The Outlaw – Krieger aus Leidenschaft

The Outlaw – Krieger aus Leidenschaft

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Lope de Vega, seine Literatur, sein Leben

Es ist ein Graus, welche deutschen Titel man so manches Mal für den deutschen Kino- oder DVD-Verleih erfindet. Im spanischen Original heißt der Film schlichtweg Lope, denn schließlich erzählt der Film aus dem Leben des historischen Lope de Vega, dem größten Dramendichter Spaniens. Und er stellt gerade den Beginn von dessen Karriere als Dramatiker in den Vordergrund und den Kampf, den er buchstäblich fechten muss, damit seine Komödien und sein neuer Ansatz, Theater zu machen, auf die Bühnen Madrids gelangen. In Deutschland erscheint die spanisch-brasilianische Produktion aus dem Jahr 2010 nun glücklicherweise auf DVD – denn sie ist ein sehr gelungenes Historiendrama. Weniger glücklich ist der deutsche (bzw. englische) Titel: The Outlaw – Krieger aus Leidenschaft, denn er birgt völlig falsche Assoziationen.
Lope de Vega (Alberto Ammann) ist, zumindest als er aus dem Krieg gegen Frankreich nach Madrid zurückkehrt und mit der Feder seines Vaters das Schreiben von Komödien versucht, ein Außenseiter. „Noch ist es zu früh, dass Madrid dein Talent entdecken könnte“, muss er sich sagen lassen. Lope hält sich nicht an die gängigen Prinzipien, wie sie von den damaligen Dramatikern hochgehalten wurden. Selbst ein Stück des großen Cervantes schreibt er um, um sein Verständnis von gutem Theater aufzuzeigen. Und deshalb darf er bei Jéronimo Velázquez (Juan Diego) auch erst einmal nur Dramen abschreiben und sich damit sein Geld verdienen. Es dauert eine ganze Weile, bis Lopes erste Komödie auf einer Bühne gespielt wird.

Lope ist von Velázquez sowieso nur angehört worden, weil dessen Tochter Elena (Pilar López de Ayala) von Lopes Versen berührt worden war und ein gutes Wort für den schmucken Dichter eingelegt hat. Die selbst ansehnliche Tochter ist angetan vom Poeten, und er ist ihr dankbar für die Vermittlung – schnell werden die beiden ein heimliches Liebespaar. Doch Lope will sich damit nicht zufriedengeben, fordert sowohl Elena als auch ihren Vater heraus und begibt sich auf einen gefährlichen Pfad innerhalb der Madrider Gesellschaft. Und dann ist da noch Isabel (Leonor Watling), die Lope aus Kindestagen kennt. Die Wege der beiden kreuzen sich immer wieder, aber es dauert eine ganze Weile, bis sie merken, dass sie wie füreinander geschaffen sind. Dann jedoch ist es fast zu spät.

Weder der historische Lope de Vega (der insgesamt über 4000 Gedichte und über 800 Dramen geschrieben hat und als produktivster Dichter Spaniens gilt), noch der Lope im Film ist ein „Krieger aus Leidenschaft“ im wörtlichen Sinne. Wenn sich Lope einer Sache verschreibt, dann jener der Literatur, des Theaters, der Unterhaltung fürs einfache Volk. Diesen Kampf für eine neue Kunst des Theatermachens (el arte nuevo de hacer comedias) bildlich als Krieg zu bezeichnen, mag seine Berechtigung haben, als Filmtitel jedoch funktioniert dies nicht, weil kein potentieller Käufer diese Gedankenfolge erkennt.

Und das ist bedauerlich, denn der Film ist ein gut gemachter Historienfilm und lohnt sich – für Freunde der (spanischen) Literatur ebenso wie für Liebhaber historischer Dramen. Die hochkarätige Besetzung (Luis Tosar spielt Bruder Bernardo, Antonio de la Torre mimt Juan, Lopes Bruder) überzeugt ebenso wie Setting und Requisiten. Gleichzeitig macht der Film Lust darauf, Lope de Vegas Gedichte und Stücke im Original zu lesen – seine Verse werden immer wieder rezitiert oder als Off-Kommentar eingespielt. Darüber hinaus enthält der Film selbst alles, was man in einem spanischen Ehrendrama des 16. und 17. Jahrhunderts an Themen vorfinden würde: honra, honor und reputación und natürlich auch einige Szenen des Mantel- und Degen-Spektakels. Es wäre schade, wenn The Outlaw — Krieger aus Leidenschaft nicht den Weg zu seinem Publikum finden würde.

The Outlaw – Krieger aus Leidenschaft

Es ist ein Graus, welche deutschen Titel man so manches Mal für den deutschen Kino- oder DVD-Verleih erfindet. Im spanischen Original heißt der Film schlichtweg „Lope“, denn schließlich erzählt der Film aus dem Leben des historischen Lope de Vega, dem größten Dramendichter Spaniens. Und er stellt gerade den Beginn von dessen Karriere als Dramatiker in den Vordergrund und den Kampf, den er buchstäblich fechten muss, damit seine Komödien und sein neuer Ansatz, Theater zu machen, auf die Bühnen Madrids gelangen.
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