Schloss des Schreckens (2009)

Schloss des Schreckens (2009)

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Dröger Grusel

Der Grusel-Klassiker von Henry James wurde schon häufig verfilmt, niemals schöner als 1961 von Jack Clayton. Er hat diese Spukgeschichte auf sehr subtile Art und Weise umgesetzt, mit Kameratricks, mit dem Schärferegler, aber auch mit gängigen Erwartungen. So zeigt er die Geister durch Milchglas, aber auch erst, nachdem Miss Giddens' Reaktion zu sehen war. In der Regel wird erst die unheimliche Erscheinung, dann die Reaktion gezeigt. Die Umkehrung ist sehr effektiv. Nichts davon findet sich in der Neuverfilmung aus dem Jahr 2009.
Das neue Schloss des Schreckens versucht krampfhaft, sich von dem Schwarzweiß-Klassiker abzuheben. Indem neue Elemente eingeführt werden. Die Handlung wurde dem viktorianischen England entrissen und ins frühe 20. Jahrhundert verlegt, während eine nichtssagende Rahmenhandlung für Kontur sorgen soll.

Erzählt wird davon, wie Ann als Gouvernante für die Kinder Flora und Miles eingestellt wird. Der Vater möchte nicht weiter behelligt werden, sie soll sich um alles kümmern. Doch dass Miles des Internats verwiesen wurde, ist noch das kleinste Problem. Die Kinder sehen etwas, das auch Ann wahrnimmt. Und die junge Frau erkennt, dass etwas von den Kindern Besitz zu ergreifen scheint.

So plakativ wie das klingt, ist auch der Film, der jedwede Subtilität vermissen lässt. In dieser Version wird die Geschichte als simpler Geisterspuk behandelt, sie ist aber eigentlich so viel mehr. Sie lebt von ihrer unterschwelligen Stimmung unterdrückter Sexualität – ein Umstand, der in dieser neuen Version praktisch völlig fehlt. Stattdessen gibt es Stimmungsmomente, wenn man sie so nennen will, aber sie laufen ohne jedweden Spannungsaufbau ab. Damit einher geht, dass die Figuren ungreifbar bleiben. Das macht das Sympathisieren mit ihnen schwer, wenn nicht gar unmöglich, und das gilt sowohl für die Kinder als auch die Gouvernante.

Dieses neue Schloss des Schreckens ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie man die Feinheiten einer Geschichte grobschlächtig beseitigen kann. Es ist im Kern noch immer eine Adaption von Henry James' Roman, aber eine, die früheren Versionen haushoch unterlegen ist.

Das Kurioseste an dieser Version ist noch, dass es eine Art Verbindung zu früheren Adaptionen gibt. Und zwar in der Form von Corin Redgrave, der hier eine kleine Rolle als Professor spielt. Corin ist der Sohn von Michael Redgrave, der in der 1961er-Version den Onkel dargestellt hat, während seine Schwester Lynn Redgrave im Jahr 1974 in der Fernsehversion mit dem Titel Dem Bösen widerstehen die Gouvernante darstellte.

Mit jeder dieser Versionen ist man besser bedient. Allenfalls Fans von Downton Abbey könnten hier noch ein klein wenig Gefallen finden, agieren doch mit Michelle Dockery und Dan Stevens gleich zwei der Serienstars.

Schloss des Schreckens (2009)

Der Grusel-Klassiker von Henry James wurde schon häufig verfilmt, niemals schöner als 1961 von Jack Clayton. Er hat diese Spukgeschichte auf sehr subtile Art und Weise umgesetzt, mit Kameratricks, mit dem Schärferegler, aber auch mit gängigen Erwartungen. So zeigt er die Geister durch Milchglas, aber auch erst, nachdem Miss Giddens' Reaktion zu sehen war.
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