenig auszuleuchten. Den Machern reichen lustlos hingeworfene Plattitüden, die keinen Mehrwert aus den Frankenstein-Bezügen ziehen, allerdings aus. Dass man in einem Actionstreifen wie Bloodshot und von einem Darsteller wie Vin Diesel keine charakterlichen Nuancen erwarten darf, versteht sich von selbst. Dennoch wäre es schön gewesen, wenn der Fast and Furious-Star nicht bloß mit zwei Gesichtsausdrücken durch den Film stapfen würde. Momente, die so etwas wie emotionalen Gehalt transportieren sollen, verpuffen auch wegen seines limitierten Spiels.

Aus dem schablonenhaften Ensemble an Nebenfiguren sticht der von Lamorne Morris verkörperte Computerexperte Wilfred Wigans mit einigen amüsanten Einlagen heraus, auch wenn er etwas zu deutlich als lustiger Sidekick inszeniert wird. Frauenpower könnte der testosterongeladene Reißer in Gestalt der ebenfalls technisch aufgemotzten KT (Eiza González) bündeln. Viel Entfaltungsraum gewähren die Macher der jungen Frau aber leider nicht und stufen sie stellenweise zu einem schönen Blickfang zurück.

Wilson und Co versuchen, ihren kruden, aus bekannten Versatzstücken bestehenden Plot und ihre flachen Charaktere durch optische Spielereien und markige Actionsequenzen auszugleichen. Wirklich bahnbrechende Bilder bekommt das Publikum jedoch nicht serviert. Eine bleihaltige, in Mehlstaub getauchte Auseinandersetzung in einem Tunnel macht dank ihrer unwirklichen Anmutung atmosphärisch etwas her. Viele andere Kampfszenen dagegen werden durch einen übertrieben hektischen Schnitt verhunzt. Dass handwerklich Wünsche offenbleiben, beweist nicht zuletzt auf der Zielgeraden eine Konfrontation in einem Fahrtstuhlschacht, die viel zu offensichtlich mit ausbaufähigen Computereffekten arbeitet. Wer nicht schon vorher aus dem Geschehen ausgestiegen ist, dürfte sich spätestens hier verabschieden.

Bloodshot (2020)

Basierend auf dem Comic-Bestseller übernimmt Vin Diesel die Rolle von Ray Garrison, einem Soldaten, der bei einem Einsatz starb und nun als Bloodshot, einem Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, von der RST Corporation wieder zum Leben erweckt wird. Mit jeder Menge injizierter Nanotechnologie ist er unaufhaltsam – stärker als je zuvor und in der Lage, sich bei Verletzungen sofort selbst zu heilen. Aber mit der Kontrolle seines Körpers herrscht die Corporation auch über sein Gehirn und seine Gedanken. Ray weiß nicht, was Realität ist und was nicht – aber er begibt sich auf eine Mission, es herauszufinden.

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