Yuppi du

Yuppi du

Eine Filmkritik von Martin Beck

Ein "irrwitziger Totentanz am Canale Grande"

1975 war Adriano Celentano bereits so weit ein Star in Italien, dass er sich einen veritablen Egotrip namens Yuppi Du erlauben konnte. Celentano ist bei diesem Film Produzent, Regisseur, Komponist, Editor und Hauptdarsteller. Der Titelsong schunkelt sich durch jedes Kirmeszelt, alle fünf Minuten wechselt das Genre und dazu plärrt praktisch jedes Bild A-M-B-I-T-I-O-N. In Italien wurde der Film damals verrissen, in Cannes lief er (erfolglos) im Wettbewerb und bei uns gab es lediglich einen Kinostart – aber keine Videokassette, keine DVD und keine Fernsehausstrahlung. Yuppi Du war verschollen. Gar keine so einfache Sache im Internetzeitalter.
Dass nun der Film doch noch auf DVD erscheint, ist vor allem dem Filmfestival in Venedig zu verdanken, das 2008 eine Wiederaufführung veranstaltete. Im gleichen Jahr erschien dann ebenfalls in Italien eine DVD, dessen Master auch als Vorlage für die nun veröffentlichte deutsche DVD diente. Die treibende Kraft dahinter ist kein anderer als Adriano Celentano selbst, der dabei allerdings einen auf George Lucas gemacht und diverse Veränderungen vorgenommen hat. Es gibt nun neue Effekte, der Soundtrack wurde aufgehübscht und anders eingesetzt, der Schnitt war unterm Messer, es finden sich neue Szenen und ein Ausschnitt aus Joan Lui ist auf einmal auch anwesend.

Ein „Remix“ sei diese Fassung, heißt es dazu lapidar – ein deutliches Indiz, dass das mit der A-M-B-I-T-I-O-N auch über 30 Jahre später anscheinend noch nicht ausgeschwitzt ist. Yuppi Du ist ein Film, der ohne Celentanos Erfolg nie möglich gewesen wäre. Anscheinend losgelöst vom Rohrstock eines Produzenten, der nicht Adriano Celentano heißt, wird hier munter durchs Genrebeet gegraben und eine Mischung aus Musical, Komödie, Romanze und Drama hervorgezaubert, die mittendrin auch noch Zeit für eine ungemütlich fiese Vergewaltigungsszene findet. Ein „irrwitziger Totentanz am Canale Grande“ befand seinerzeit die FAZ. Was insofern passt, als die Geschichte in Venedig spielt und gleich zu Beginn eine Gondeltour unter Wasser endet.

Neben allem anderen ist Yuppi Du nämlich auch eine Allegorie auf den Untergang der Lagunenstadt, was wie angegossen zu Celentanos Rolle eines armen Mannes namens Felice passt, dem vor zwei Jahren die Frau ertrunken ist. Auf einmal jedoch steht diese Frau, gespielt übrigens von Charlotte Rampling, wieder vor ihm, nur dass sie nun behauptet, eine ganz andere zu sein. Ein klassischer Fall also von italienischem Neo-Realismus, akzentuiert durch Fellini-eske Bilder und einen geschliffenen Sinn für doppeldeutige Gesellschaftskritik. Oder einfach nur tatsächlich ein veritabler Egotrip, der lediglich beweisen möchte, dass Kunst relativ ist und auch noch auf der dicksten Butterstulle ein muscheliges Plätzchen findet.

Am ehesten greifen kann man Yuppi Du wohl, wenn man als Vergleiche Hair und Jesus Christ Superstar heranzieht – zwei zur damaligen Zeit absolut hippe Musicals, deren künstlerische Freiheiten heutzutage eine Mischung aus Faszination, Gelächter und nostalgischem Kribbeln hervorrufen. Das gleiche Gefühl beschleicht einen auch bei Yuppi Du, wobei die jeweilige Tendenz in der Mischung stark von der Liebe für den Hauptdarsteller und der Offenheit für freidrehende Visionen mit 1970er-Jahre-Stempel abhängt. Was hier feststeht, ist lediglich, dass Celentano eine coole Socke ist, auch was die Chuzpe angeht, so einen Film überhaupt anzugehen, und dass der Soundtrack, allen voran der gnadenlos eingängige Titelsong, jedes aufgeschlossene Ohrenpaar bimmeln lässt.

Yuppi Du eben, ein klassischer „alles oder nichts“-Film – wobei für „alles“ auf jeden Fall die deutsche DVD spricht, die exzellente Bild- und Tonqualität vorweisen kann. Irgendwelche Extras allerdings, die im besten Fall genauso hell strahlen wie die italienischen Box-Sets mit T-Shirt, Buch und CD, sind überhaupt nicht vorhanden.

Yuppi du

1975 war Adriano Celentano bereits so weit ein Star in Italien, dass er sich einen veritablen Egotrip namens „Yuppi Du“ erlauben konnte. Celentano ist bei diesem Film Produzent, Regisseur, Komponist, Editor und Hauptdarsteller. Der Titelsong schunkelt sich durch jedes Kirmeszelt, alle fünf Minuten wechselt das Genre und dazu plärrt praktisch jedes Bild A-M-B-I-T-I-O-N.
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