Abseits des Lebens (2021)

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Es kann viele Gründe geben für eine Auszeit weit draußen in unberührter Natur, aber die Heldin dieses Spielfilms hat einen besonders quälenden. Der Verlust ihrer Familie hat ihr den Boden unter den Füßen weggerissen. In diesem Wildnisabenteuer spielt Robin Wright die Hauptrolle unter eigener Regie.

Abseits des Lebens (2021)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eine Frau, die ganz allein sein will

Ein Schicksalsschlag hat Edee (Robin Wright) so aus der Bahn geworfen, dass ihre Schwester Emma (Kim Dickens) sie anfleht, sich nicht das Leben zu nehmen. Ihr zuliebe sucht Edee eine Therapeutin auf, ohne sprechen zu wollen. Dann fasst sie einen Entschluss und zieht weg aus Chicago, in die abgeschiedene Bergwelt von Wyoming. Sie kauft dort ein einsam gelegenes Grundstück mit Blockhütte. Das Handy wirft sie weg, das Auto lässt sie abholen – sämtliche Verbindungen zur Außenwelt sind abgeschnitten. Das Kinoregiedebüt der Schauspielerin Robin Wright, für das Jesse Chatham und Erin Dignam das Drehbuch schrieben, erzählt von einer Frau, die in die Wildnis geht, um seelisch zu überleben.

Edees Abenteuer in den Rocky Mountains ähnelt thematisch also Spielfilmen wie Spuren oder Der große Trip – Wild, in denen die Hauptfiguren beim Wandern in der Wildnis zu sich selbst finden wollen. Aber in dieser Geschichte steht der emotionale Schmerz stark im Vordergrund. Edee muss mit ihrem gewohnten Leben brechen, weil sie den Verlust von Mann und Kind nicht aushält. Über die Umstände dieses Schicksalsschlags schweigt sie sich bis fast zum Schluss aus. Aber das Publikum erfährt, wie sehr die Trauer ihr ganzes Dasein überlagert. Ab und zu werden Mann und Kind in Edees Fantasien für Sekunden lebendig, stehen vor der Hütte oder umarmen sie.

Die Handlung bleibt dennoch nahezu vollständig in der Gegenwart, um Edee bei ihren Gehversuchen in der Einsamkeit zuzuschauen. Die Blockhütte ist eingerichtet, sie gehörte einem alten Mann, der nicht mehr lebt. Edee räumt die vielen Konservendosen und Proviantsäcke in die Regale, versucht sich im Holzhacken. Doch dann plündert ein Bär ihre Vorräte und der Winter trifft Edee unvorbereitet. Der Jäger Miguel (Demián Bichir), der zufällig vorbeikommt, findet Edee bewusstlos, völlig entkräftet und unterkühlt in der Hütte. Er ruft die Krankenschwester Alawa (Sarah Dawn Pledge) zu Hilfe und diese rät, Edee ins Krankenhaus zu bringen. Aber Edee besteht vehement darauf, in der Hütte zu bleiben. Miguel entscheidet sich, für sie zu sorgen, bis sie sich wieder erholt. Als Edee ihm bedeutet, dass sie in die Wildnis kam, um Menschen aus dem Weg zu gehen, kommt Miguel nur noch vorbei, um ihr beizubringen, wie man Fallen aufstellt und jagt.

Zwischen der wortkargen, scheuen Edee und dem umsichtigen Mann entwickelt sich eine platonische Freundschaft. Die Distanz bleibt immer eingebaut: Als Miguel ihr erzählt, wie er selbst Frau und Kind verlor, will sich Edee trotzdem nicht weiter mitteilen. Aber dass ihr die Freundschaft mit diesem Besucher dennoch guttut, sieht man daran, dass sie nun immer besser zurechtkommt. Sie jagt Hirsche und weidet sie aus, hackt Holz, im Kamin brennt oft ein anheimelndes Feuer. Edee studiert ein Buch und legt ein Hochbeet an, beißt bald in ein Radieschen. Und wenn es nichts zu tun gibt, bleibt immer noch der Blick auf die Berge. Gedreht wurde in den kanadischen Rocky Mountains, in einer Landschaft, die mit ihren Gipfeln und den grün bewaldeten Bergkuppen eine umwerfend schöne Filmkulisse abgibt. Wenn dann noch die Wölfe heulen, der Schneesturm bläst, der Fluss rauscht, die Jahreszeiten wechseln, kann atmosphärisch nicht mehr viel schiefgehen.

Aber der Film kommt dennoch nicht so richtig in Fahrt, sondern wirkt eher verhalten und irgendwie unschlüssig. Obwohl Edee so oft im Bild ist, bleibt sie dennoch als Persönlichkeit verschlossen und man bekommt die Momente, in denen sie zurück ins Leben findet, neue Gefühle spürt, allzu wenig mit. Viele Szenen wirken etwas hölzern abgedreht. Was in Edee vorgeht, erschließt sich nicht unbedingt, wenn sie Holz hackt, und auch nicht, wenn sie mit dem Rücken zur Kamera auf einer sommerlichen Wiese sitzt. Liebt Edee die Natur, oder geht es ihr mehr darum, sich selbst etwas zu beweisen? Was löst die Freundschaft mit Miguel in ihr aus? Alle diese Faktoren spielen wohl eine Rolle für Edees Entwicklung, aber sie werden auch alle etwas lieblos abgehandelt.

Sprunghaft geht die Montage auch mit den Jahreszeiten um: Es gibt sehr viel Winter und Herbst, aber wenn man mal meint, jetzt könnte Frühling sein, oder dass Edee nun eine Weile den Sommer genießen wird, können die Bäume am Fluss in der nächsten Einstellung auch schon wieder gelbe Blätter tragen. Dieser merkwürdige Wechsel der Jahreszeiten stiftet Verwirrung, es fällt schwer zu erkennen, wie die Zeit da oben wirklich vergeht. So hinterlässt Robin Wrights Kinoregiedebüt alles in allem einen gemischten Eindruck.

Abseits des Lebens (2021)

Nachdem eine Frau in der Wildnis eine Nahtoderfahrung erlebt hat, muss sie lernen, im Leben wieder klarzukommen.

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