Verflixt verliebt

Verflixt verliebt

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Regisseur wider Willen

Peter Luisis Film Ein Sommersandtraum, der im Schweizer Original noch Der Sandmann hieß, zählte im zurückliegenden Jahr zweifelsohne zu den großen Überraschungen im Komödienfach. Mit einfachen Mitteln, aber viel Witz und überraschenden Twists sowie gänzlich unverbrauchten, aber enorm talentierten Darstellern eroberte der Film sein Publikum im Sturm und zeigte, dass die Schweizer entgegen der landläufigen Meinung doch ein enorm lustiges oder zumindest überaus gewitztes Völkchen sein müssen. Möglicherweise im Sog dieses Erfolgs ist nun Peter Luisis Erstling Verflixt verliebt auf DVD bei Pierrot Le Fou erschienen. Zwar ist dieser Film nicht so gelungen wie der jüngste Streich, er zeigt aber schon deutlich das Talent Luisis, auf dessen nächste Filme man sich durchaus freuen kann.
Eigentlich war die Annäherung zwischen dem aus Argentinien stammenden Stundenten Miro (Pablo Aguilar) und der Schauspielerin Mercedes (Sandra Schlegel) ja ganz anders gedacht gewesen – irgendwie unverfänglicher. Doch irgendwie hat Miro beim ersten Treffen nur einen kleinen Moment gepennt und nun steckt er im schönsten Schlamassel. Denn jetzt glauben alle, er sei ein bekannter argentinischer Regisseur, der in der Schweiz sei, um hier seinen neuen Film zu realisieren. Aber weil das die Chance ist, Mercedes noch näher zu kommen, tut Miro auch nicht wirklich viel, um den (falschen) Eindruck zu entkräften. Und als das Filmprojekt dann auch noch Geld bekommt, nimmt der Dreh und mit ihm das Chaos seinen Lauf – immer schön begleitet und gefilmt von den beiden (echten) Filmstudenten Luigi (Nicolo Settegrana) und Peter (Philipp Stengele), die die Dreharbeiten Miros mit der Kamera begleiten. Und als sei das alles nicht eh schon kompliziert genug, knistern alsbald die Flammen zwischen Mercedes und ihrem Filmpartner Alex (Martin Rapold), so dass Miro zu allem Unglück auch noch mit der eigenen Eifersucht zu kämpfen hat. Und es kommt noch schlimmer...

Auch wenn der Filmtitel Schlimmes ahnen lässt und den Einen oder Anderen an biedere TV-Movie-Kost erinnert, brav und über die Maßen vorhersehbar ist das nicht, was Peter Luisi in seinem Film zu bieten hat. Wild wirbelt der Film mit verschiedenen Genres (Melodram, Slapstick, bitterböse Satire, um nur einige zu nennen) und Erzählmustern, unterschiedlichen Formaten (Digital, 35mm, 16mm, Super8 sowie die Bilder einer Überwachungskamera) und etlichen Klischees herum, dass einem (und das ist in diesem Zusammenhang durchaus positiv gemeint) Hören und Sehen vergeht. So chaotisch sich das Spiel auch anhört, das Luisi gerne bis zum Äußersten treibt (und an zwei bis drei Stellen auch deutlich überreizt), verkommt es doch nie zum Selbstzweck, sondern ist stets sinnvoll im Sinne der Dramaturgie oder als ironischer Kommentar auf das rasante Geschehen auf der Leinwand eingesetzt. Nett sind außerdem die zahlreichen Seitenhiebe auf das Filmemachen, die Schweizer Filmszene, die hier mehr als einmal liebevoll bis bissig aufs Korn genommen wird, und nicht zuletzt auch auf den Film Luisis selbst, die dem sowieso verschachtelten Konstrukt noch mindestens eine weitere Ebene hinzufügen

Allerdings überwiegt über die gesamte Laufzeit des Films gegen Ende hin dann doch der Eindruck, dass die Geschichte(n) unter der Fülle der hineingepackten Idee zusehends leidet und das ebenso charmante wie pfiffige Konzept am Ende nicht wirklich aufgeht. Immerhin macht dieser Film dennoch über weite Strecken Spaß und ist für das Erstlingswerk eines Filmemachers eine erstaunlich ambitionierte Angelegenheit.

Verflixt verliebt

Peter Luisis Film "Ein Sommersandtraum", der im Schweizer Original noch "Der Sandmann" hieß, zählte im zurückliegenden Jahr zweifelsohne zu den großen Überraschungen im Komödienfach.
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