The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Porträt eines Vaters auf der Ersatzbank

Was macht eine Familie, deren Mutter im Koma liegt und sich nicht mehr um ihre beiden Töchter und ihren Ehemann kümmern kann? Der Vater muss das Ruder übernehmen und die Familie versorgen. Diese scheinbar undankbare Aufgabe übernimmt George Clooney in der Rolle von Matt King und räumt an der Seite seiner wunderbar zickigen Töchter sein Leben gründlich auf. Alexander Payne, der sich vor allem einen Namen mit dem Drehbuch-Oscar für Sideways (2004) gemacht hat, zeigt in The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten, wie ein Vater auf der Ersatzbank zum ernstzunehmenden Daddy wird.
Schauplatz der Geschichte ist Hawaii. Hier lebt der Anwalt Matt King mit seinen beiden Töchtern, der altklugen 10-jährigen Scottie (Amara Miller) und der rebellischen 17-jährigen Alexandra (Shailene Woodley). Matt Kings Ehefrau Elisabeth (Patricia Hastie) liegt nach einem Speed-Boat-Unfall in einem tiefen Koma, aus dem sie nicht mehr aufwachen wird. Niemals. Sie liegt im Sterben. Ein Fall für tiefe Trauer, aber auch Wut. Denn die ältere Tochter weiß, dass ihre Mutter vor ihrem Unfall mitten in einer Affäre mit einem anderen Mann steckte. Keine einfache Situation. Zu allem Überfluss muss Matt auch noch entscheiden, ob er den Familienbesitz verkaufen soll – ein herrliches Stück unberührte tropische Natur.

Doch zunächst gilt es, den Liebhaber seiner Frau zu finden. Matt ist nicht nur neugierig, mit wem sich seine Frau heimlich eingelassen hat. Er will außerdem, dass der Lover sich gebührend von seiner Romanze verabschieden kann. So macht er sich im Schlepptau seiner Töchter auf den Weg und erlebt auf diesem Trip so einiges, was ihm die Augen öffnet und sein Leben komplett verändert. Er findet nicht nur Zugang zu seinen Töchtern, sondern trifft auch wichtige Entscheidungen. Je länger seine Frau im Koma liegt, desto mehr findet Matt zu sich selbst und zu mehr Ordnung und Klarheit in seinem Leben.

Regisseur und Drehbuchautor Alexander Payne hat ein Faible für Figuren wie Matt King, die weder Held noch Antiheld sind, sondern ihren Weg durch noch so absurde Umstände finden müssen. Es finden sich starke Ähnlichkeiten zu Figuren in Paynes früheren Filmen, wie etwa zu dem frustrierten Lehrer Jim McAllister (Matthew Broderick) in Election (1999) oder zu dem mit seinem Rentnerdasein überforderten Warren Schmidt (Jack Nicholson) in About Schmidt (2002). Auch Paul Giamattis wunderbar verwirrter Weintourist in Sideways (2004) kann als Vergleichsfigur zu Matt King hinzugezogen werden.

Der Film, der auf dem Roman Mit deinen Augen von Kaui Hart Hemmings basiert, begegnet der Tragik des Lebens mit lauter komischen und aberwitzigen Situationen. Tod, Betrug und Gefühlschaos stellen kein Leid für die Opfer dar, sondern eine echte Chance, um noch mal das bisherige Leben zu überdenken. Payne löst alle Konflikte der Handlung immer wieder mit Komik auf. Solche Kontraste ziehen sich wie ein Faden durch diese Tragikomödie.

Kameramann Phedon Papamichael, der bereits an der Seite von Wim Wenders, James Mangold und Oliver Stone gearbeitet hat, liefert dazu fantastische Bilder von der Inselgruppe Hawaiis – nahezu mystische Bilder aus dem Paradies. Die Location wird damit zu einer der Hauptfiguren, weil sie der Handlung eine exotische Note und damit noch einmal etwas ganz Besonderes verleiht.

The Descandants ist das Porträt eines Mannes, der sich mit schlimmen Nachrichten, schwierigen Menschen und problematischen Entscheidungen seines Lebens auseinandersetzen muss. Daran wächst er. Es tut immer wieder gut, sich Menschen wie diese im Kino anzusehen und sich vielleicht sogar ein wenig an ihnen zu orientieren.

The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

Was macht eine Familie, deren Mutter im Koma liegt und sich nicht mehr um ihre beiden Töchter und ihren Ehemann kümmern kann? Der Vater muss das Ruder übernehmen und die Familie versorgen. Diese scheinbar undankbare Aufgabe übernimmt George Clooney in der Rolle von Matt King und räumt an der Seite seiner wunderbar zickigen Töchter sein Leben gründlich auf.
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Meinungen
Uwe Köllner · 09.02.2012

Selten einen so langweiligen Film gesehen, was daran gut sein soll ist mir ein Rätsel. Das beste sind die Aufnahmen von Hawai, oder auch der ein-oder andere Dialog.

Heidi-Anna · 04.02.2012

Klar, die Szenerie war ok. mache Bilder waren auch schön. Allerdinigs haben die Töchter den Film ausgemacht, Clooney erschien mir langweilig. Für mich ist die Nominierung total unverständlich, eine Himbeere hätte auch gereicht.

Marie-Sophie · 29.01.2012

Ohne das sehenswert schöne Gesicht von George Clooney ist der Film eine mittelmäßige amerikanische Familiensoap. Die Bilder Hawai's sind schon faszinieren; aber das reicht nicht aus für soviel Oskarnominierungen ,nur weil G. Clooney mal ne andere Rolle spielt!

Muß man nicht gesehen haben; es sei denn man möchte sich einmal satt sehen an dem schönen Gesicht des Hauptdarstellers.

Kommentare

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